11.10.2009 · Wie Bertolt Brecht selbst im Jahr 1929 seine „Moritat von Mäckie Messer“ interpretiert, muss man gehört haben. Er macht den Volkssänger zum Avantgardisten. Dritte Folge unserer F.A.Z.-Hörprobe aus der „Bibliothek der Poeten“.
Über hundert der wichtigsten deutschen Dichterinnen und Dichter aus den letzten hundert Jahren werden in der Edition „Lyrikstimmen“ in Originalaufnahmen zusammengeführt und von ihren Verfassern, je nach Temperament, vorgetragen, abgelesen, aufgesagt, hingesemmelt und geschrien. Für die F.A.Z.-Hörprobe haben wir einige kuriose Beispiele ausgewählt.
Wenn man Bertolt Brechts Interpretation der „Moritat von Mäckie Messer“ aus dem Jahr 1929 hört, wundert man sich, dass er zum Aufnahmezeitpunkt erst Anfang Dreißig war. Brecht klingt wie ein Augsburger Moritatensänger aus dem Spätmittelalter mit knarzigem R-Effekt, was zu seiner Zeit freilich einer Avantgarde gleichkam.
Unsere Hörprobe präsentiert außerdem das „Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“ (ebenfalls 1929) und die berühmten Verse „An die Nachgeborenen“ aus dem Jahr 1953.