04.10.2009 · Alles ist vernetzt: Der Detektiv Owen Jericho, der unterdessen der untergetauchten chinesischen Dissidentin Yoyo auf der Spur ist, muss feststellen, dass er eine Gruppe von High-Tech-Killern direkt zu ihrem Opfer geführt hat. Sechste Folge unserer F.A.Z.-Leseprobe „Limit“.
Von Frank SchätzingEr hatte sich für die unmittelbare Konfrontation entschieden, was ihn zwang, seinen Standort vorübergehend zu verlassen. Nachdem er einen weiteren Scanner neben der Eingangstür des Cyber Planet verankert hatte, fuhr Jericho los. Sollten die Späher eine der Zielpersonen erfassen, könnte er binnen weniger Minuten wieder dort sein.
Noch waren die Straßen leer, sodass er gut durchkam. Hinter einem rußschwarzen Gebäude stellte er den Toyota ab, rückte seine Holobrille zurecht und näherte sich Wongs World zu Fuß. Die Glasfront des hiesigen Cyber Planet spiegelte das beginnende Markttreiben. Eindeutig war diese Wong-Filiale weniger heruntergekommen als die andere. Wie Zhao es beschrieben hatte, fehlten die Verschläge für die Prostituierten und Betreiber von Glücksspielen, alles schien ausschließlich der Zubereitung von Essen und dem Verkauf von Lebensmitteln zu dienen. In Körben und Schütten wurden Gemüse, Kräuter und Gewürze feilgeboten. Eine Frau fischte für eine Kundin mit Hilfe eines Stockgalgens eine Schlange aus einem Korb, die in heftige Zuckungen verfiel, als die Verkäuferin ihr routiniert den Leib aufschnitt und die Haut abzog. Jericho wandte sich ab und sog den Geruch frischer Wan Tans und Baozis ein. Der Stand war gut besucht. Zwei junge Männer mit feucht glänzenden Oberkörpern, in Dampf gehüllt, der aus gewaltigen Töpfen aufstieg, schwangen ihre Kellen, reichten Schalen mit Brühe und knusprige, mit Krabben oder Schweinefleisch gefüllte Teigtaschen über die Theke. Jericho ging weiter, die Missfallensbekundungen seines Magens ignorierend. Essen konnte er später. Er überquerte die Straße, betrat den Cyber Planet und ließ den Blick schweifen. Zhao war nicht zu sehen. Schlafkojen gab es keine, allenfalls konnte er die Toilette aufgesucht haben. Jericho wartete zehn Minuten, doch Zhao tauchte nicht auf.
Er trat wieder nach draußen.
Und plötzlich sah er sie.
Es waren zwei. Beide schlenderten zum Wan-Tan-Stand und schauten dabei unbeabsichtigt in seine Richtung. Ihre Umrisse erglühten rot auf dem Glas der Holobrille. Der Junge trug Jeans und T-Shirt, das Mädchen einen Minirock, für den sie zehn Kilo zu viel auf die Waage brachte, sowie eine Motorradjacke, auf der das klotzige Logo der City Demons prangte. Bepackt mit Wongs World-Papiertüten ließen sie die verschwitzten Wan-Tan-Köche großzügige Portionen Brühe in verschließbare Plastikschalen füllen, die sie schwatzend und lachend in Empfang nahmen und in den Tüten verstauten. Beide schienen sorglos und guter Dinge. Sie unterhielten sich eine Weile mit anderen Kunden und gingen weiter.
Sie kauften Frühstück für eine halbe Kompanie.
Jericho folgte ihnen, während ihn der Computer mit Details versorgte, indem er auf Tus Datenbestand zurückgriff. Das Mädchen hieß Xiao Meiqi, genannt Maggie, Studentin der Informatik. Der Name des Jungen war Jin Jia Wei, Studium der Elektrotechnik. Tu zufolge gehörten sie zu Yoyos innerem Zirkel. Mit Daxiong kannte Jericho damit schon vier der sechs Dissidenten von Angesicht, und ganz sicher würden die beiden den Inhalt der Tüten nicht im Alleingang niedermachen.
Er schob sich näher heran und hielt zugleich Ausschau nach Zhao. Maggie Xiao und Jin Jia Wei ließen sich Thermoskannen mit Tee abfüllen, erstanden Zigaretten und kleine Kuchen mit einer Paste aus Nüssen, Honig und roten Bohnen, die Yoyo, wie Jericho sich entsann, liebte, dann überquerten sie die Straße. Im Moment, da er ihre geparkten E-Bikes auf der gegenüberliegenden Seite sah, wusste er, dass es keinen Zweck hatte, die beiden weiter zu Fuß zu verfolgen. Er machte kehrt, startete den Toyota und steuerte ihn zwischen Passanten und Radfahrern hindurch. Die Straße war zu breit für Wäscheleinen, nichts nahm ihm die Sicht, sodass er in wenigen Kilometern Entfernung die Silhouette des Hochofens emporragen sah. Jin und Maggie preschten auf ihren Bikes darauf zu. Sekunden später hatte auch Jericho das Marktgewühl hinter sich gelassen und eine staubige Freifläche vor Augen, jenseits derer sich die Anlage des alten Stahlwerks erstreckte. Die Bikes zogen wolkige Spuren. Er vermied es, den zweien in gerader Linie zu folgen, sondern lenkte den Toyota in den Schatten einer Reihe niedriger Containerbauten.
Yoyo steckte irgendwo in der riesigen Industrieruine, dessen war er sicher.
Gespannt sah er zu, wie die Bikes Kurs auf den Hochofen nahmen, der im Gegenlicht der Morgendämmerung einer Abschussrampe für Raumschiffe ähnelte, im Stil, wie sie Jules Verne vorgeschwebt haben mochte. Ein tonnenförmiger, sich nach oben verjüngender Zylinder von gut und gerne 50 Metern Höhe, ummantelt von einer tragenden Konstruktion aus Stahl, die den Schmelzbehälter eben noch erahnen ließ. Gerüstebenen, Brücken und begehbare Bühnen, durch Stiegen und Streben miteinander verbunden, schier überquellend vor Pumpen, Aggregaten, Scheinwerfern, Leitungen und anderen Gerätschaften. Vom Boden führte ein Fließband steil hinauf zur Einfüllschleuse des Ofens. Ein Rohr gewaltigen Ausmaßes reckte sich darüber in den Himmel, knickte jäh ab und mündete in eine Art überdimensionalen Kochtopf, verbunden mit drei gewaltigen, aufrecht stehenden Tanks. Alles in dieser Welt schien organisch verwachsen und ineinander verschlungen zu sein. Was dem Austausch von Gasen und Flüssigkeiten gedient haben mochte, Kabelstränge, Pipelines und Leitungen, erweckte den Eindruck hoffnungslos verhedderten Gedärms, als habe sich das Innere der kolossalen Maschinerie nach außen gestülpt.
Unmittelbar vor dem Ofen wuchs ein Gitterturm aus dem Boden, etwa halb so hoch. Wie hingehext thronte ein Häuschen mit Giebeldach und Fenstern auf seiner Spitze, durch eine Plattform mit der Ofenkonstruktion verbunden. Offenbar hatte es in früheren Zeiten als Steuerzentrale gedient. Im Gegensatz zu den anderen Gebäuden im Umkreis waren seine Fenster intakt. Jin und Maggie steuerten ihre Maschinen in einen angrenzenden Flachbau, kamen wenige Augenblicke später, ihre Wong-Tüten balancierend, wieder zum Vorschein und begannen, die Zickzackstiege des Turms zu ersteigen. Jericho verlangsamte seine Geschwindigkeit, stoppte und heftete den Blick auf die ehemalige Zentrale.
War Yoyo dort oben?
Im selben Moment gewahrte er aus dem Augenwinkel, wie sich etwas vom Markt her näherte und auf der Freifläche zum Stehen kam. Er wandte den Kopf und sah einen Mann auf einem Motorrad sitzen. Nein, kein Motorrad. Eher, als habe man eine Rennmaschine, einen Schwertwal und ein Düsentriebwerk zu etwas zusammengemixt, dessen Zweck sich dem Betrachter nicht sofort erschloss. Bullig, mit breitem Sattel, geschlossenen Seitenverkleidungen und abgeflachter Windschutzscheibe, gähnte, wo das Vorderrad hätte sein müssen, ein Loch. Silbrige Speichen blitzten darin auf, offenbar eine Turbine. Seitlich des Lenkers und des Sozius entsprangen schwenkbare Düsen. Augenscheinlich glitt das Ding auf seinem glatten Bauch und zwei nach hinten weisenden, spitz zulaufenden Flossen dahin. Erst bei näherer Betrachtung fiel auf, dass dem Bauch ein Bugrad entwuchs und die Flossen in eingelagerten Kugeln endeten, dank derer es auf glattem Untergrund eine gewisse Fahrtüchtigkeit an den Tag legte. Doch der eigentliche Zweck der Maschine war ein anderer. Vor Jahren, als die ersten Modelle zur Serienreife gelangten, hatte Jericho eine Lizenz dafür erworben, um schließlich vor der ruinösen Anschaffung zurückzuschrecken. Sie waren teuer, die Dinger. Zu teuer für Owen Jericho.
Viel zu teuer für jemanden aus Quyu.
Warum saß dann Zhao auf dem Ding?
Zhao Bide, der zum Hochofen hinüberstarrte und Jin und Maggie beim Erklimmen der Stiegen zusah, ohne Jericho im Schatten der Gebäude zu bemerken. Der sich entgegen allen Absprachen nicht gemeldet hatte, obwohl er zwei Wächtern auf den Fersen war, die ihn mit einiger Sicherheit zu Yoyo führen würden. Dessen Nummer Grand Cherokee Wang am Vorabend seines Todes gewählt hatte, um sich eine Minute lang mit ihm zu unterhalten, wie Tus Daten belegten.
Wang hatte Zhao angerufen.
Warum?
Von Unruhe elektrisiert, war Jericho hergefahren, um Zhao zur Rede zu stellen, der sich in diesen Sekunden vorbeugte und mit dem Jackenärmel etwas von den Armaturen wischte - so wie er das Display in Jerichos Wagen poliert hatte.
Alles passte zusammen.
Cherokee Wangs Mörder, unmittelbar vor seiner Flucht aus dem World Financial Center. Im eleganten Maßanzug, mit getönter Brille, falschem Schnurrbart und Perücke, die seine ebenmäßigen Züge vorübergehend in das Antlitz Ryuichi Sakamotos verwandeln, beugt er sich vor und wischt über die Steuerkonsole des Silver Dragon. Doch Jericho hat nicht richtig hingesehen, denn tatsächlich erinnert er ihn weder an einen japanischen Popstar noch an ein Model, sondern die ganze Zeit über an -
Zhao Bide.
Er hat den Killer auf Yoyos Fährte gelenkt.
Im Augenblick, als er das Gaspedal durchtritt, startet Zhao sein Airbike. Turbinenlärm fegt über den Platz. Die Maschine stellt ihre Düsen senkrecht, balanciert einen Moment lang auf den Spitzen ihrer Flossen und schießt steil nach oben, und Jericho wird klar, dass kaum noch Chancen bestehen, Yoyo zu retten.
Wie lächerlich einfach alles gewesen war.
Wie qualvoll zugleich.
Kaum dass er sich seines Abscheus zu erwehren gewusst hatte in den vergangenen Stunden, die ihn das Schicksal nach Quyu gezwungen hatte, einmal mehr den Beweis vor Augen, dass die Erhabenheit der menschlichen Rasse ein Fiebertraum religiös infizierter Darwinisten war, ein tragischer, zur Korrektur bestimmter Irrtum. Der bloße Ekel hatte ihn getrieben, gegenüber Jericho vom Ausschuss der Schöpfung zu sprechen, vom misslungenen Teil des Experiments, ein Leichtsinn! Was Zhao mit knapper Not in Sarkasmus umgewandelt hatte, spiegelte indes Kenny Xins aufrichtige Empörung wider. Der überwiegende Teil seiner Spezies war ein parasitäres Gewimmel, eine Schande für jeden Schöpfer, wenn es denn einen gegeben hätte. Nur wenige, die gleich empfanden, hatten ihrer Einsicht Konsequenzen folgen lassen wie dieser Römer, der seine Stadt niedergebrannt hatte, auch wenn es hieß, er habe den Moment durch seinen Gesang nachhaltig ruiniert. Das reinigende Feuer allerdings hätte Xin gerne gesehen, in dem die Fratze der Armut Blasen warf und verkohlte, mehr noch: Er hätte das Feuer sein wollen!
Nüchtern betrachtet, gebührte einem Schandfleck wie Quyu nichts, als eingeäschert zu werden. Anderthalb Milliarden Menschen lebten weltweit in Slums. Anderthalb Milliarden, an die das Leben vergeudet war, die kostbare Luft atmeten und wertvolle Ressourcen vertilgten, ohne etwas anderes zu produzieren als noch mehr Armut, noch mehr Hunger, noch mehr Auswurf. Anderthalb Milliarden, an denen die Welt erstickte. Quyu wäre ein Anfang, immerhin.
Doch Xin hatte gelernt, seine Emotionen zu zügeln. Sich unabhängig zu erklären vom Diktat der Empfindungen. Auf furiose Weise hatte er sich neu erschaffen, sich immunisiert und gereinigt. So nachhaltig, dass er nie wieder gezwungen wäre, sich die Haut vom Leibe zu reiben im Bemühen, den Dreck loszuwerden, die Fäden ziehenden Umstände seiner Geburt, die klebrigfeuchten Hinterlassenschaften der täglichen Übergriffe, den Schorf der Verzweiflung. Er hatte gewusst, dass er zugrunde gehen müsste, sollte es ihm nicht gelingen, sich zu reinigen, und dass der eigene Tod, der Pissegeruch der Kapitulation, keine Erlösung verhieß.
Also hatte er gehandelt.
Mitunter, nachts, erlebte er den Tag aufs Neue, immer wieder. Das Strafgericht der Flammen. Spürte die Hitze auf seinen Wangen, sah sich den klebrigen Kadaver seiner selbst begraben, empfand die lichte Verwunderung über seinen wunderbaren, neu geborenen Körper, die wilde Freude angesichts der ungeheuren Macht, die ihm von nun an zur Verfügung stehen würde. Er war frei. Frei zu tun, was ihm beliebte. Frei, in jede gewünschte Haut zu schlüpfen, so wie in die Zhao Bides.
Wie lächerlich einfach, sich an Jericho zu hängen, den Mann in seine Dienste zu nehmen. Grand Cherokee Wang mochte ein Idiot gewesen sein, für die Karte des Detektivs schuldete Xin ihm stummen Dank. Jericho hatte ihn nach Quyu geführt, ins ANDROMEDA, wo Xin beschlossen hatte, das Spiel auf die Spitze zu treiben. Keine Perücke diesmal, keine falschen Nasen und Bärte, lediglich passende Kleidung, den Standard-Outfits entnommen, die er mit sich führte. Vielleicht hatte er nicht abgerissen genug ausgesehen, die Applikationen vermissen lassen, doch die Roadies hatten nicht gefremdelt. Sie waren einfach dankbar gewesen, dass sich jemand erbot, ihnen mit den sperrigen Containern zu helfen, und hatten ihm binnen weniger Minuten alle Informationen geliefert, derer es bedurfte, um Jericho zu täuschen: Ass Metal. Die Pink Asses. Wie hätte der Detektiv anders gekonnt, als Xin für einen der Ihren zu halten?
Jericho war die Maus gewesen, er war die Katze. Hatte seinen Plan aus der Improvisation geboren. Angriff, Waffenstillstand, zwei Bier, ein Pakt. Von Hydra mit genügend Wissen über das Mädchen ausgestattet, um den Detektiv zu beeindrucken. Manche Replik hatte er schuldig bleiben müssen. Jerichos Frage etwa, ob er ein City Demon sei, war herangeflogen wie ein angeschnittener Ball. Nichts hatte er über eine Organisation dieses Namens gewusst. So vieles hatte er nicht gewusst, worauf der ahnungslose Detektiv ihn freundlicherweise hingewiesen hatte, etwa, wo Yoyo und ihre Wächter bevorzugt einkauften. Die Lage der Wong-Märkte zu ermitteln, Sache einer Viertelstunde. Zhao Bide war ein loyaler Partner, er half nach Kräften, wozu auch gehörte, Jericho auf den Verfolger aufmerksam zu machen, der er selber war.
Den Nachmittag hatte er im Hyatt zugebracht, lange und ausgiebig geduscht, um den Gestank Xaxus wenigstens für die Dauer einiger Stunden loszuwerden. Eine Benachrichtigung hatte vorgelegen, dass die angeforderten Profis eingetroffen seien und drei Airbikes bereitstünden, ganz so wie er es verlangt hatte. Er hatte die beiden Männer vorgeschickt und war ihnen am Abend ohne Hast gefolgt, zurück in den Dreck, um Jericho dort in Empfang zu nehmen.
Owen Jericho und er. Sie waren ein gutes Team gewesen.
Inzwischen, da die Scanner das Auftauchen Maggie Xiao Meiqis und Jin Jia Weis gemeldet hatten, wurde es Zeit, die Partnerschaft aufzukündigen. Sollte Jericho im Cyber Planet versauern. Das Airbike stieg höher, bis Xin das Stahlwerk in seiner ganzen, gewaltigen Verlassenheit überblicken konnte. Nur vereinzelt waren Menschen zu sehen, Obdachlose und Banden, die in den Werkshallen Unterschlupf gefunden hatten. Ein kleiner Trupp Motorradfahrer zog über die Savannen der Schlackenfelder dahin, näherte sich. Derweil hatten sich Xiao Meiqi und Jin Jia Wei im Treppengestänge emporgearbeitet und die Plattform erklommen, auf der die ehemalige Steuerzentrale des Hochofens ruhte. Das Mädchen verschwand im Inneren, während Jia Wei sich umdrehte und auf den Platz hinaussah.
Sein Blick wanderte zum Himmel.
Xin sprach ins Mikro, erteilte Anweisungen. Dann schwenkte er die Düsen des Airbikes in die Waagerechte.
Über Jin Jia Wei ließ sich sagen, dass er faul und aufsässig war und wenig Interesse an seinem Studium zeigte. Dafür war er ein begnadeter Hacker. Nicht mehr und nicht weniger. Weder teilte er Yoyos hochfliegende Pläne noch hinterfragte er sie, weil sie ihn tatsächlich nicht interessierten. Es war ihr Wille, die Welt zu verbessern? Auch gut. Spaßiger jedenfalls, als in Hörsälen vor sich hin zu schimmeln, außerdem war Jia Wei verknallt in sie, wie eigentlich jeder. Als Chefideologin fand Yoyo hübsch idiotische Gründe, in fremde Netzwerke einzubrechen, bevorzugt in die der Partei, außerdem lieferte sie das Equipment gleich mit. Für Jia Wei fungierte sie damit als Tante aus dem Spielzeugladen, mit ihm als Glückspilz, der all die schönen Sachen ausprobieren durfte, die sie anschleppte. Sie hatte die Ideen, und er die Tricks in petto. Wie nannte man so was noch gleich? Eine Symbiose?
Irgend so was.
Positiv ließ sich vermerken, dass er Yoyo niemals verraten hätte. Schon aus Eigeninteresse nicht, immerhin stand und fiel die Gruppe mit ihr und ihrem von Tu Technologies reich gefüllten Zauberkasten. Dafür war er sogar bereit, ihre Probleme zu seinen zu machen, zumal er sich für die angespannte Lage ein bisschen verantwortlich fühlte. Schließlich hatte er ihr zu dieser todsicheren, superraffinierten Sache geraten, mit der sie ja auch erfolgreich gewesen war, zu erfolgreich leider. Nun plagten Yoyo schlafraubende Sorgen, also hatte Jia Wei die vergangenen zwei Tage herauszufinden versucht, was in besagter Nacht eigentlich schiefgelaufen war. Und etwas gefunden, eine schier unglaubliche Koinzidenz von Ereignissen. Als er nun, gehüllt in eine Wolke aus Wan-Tan-Düften, die Wongs Tüten entstiegen, über den Platz schaute, nahm er sich vor, gleich nach dem Frühstück mit Yoyo darüber zu reden. Maggies Plappern drang aus der Zentrale, die ihnen als Hauptquartier diente, nachdem es im ANDROMEDA nicht mehr sicher war, fröhlich schnatterte sie in ihr Handy und trommelte den Rest der Gruppe zusammen.
»Frühstück«, krähte sie.
Frühstück, genau. Das war es, was er jetzt brauchte.
Doch mit einem Mal schienen seine Füße wie festgewachsen. Von seiner erhöhten Warte aus konnte er bis zur weit ausgelagerten Kokerei sehen, deren Löschturm trist in den morgendlichen Himmel ragte. Das Werksgelände war riesig. Klammerartig umschloss es die alte Stahlarbeitersiedlung. Er fragte sich, wo dieses neue Geräusch herkam, das er in dieser Gegend bislang noch nicht vernommen hatte, ein entferntes Fauchen, als brenne die Luft über Wongs World.
Er kniff die Augen zusammen.
Links vom Löschturm hing etwas am Himmel.
Jin Jia Wei brauchte eine Sekunde, um zu begreifen, dass es der Urheber des Fauchens war. Im nächsten Moment erkannte er, was es war. Und obschon er nie jemanden hatte sagen hören, zu seinen herausragenden Eigenschaften zähle die Intuition, spürte er die Gefahr wie in Wellen von dem Ding ausgehen.
Niemand besaß ein Airbike in Quyu.
Er wich zurück. Zwischen Wongs World und dem Cyber Planet sah er zwei weitere der bulligen Maschinen auftauchen und dicht über dem Boden dahingleiten. Zugleich schlitterte ein Wagen hinter den umliegenden Containerbauten hervor und hielt auf den Hochofen zu. Das Airbike schien sich aufzublähen, eine Sinnestäuschung, hervorgerufen durch die hohe Geschwindigkeit, mit der es sich näherte.
»Yoyo!«, schrie er.
Gleich einem fetten, fliegenden Fisch schoss die Maschine heran. Sonnenreflexe huschten über die abgeflachte Windschutzscheibe und blitzten im Schwungrad der Turbine auf, als der Pilot sein Gewicht verlagerte und das Bike in eine Kurve zwang. Jia Wei stolperte rückwärts ins Innere, die Tüten umklammert, während das Fauchen anschwoll und das Turbinenmaul sich zu dehnen begann, als wolle es ihn in sein rotierendes Schreddergebiss saugen. Im nächsten Augenblick sank das Airbike herab, Maggies und Yoyos Stimmen in einer Lärmwoge hinwegfegend, berührte den Plattformboden, und er sah etwas in der Hand des Piloten aufblitzen -
Xin schoss.
Die Munition pflügte durch den Jungen und die Tüten in seinen Armen. Jia Weis Gesicht explodierte, Flaschen barsten, heiße Suppe, Cola und Kaffee, Blut, Hirnmasse, Wan Tans und Knochensplitter spritzten wild durcheinander. Noch während der aufgeplatzte Körper nach hinten kippte, war Xin aus dem Sattel gesprungen und hatte die Schwelle des Gebäudes übertreten.
Sein Blick erfasste das Innere im Bruchteil einer Sekunde, sondierte, kategorisierte, unterteilte in erhaltenswert, überflüssig, interessant und vernachlässigbar. Steuerpulte mit abgeschalteten Monitoren, blind vor Staub, deuteten auf ein ehemaliges Kontrollzentrum hin, ausgestattet mit Mess- und Regeltechnik zur Überwachung der Hochofenanlage. Ebenso offensichtlich war, welchem Zweck der Raum nun diente. In der Mitte waren Tische zusammengeschoben worden, mit hochmodernen Geräten darauf, transparenten Displays, Computern und Tastaturen. Pritschen an der rückwärtigen Wand zeugten davon, dass die Zentrale bewohnt war oder gelegentlich als Übernachtungsmöglichkeit genutzt wurde.
Er schwenkte die Waffe. Das dicke Mädchen reckte die Hände, Xiao Meiqi, oder hieß sie Maggie? Egal. Ihr Mund stand weit offen, die Augäpfel schienen die Höhlen verlassen zu wollen, was sie ziemlich hässlich machte. Xin schoss sie mit der Beiläufigkeit nieder, mit der Machthabende weniger bedeutenden Leuten die Hand schüttelten, fegte, was sie an Tüten auf dem Tisch abgestellt hatte, mit dem Lauf seiner Waffe beiseite und richtete die Mündung auf Yoyo.
Kein Laut kam von ihren Lippen.
Neugierig legte er den Kopf schief und betrachtete sie.
Er wusste nicht, was er erwartet hatte. Menschen zeigten Angst und Entsetzen auf unterschiedliche Weise. Jin Jia Wei etwa hatte in seiner letzten Lebenssekunde ausgesehen, als könne man die Angst förmlich aus ihm herauswringen. Meiqis Angst wiederum hatte ihn an Edvard Munch erinnert, Der Schrei, ein Zerrbild ihrer selbst. Es gab Menschen, die im Leiden noch Würde und Ansehnlichkeit wahrten. Meiqi hatte nicht dazu gehört. Kaum jemand gehörte dazu.
Yoyo hingegen starrte ihn einfach nur an.
Sie musste aufgesprungen sein im Moment, da Jia Wei ihren Namen gerufen hatte, was ihre geduckte, katzenartige Haltung erklärte. Ihre Augen waren geweitet, doch ihr Gesicht wirkte merkwürdig ausdruckslos, ebenmäßig, beinahe perfekt, hätte nicht ein Schatten um ihre Mundwinkel den Eindruck leicht ins Gewöhnliche gezogen. Dennoch war sie schöner als die meisten Frauen, die Xin in seinem Leben gesehen hatte. Er fragte sich, wie viel Zuwendung ihre Schönheit verkraften mochte. Fast bedauerlich, dass ihnen keine Zeit dazu bleiben würde.
Dann sah er, wie Yoyos Hände zu zittern begannen.
Ihr Widerstand brach.
Er zog einen Stuhl heran, nahm darauf Platz und ließ die Waffe sinken.
»Ich habe drei Fragen an dich«, sagte er.
Yoyo schwieg. Xin ließ einige Sekunden verstreichen, wartete darauf, sie kollabieren zu sehen, doch außer, dass sie zitterte, veränderte sich nichts an ihrer Haltung. Unverändert starrte sie ihn an.
»Auf alle drei Fragen erwarte ich eine schnelle und ehrliche Antwort«, fuhr er fort. »Also keine Ausflüchte.« Er lächelte, so wie man Frauen anlächelt, deren Gunst man durch Offenheit zu gewinnen trachtet. Ebenso gut hätten sie in einer schicken Bar sitzen können oder in einem gemütlichen Restaurant. Ihm fiel auf, dass er sich in Yoyos Gesellschaft ausgesprochen wohlfühlte. Vielleicht blieb ja doch noch ein wenig gemeinsame Zeit.
»Danach«, sagte er freundlich, »schauen wir weiter.«
Jericho sah nichts als Staub, aufgewirbelt von seinem eigenen Wagen, als er mit quietschenden Reifen unterhalb des Gitterturms zum Stehen kam. Er riss die Glock aus der Halterung, stieß die Tür auf und schlitterte zur Treppe. Sie war aus Stahl wie die gesamte Konstruktion und leitete das Geräusch seiner Schritte vernehmlich weiter.
Bonggg, bonggg!
Er fluchte unterdrückt. Zwei Stufen auf einmal nehmend, versuchte er auf Zehenspitzen zu laufen, glitt aus und stieß sich schmerzhaft das Knie auf dem Treppengitter.
Idiot! Sein einziger Vorteil war, dass Zhao ihn nicht gesehen hatte.
Im selben Moment krachten oben Schüsse. Jericho hastete weiter. Je näher er dem Podest kam, desto prominenter drang das Fauchen des Airbikes an sein Ohr. Zhao hatte es nicht für nötig befunden, den Motor abzustellen. Gut so. Das Bike würde ihn übertönen. Er wandte den Kopf und sah unter sich Bewegung auf dem Platz. Motorradfahrer. Ohne ihnen Beachtung zu schenken, nahm er die letzten Stufen, hielt inne und lugte über den Treppenabsatz.
Gleich vor ihm parkte das Airbike. Die Tür zur Zentrale stand offen. Er sprang auf die Plattform, huschte zum Gebäude, verharrte dicht neben dem Rahmen, Rücken zur Wand, Waffe auf Augenhöhe. Zhaos Stimme war zu hören, freundlich und aufmunternd:
»Erstens, wie viel weißt du? Zweitens, wem hast du davon erzählt? Und auch die dritte Frage ist ganz einfach zu beantworten.« Spannungspause. »Es ist die Preisfrage, Yoyo. Sie lautet: Wo - ist - dein - Computer?«
Sie lebte. Gut.
Weniger gut war, dass er den Killer nicht sehen konnte und ergo nicht wusste, in welche Richtung er gerade schaute. Sein Blick erwanderte die Fassade. Kurz vor der Hausecke fiel ihm ein kleines Fenster auf. Geduckt schlich er hin und spähte ins Innere.
Yoyo verharrte stehend hinter einem Tisch voller Computer. Von Zhao sah er nur Beine, eine Hand und den klobigen Lauf seiner Waffe. Eindeutig saß er Yoyo zugewandt, was bedeutete, dass er der Tür den Rücken zukehrte. Das Fenster war einen Spaltbreit geöffnet, sodass Jericho hören konnte, wie Zhao sagte:
»Das kann doch nicht so schwer sein, oder?«
Yoyo schüttelte stumm den Kopf.
»Also?«
Keine Reaktion. Zhao seufzte.
»Gut, ich könnte vergessen haben, die Spielregeln zu erklären. Es geht so: Ich frage, du antwortest. Noch besser, du händigst mir das Ding einfach aus.« Der Lauf der Waffe senkte sich. »Mehr hast du nicht zu tun. Okay? Solltest du die Antwort schuldig bleiben, schieße ich dir den linken Fuß ab.«
Jericho hatte genug gesehen. Er war mit wenigen Sätzen an der Tür, sprang ins Innere und richtete die Waffe auf Zhaos Hinterkopf.
»Sitzen bleiben! Hände nach oben. Keine Heldentaten.«
Sein Blick erfasste die Szenerie. Zu seinen Füßen lag der Körper des Jungen, zerfetzt, als wären Sprengsätze in Kopf und Brust hochgegangen. Wenige Meter weiter hockte Maggie. Sie hielt den Kopf gesenkt, in stumme Betrachtung ihrer Bauchdecke versunken, aus der erstaunliche Mengen Gedärm drängten. Fußboden, Stühle und Tisch waren rot bespritzt. Entgeistert fragte sich Jericho, womit Zhao geschossen hatte.
»Flechettes.«
»Was?«
»Pfeilmunition«, wiederholte Zhao in aller Seelenruhe, als hätte Jericho seine Frage laut gestellt. »Metal Storm, 50 winzige Wolfram-Karbit-Pfeile pro Schuss, fünfeinhalbtausend Stundenkilometer schnell. Durchschlagen Stahlplatten. Man kann geteilter Auffassung darüber sein. Sicher ein Übermaß an Sauerei, andererseits -«
»Schnauze! Hände nach oben.«
Mit quälender Langsamkeit kam Zhao der Aufforderung nach. Jericho fühlte, wie es ihm den Atem abschnürte. Er kam sich hilflos und lächerlich vor. Yoyos Unterlippe bebte, das Maskenhafte verließ sie, der Schock brach sich Bahn. Zugleich gewahrte er das Flackern der Hoffnung in ihren Augen. Und noch etwas, als braue sich in ihrem Kopf ein Plan zusammen -
Ihr Körper spannte sich.
»Nicht«, sagte Jericho warnend in ihre Richtung. »Kein Chaos. Erst müssen wir das Schwein da unter Kontrolle bringen.«
Zhao lachte gellend auf.
»Und wie willst du das anstellen? So wie im ANDROMEDA?«
»Halts Maul.«
»Ich hätte dich umbringen können.«
»Leg die Waffe auf den Boden.«
»Du schuldest mir ein bisschen Respekt, kleiner Jericho.«
»Ich sagte, Waffe auf den Boden!«
»Warum fährst du nicht einfach nach Hause und vergisst die ganze Angelegenheit? Ich würde -«
Es gab einen trockenen Knall. Wenige Zentimeter neben Zhao drang Jerichos Kugel in die Tischplatte ein. Der Killer seufzte. Langsam drehte er den Kopf, sodass sein Profil sichtbar wurde. Ein winziger Sender steckte an seinem Ohr.
»Wirklich, Owen, du übertreibst.«
»Zum letzten Mal!«
»Ist ja gut.« Zhao zuckte die Achseln. »Ich lege sie auf den Boden, ja?«
»Nein.«
»Was dann, jetzt doch nicht?«
»Lass sie fallen.«
»Aber -«
»Lass sie einfach von deinen Knien gleiten. Hände oben lassen. Dann trittst du sie zu mir rüber.«
»Du machst einen Fehler, Owen.«
»Ich habe einen Fehler gemacht. Los jetzt, oder ich schieße dir deinen linken Fuß ab.«
Zhao lächelte dünn. Die Waffe schepperte zu Boden. Er stieß sie mit der Stiefelspitze an, sodass sie ein Stück in Jerichos Richtung rutschte und auf halber Distanz liegen blieb.
»Erschieß ihn«, sagte Yoyo heiser.
Jericho sah sie an.
»Das wäre keine -«
»Erschieß ihn!« Tränen schossen aus Yoyos Augen. Ihre Züge verzerrten sich vor Abscheu und Wut. »Erschieß ihn, ersch -«
»Nein!« Jericho schüttelte heftig den Kopf. »Wenn wir rausfinden wollen, für wen er arbeitet, müssen wir ihn -«
Er redete weiter, aber seine Stimme ging unter im Fauchen und Heulen des Airbikes.
Es war lauter geworden. Warum?
Yoyo schrie auf und wich zurück. Ein dumpfer Schlag ließ den Fußboden erzittern, als vor der Zentrale etwas aufsetzte. Das war nicht Zhaos Bike. Da waren noch mehr solcher Maschinen.
Zhao grinste.
Einen lähmenden Moment lang wusste Jericho nicht, was er tun sollte. Würde er sich umdrehen, wäre der Killer binnen einer Sekunde wieder im Besitz seiner Pistole. Doch er musste wissen, was da draußen vor sich ging.
Und dann begriff er.
Der Sender an Zhaos Ohr! Seine Stimme war die ganze Zeit übertragen worden. Er hatte Verstärkung herbeigerufen. Zhao erhob sich von seinem Stuhl, die Finger um die Lehne gekrallt. Jericho hob die Glock. Sein Gegner verharrte, geduckt wie ein Raubtier vor dem Sprung.
»Fallen lassen«, sagte eine tiefe Stimme hinter ihm.
»Ich würde tun, was er sagt, kleiner Owen.«
»Vorher erschieße ich dich«, sagte Jericho.
»Dann schieß.« Zhaos dunkle Augen ruhten auf ihm, schienen ihn in sich hineinzusaugen. Langsam begann er sich aufzurichten. »Es sind übrigens zwei, und du verdankst es einzig und alleine mir, dass du überhaupt noch am Leben bist.«
Hinter Jericho erklangen Schritte. Eine Hand langte über seine Schulter, griff nach seiner Waffe. Jericho ließ sie sich widerstandslos aus den Fingern nehmen. Sein Blick suchte den Yoyos. Sie drückte sich gegen das alte Steuerpult, ihre Pupillen zitterten.
Eine Faust stieß ihn vorwärts.
Zhao nahm ihn in Empfang, holte aus und schlug ihm mit der flachen Hand ins Gesicht. Sein Kopf flog zur Seite. Der nächste Schlag traf seinen Solarplexus und presste ihm die Luft aus den Rippen. Würgend ging er in die Knie. Jetzt konnte er die beiden Männer sehen, einen dicklichen, bärtigen Asiaten, der auf Yoyo angelegt hatte, der andere hager, blond und mit slawischem Einschlag. Beide trugen Pistolen vom gleichen Typ wie ihr Anführer. Zhao lachte leise. Er strich sich das seidige, schwarze Haar aus der Stirn und richtete sich zu voller Größe auf. Gemessenen Schrittes begann er um Jericho herumzugehen.
»Meine Herren«, sagte er. »Sie erleben den Triumph des Kleinhirns über den Bauch. Das Primat der Planung. Nur so ist es zu erklären, dass ein Mann, der mich praktisch in seiner Gewalt hatte, nun zu unseren Füßen kauert. Ein Detektiv, wohlgemerkt. Ein Profi.« Das letzte Wort spuckte er Jericho vor die Füße. »Dennoch ist uns sein Besuch willkommen. Wir haben nun die Möglichkeit, noch mehr in Erfahrung zu bringen. Wir können Herrn Jericho beispielsweise fragen, was er mich eigentlich fragen wollte.«
Zhaos Rechte schnellte vor, griff in Jerichos Schopf, riss ihn hoch und zu sich heran, sodass er den warmen Atem des Killers auf seinem Gesicht spüren konnte.
»Die Frage nach dem Auftraggeber. Immer wieder interessant. Unser Gast dürfte nämlich kaum von allein auf die Idee gekommen sein, die kleine Yoyo zu suchen. Wer ist also dein Auftraggeber? Stimmt doch, Owen, oder? Jemand hat das Stöckchen geworfen. Hol das Stöckchen, Owen! Finde Yoyo. Wuff! - Gibt es da vielleicht noch jemanden, um den ich mich kümmern sollte?«
Jericho lachte, obwohl die Situation alles andere als komisch war.
»Sieh bloß zu, dass du dich nicht verzettelst.«
»Du hast ja so recht.« Zhao schnaubte, stieß ihn beiseite und näherte sich Yoyo, die nun keinen Versuch mehr unternahm, ihre Angst zu verbergen. Ihre Unterlippe bebte, feuchte Striemen glänzten auf ihren Wangen. »Widmen wir uns also unserer sympathischen Weltverbesserin und bitten sie um Mithilfe bei der Beantwortung bereits gestellter Fragen. Wo - ist - dein - Computer?«
Yoyo wich zurück. Erneut ging eine Veränderung in ihren Zügen vor, als habe sie soeben eine überraschende Entdeckung gemacht. Zhao verharrte, offenbar irritiert. Im selben Moment vernahm Jericho ein leises, metallisches Klicken.
»Gar nichts wirst du tun«, sagte eine Stimme.
Zhao fuhr herum. Zwei junge Männer und eine Frau in Motorradjacken hatten den Raum betreten, Schnellfeuerwaffen im Anschlag, ihn und seine beiden Helfer im Visier, die ihrerseits mit ausgestreckten Armen auf die Neuankömmlinge zielten. Einer davon war ein Hüne mit tonnenförmigem Brustkorb, Gorillaarmen und einer rasierten Halbkugel als Schädel. Eine blaue, kunstvoll gearbeitete Applikation verlängerte seine Kinnspitze, ein künstlicher Pharaonenbart. Jericho stockte der Atem. Daxiong hatte ihn aufs Übelste in die Irre geführt, doch niemanden hätte er in diesem Augenblick lieber hier gesehen.
Sechs Koreaner, die allesamt Prügel bezogen hatten -
Daxiongs Sehschlitze richteten sich auf Yoyo.
»Komm hier rüber«, dröhnte er. »Ihr anderen bleibt, wo -«
Seine Stimme erstarb. Erst jetzt schien der Riese wahrzunehmen, was in der Zentrale vorgefallen war. Sein Blick wanderte vom zerfetzten Leichnam Jia Weis zu Maggies grotesk verkrümmtem Körper. Die Sehschlitze weiteten sich unmerklich.
»Die haben sie umgebracht«, wimmerte das Mädchen an seiner Seite. Alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen.
»Scheiße«, fluchte der andere Junge. »Oh, Scheiße!«
Jerichos Gedanken hetzten einander wie Hunde. Tausend Szenarien fluteten sein Vorstellungsvermögen. Die Killer, die City Demons, jeder zielte auf jeden, während Zhao in lauernde Starre verfallen war und Yoyos Blick von einem zum anderen wanderte. Niemand wagte sich zu bewegen aus Angst, das fragile Gleichgewicht zu stören, was unweigerlich im Desaster enden musste.
Es war Yoyo, die den Bann brach. Langsam ging sie an Zhao vorbei hinüber zu Daxiong. Zhao rührte sich nicht. Nur seine Augen folgten ihr.
»Stopp.«
Er sagte es leise, nicht mehr als ein Zischen, dennoch übertönte es das Fauchen der Airbikes, das hundeartige Keuchen der anderen, das Hämmern in Jerichos Schädel, und Yoyo blieb stehen.
»Nein, komm rüber«, rief Daxiong. »Hör nicht auf -«
»Ihr werdet das nicht überleben.« Zhaos Stimme schlängelte sich heran. »Ihr könnt uns nicht alle töten, also versucht es erst gar nicht. Gebt uns, was wir haben wollen, sagt uns, was wir hören wollen, und wir verschwinden. Niemandem wird etwas passieren.«
»So wie Jia Wei?«, weinte das Mädchen mit der Waffe. »So wie Maggie?«
»Das war unverm - nein, nicht!«
Sie hatte die Waffe eine Winzigkeit geschwenkt, der dicke Asiate den Lauf seiner Pistole herumgerissen und auf ihren Kopf gerichtet. Daxiong und der andere City Demon reagierten ähnlich. Die Kinnladen des Blonden mahlten. Zhao hob beschwörend die Hand.
»Es ist genug Blut vergossen worden! - Yoyo, hör zu, du hast etwas gesehen, das du nicht hättest sehen dürfen. Ein Zufall, dummer Zufall, aber wir können das Problem aus der Welt schaffen. Ich will deinen Computer, ich muss wissen, wem du dich anvertraut hast. Niemand muss mehr sterben, ich verspreche es. Überleben gegen Stillschweigen.«
Du lügst, dachte Jericho. Jedes deiner Worte ist der reine Betrug.
Yoyo drehte sich unschlüssig zu Zhao um, blickte in das schöne Gesicht des Teufels.
»Ja, gut, Yoyo, gut so!« Er nickte. »Ich gebe euch mein Wort, dass niemandem etwas geschehen wird, solange ihr kooperiert.«
»Scheiße!«, schrie der Junge neben Daxiong. »Das ist doch alles gequirlte Scheiße! Die werden uns abknallen, sobald -«
»Nimm dich in Acht!«, brüllte der Blonde.
»Kenny, das bringt nichts.« Der Dicke bebte vor Nervosität. »Wir sollten die kaltmachen.«
»Fette Sau! Vorher machen wir dich -«
»Schnauze!«
»Ein Wort noch! Ein Wort, und ich werde -«
»Aufhören! Hört alle auf!«
Augen zuckten hin und her, Finger spannten sich um Abzüge. Als habe sich der Raum mit einem entzündlichen Gas gefüllt, dachte Jericho, und nun fieberte jeder dem Schnappen des Feuerzeugs entgegen. Doch Zhaos Autorität hielt alle in Schach. Die Explosion blieb aus. Noch.
»Bitte - gib - mir - den - Computer.«
Yoyo wischte sich mit der Hand übers Gesicht, verschmierte Tränen und Rotz. »Lässt du uns dann laufen?«
»Beantworte meine Fragen und gib mir deinen Computer.«
»Ich habe dein Wort?«
»Ja. Dann lassen wir euch laufen.«
»Du versprichst, dass Daxiong und Ziyi und - und Tony nichts geschehen wird? Und - dem da?«
Wie fürsorglich, dachte Jericho.
»Hör nicht auf ihn«, sagte er. »Zhao wird -«
»Ich habe niemals mein Wort gebrochen«, unterbrach ihn Zhao, ohne Notiz von ihm zu nehmen. Es klang freundlich und aufrichtig. »Schau, ich bin dafür ausgebildet, Menschen zu töten. Wie jeder andere Polizist auch, wie jeder Soldat, jeder Agent. Die nationale Sicherheit ist ein höheres Gut als einzelne Menschenleben, das verstehst du bestimmt. Aber meine Versprechen halte ich.«
»Wenn du ihm den Computer gibst, bringt er uns alle um«, stellte Jericho fest. Er sagte es so nüchtern wie möglich. »Ich bin dein Freund. Dein Vater schickt mich.«
»Er lügt.« Zhaos Stimme schmeichelte sich heran. »Weißt du was? Ihn solltest du weit mehr fürchten als mich. Er treibt ein perfides Spiel mit dir, jedes seiner Worte ist gelogen.«
»Er wird dich töten«, sagte Jericho.
»Das soll er mal versuchen«, schnaubte der Junge, dessen Name also Tony war. Er reckte angriffslustig das Kinn vor, doch seine Stimme und seine ausgestreckte Waffe zitterten unmerklich. Ziyi, das Mädchen, begann haltlos zu schluchzen.
»Gib ihm endlich den Scheißcomputer!«
»Tu es nicht«, sagte Jericho eindringlich. »Solange er nicht weiß, wo dein Computer ist, muss er uns am Leben lassen.«
»Schnauze!«, fuhr Daxiong ihn an.
»Gib ihm endlich den verdammten Computer!«, schrie Ziyi.
Yoyo trat zum Tisch. Ihre Finger schwebten über einem Gerät, kaum größer als ein Schokoriegel, gekoppelt an Tastatur und Bildschirm.
»Du machst einen Fehler«, sagte Jericho mutlos. Alle Kraft strömte aus seinen Gliedern. »Er wird dich töten.«
Zhao sah ihn an.
»So wie du Grand Cherokee Wang getötet hast, Jericho?«
»Ich habe - was??«
Yoyo hielt inne.
»Blödsinn!« Jericho schüttelte den Kopf. »Er lügt. Er hat -«
»Halt endlich das Maul«, schrie der dicke Asiate, riss seine Waffe herum und richtete sie auf Jericho, der mit verblüffender Klarheit jeden einzelnen Schweißtropfen auf der Stirn des Killers wahrnahm, dicht an dicht, glitzernd wie Noppenfolie.
Daxiong legte auf den Asiaten an. Zhaos Augen weiteten sich.
»Nein!«, schrie er.
Das Feuerzeug zündete.
Jericho sah Tony die Waffe hochziehen, dann knallte es zweimal kurz hintereinander, und der Dicke klappte zusammen. Alles geschah gleichzeitig. Mit ohrenbetäubendem Knall entlud sich die Pistole des Blonden und schoss Tony das halbe Gesicht weg. Er kippte vornüber und nahm Daxiong die Sicht, während Ziyi spitze Schreie von sich gab und Yoyo in Richtung Tür stürmte. Zhao versuchte sie zu packen, verfehlte sie und schlug der Länge nach hin. Jericho hechtete nach der Waffe am Boden. Er bekam den Lauf zu fassen, doch Zhao war schneller, während Ziyi wild um sich feuerte und den Blonden hinter dem Tisch in Deckung zwang.
Er duckte sich.
Daxiong preschte vor, rutschte in Jia Weis Blut aus und knallte mit dem Hinterkopf auf die Dielen, Jericho mit sich reißend. Eine Garbe pflügte den Boden neben ihm auf. Er robbte weg von dem bewusstlosen Hünen und sah Ziyi wie eine Rachegöttin über Tonys Leiche steigen, schreiend und ziellos feuernd. Im nächsten Moment spritzte eine hellrote Fontäne dort, wo ihr rechter Arm gewesen war. Das Krachen aus Zhaos Pistole hallte nach, während er nach draußen rannte. Ziyi schwankte. Mit glasigem Blick drehte sie sich um ihre Achse, einen Ausdruck gelinder Überraschung in ihren Zügen, und verspritzte ihr pumpendes Blut gegen den Blonden, verteilte es in seinen Augen. Der Mann hob schützend die Hand, versuchte, ihrem sterbenden Körper auszuweichen, verlor das Gleichgewicht.
Jericho sprang auf. Zu seinen Füßen zuckte Ziyis abgetrennter Arm, und plötzlich überkam ihn die Vision einer Theateraufführung. Dankbar gewahrte er etwas in sich beiseitetreten und kapitulieren. Eine Maschine übernahm das Kommando über sein Denken und seine Motorik, deren ganzer Ehrgeiz sich darin erschöpfte, zu funktionieren. Er bückte sich, nestelte die Waffe aus den erschlafften Fingern, richtete die Mündung auf den gestrauchelten Killer und drückte ab.
Leer.
Mit einem Aufschrei schleuderte der Blonde das tote Mädchen von sich, tastete nach seiner Pistole und entlud sein Magazin in die Luft, geblendet von Ziyis Blut. Jericho wirbelte aus der Schusslinie und zog ihm die Waffe über den Schädel. Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, setzte er mit großen Sprüngen über die dahingestreckten Körper und hastete ins Freie.
Kurz haderte Xin damit, wie einfach alles hätte gewesen sein können. Das Mädchen aufgespürt, mitsamt ihrem Computer. Zu wissen, welcher es war. Ihr zu entlocken, um wen er sich noch zu kümmern hatte, eine Sache weniger Minuten. Xin war sicher, dass Yoyo für Schmerzen äußerst empfänglich war. Sie hätte ihm schnell verraten, was er wissen musste.
Der Job könnte erledigt sein.
Stattdessen war wie aus dem Hut gezaubert Owen Jericho aufgetaucht. Xin hatte nicht die mindeste Ahnung, was den Detektiv hergetrieben hatte. War seine Tarnung nicht perfekt gewesen? Uninteressant für den Moment. Dunkel und massig ragte der Hochofen vor ihm auf. Zwischen Yoyo und der Stiege unten parkten zwei Airbikes. Von Verwirrung geleitet, hatte sie sich wohl einen Augenblick zu lange mit der Frage beschäftigt, welcher Weg der kürzere sei, und da war Xin auch schon hinaus auf die Empore gestürmt und hatte sie vom Treppenabsatz weggedrängt. Der Gitterturm bot damit keine Möglichkeit mehr zur Flucht. Also war sie über die Brücke geflohen, die Zentrale und Hochofen miteinander verband, auf die andere Seite, mitten hinein in den Dschungel aus Laufgängen, Gerätschaften und Rohren, die den Schmelzbehälter umwucherten.
Ohne besondere Eile kam er ihr nach. Jede der Gerüstebenen des Ofens war mit der nächsthöheren durch Stiegen verbunden, doch nach unten hin blockierte zusammengebrochenes Stützwerk den Weg. Auch Yoyo war ihr Fehler mittlerweile klar geworden. Sie schaute abwechselnd zu Xin und in die Höhe, während sie sich langsam rückwärts schob. Seine Siegesgewissheit kehrte zurück. Er blieb stehen.
»Ich wollte das nicht«, rief er.
Yoyos Züge verschwammen. Einen Moment lang glaubte er, sie wieder in Tränen ausbrechen zu sehen.
»Ich hatte sowieso nie vor, dir das Ding zu geben«, schrie sie.
»Yoyo, es tut mir leid!«
»Dann verpiss dich!«
»Habe ich etwa mein Wort gebrochen?« Er legte alle Gekränktheit, derer er fähig war, in seine Worte. »Habe ich das?«
»Leck mich!«
»Warum vertraust du mir nicht?«
»Wer dir vertraut, ist tot!«
»Deine Leute haben angefangen, Yoyo. Sei doch vernünftig, ich will nur mit dir reden.«
Yoyo schaute hinter sich, nach oben, heftete ihren Blick wieder auf Xin. Fast hatte sie die Stiege erreicht, die ins nächsthöhere Level führte. Er legte die Pistole vor sich hin und zeigte ihr beide Handflächen.
»Keine Gewalt mehr, Yoyo. Kein Blutvergießen. Ich schwöre es.«
Sie zögerte.
Komm schon, dachte er. Du kannst nicht nach unten. Du sitzt in der Falle, kleine Maus. Dumme, kleine Maus.
Doch die Maus erschien ihm plötzlich alles andere als hilflos. Irritiert fragte er sich, wer hier eigentlich wem Theater vorspielte. Das Mädchen stand unter Schock, sicher, doch wie sie sich der Stiege näherte, erinnerte sie in nichts mehr an die tränenüberströmte Yoyo, die noch vor einer Minute bereit gewesen war, ihm ihren Computer zu überlassen. In ihrer katzenhaften Art, sich zu bewegen, erkannte er seine eigene über Jahre geschulte Wachsamkeit, deren Erwerb auf Zähigkeit, Misstrauen, Überlebenswillen und Verschlagenheit gründete.
Yoyo war stärker, als er angenommen hatte.
Im Moment, da sie auf die Stiege sprang, wusste er, dass jede weitere Diplomatie Zeitvergeudung wäre. Falls es überhaupt je eine Chance gegeben hatte, das Mädchen zu beschwatzen, war sie vertan.
Er nahm seine Waffe auf.
Hinter ihm schwoll das Heulen einer Turbine an. Xin fuhr herum und sah Jericho im Sattel eines der Airbikes sitzen, im Bemühen, das Gefährt zu starten. Blitzschnell erwog er seine Optionen, doch Yoyo hatte Vorrang. Er ignorierte den Detektiv und hastete der Fliehenden hinterher, deren Schritte den Laufgang über ihm erzittern ließen, sah ihre Silhouette durch die Gitterstreben davonschnellen. Mit wenigen Sätzen war er oben, fand sich in einem Hohlweg aus Verstrebungen und Rohrleitungen wieder, erhaschte einen Blick auf fliegende Haare, als Yoyo hinter einem rostigen Pfeiler verschwand, dann hämmerten ihre Schritte dem nächsthöheren Stockwerk entgegen.
Allmählich begann sie, lästig zu werden. Höchste Zeit, die Sache zu beenden.
Er jagte ihr hinterher, Stockwerk um Stockwerk, bis er sie dort hatte, wo es kein Weiterkommen mehr gab. Wenige Meter über ihr verjüngte sich der Ofen und mündete in eine Schleuse, über die zu früherer Zeit Koks und Erze eingefüllt worden waren. Darüber erhob sich ein kantiger, verwinkelter Aufbau, gipfelnd in dem gewaltigen Abluftgestänge, das die Konstruktion schon von Weitem kennzeichnete. Senkrechte Gerüste führten zum höchsten Punkt, bis in schätzungsweise 70 Meter Höhe. Ab da hatte man nur noch freien Himmel über sich. Kein Entkommen war mehr möglich, es sei denn, man traute sich zu, rund 20 Meter über ein steil abwärtsführendes Rohr zu balancieren und weitere zehn Meter tief auf den riesigen, kochtopfartigen Tank zu springen, in dem es endete.
Er lauschte. Überraschend still war es hier oben, als seien der ferne, diffuse Großstadtlärm und die Geräuschkulisse Xaxus ein Meer, das unter ihm wogte. Irgendwo in der Stratosphäre sangen die Turbinen großer Flugzeuge.
Xin legte den Kopf in den Nacken. Yoyo war verschwunden.
Dann sah er sie klettern.
Wie ein Affe hing sie in den Streben, zog sich höher hinauf, und er begriff, dass es sehr wohl eine Fluchtmöglichkeit gab. An die Schleuse grenzte ein Förderband. Von der Ofenspitze erstreckte es sich bis zum Boden, steil, aber begehbar.
Verdammte Göre.
Brauchte er sie überhaupt noch lebend? Sie hatte ihre Hand nach dem Computer ausgestreckt, es gab keinerlei Zweifel, welcher es war. Das Gerät befand sich noch in der Zentrale, nur dass er nicht wusste, mit wem sie alles über die Sache gesprochen hatte.
Fluchend machte er sich an den Aufstieg.
Lautes Fauchen näherte sich ihm. Eine Hand ins Gitter geklammert, die andere um die Waffe geschlossen, wandte er den Kopf.
Das Airbike schoss direkt auf ihn zu.
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