03.10.2009 · Mondgöttinnen kann es nicht genug geben: Doch wenn es um die chinesische Konkurrenz geht, hört der Spaß auf. Die weltpolitische Lage ist ernst; der Kampf um die Claims hat schon begonnen. Fünfte Folge unserer F.A.Z.-Leseprobe „Limit“.
Von Frank SchätzingTim hatte Amber seit ihrem orbitalen Liebesflug jede Spekulation über Lynns mentale Verfassung erspart, aus Gründen der Rücksichtnahme, wie er sich einzureden versuchte, da seine Frau wild entschlossen war, den Trip zu genießen, tatsächlich, weil er hinreichend mit der Ausfechtung eigener Dilemmata beschäftigt war. Zunehmend ertappte er sich dabei, Vergnügen aus einer Reise zu ziehen, die er sich eigentlich vorgenommen hatte, von Herzen zu hassen: die Umstände ihres Zustandekommens, das überheblich Julianische daran. In gleichem Maße, wie er sich amüsierte, beschlich ihn ein pubertäres Empfinden von Hochverrat. Korrumpierbar durch ein Ticket! Er redete sich ein, es sei der Übermacht der Eindrücke zuzuschreiben, dass er unvermutet Anflüge von Sympathie für den alten Rattenfänger registrierte. War er nicht mit sich übereingekommen, Julian zu verabscheuen, der vor lauter Größenwahn nicht sah, auf wen er trat bei seinem Marsch in die Zukunft, der seine Nächsten vernachlässigte oder zu Fetischen erklärte, unfähig, ihr Bedürfnis nach einem Quantum Normalität nachzuvollziehen?
Es war so hübsch einfach gewesen, ihn zu hassen.
Der Julian allerdings, den er in der Enge des Raumschiffs kennengelernt hatte, verunsicherte ihn damit, nicht ignorant und egoman zu sein, jedenfalls nicht hinreichend genug, um Tims vernichtendes Urteil über ihn aufrechtzuerhalten. Vielmehr ließ er Erinnerungen an Zeiten kindlicher Bewunderung aufkommen. An Crystal, seine Mutter, die bis zum Moment, da ihr Verstand erodiert war, darauf bestanden hatte, nie einen liebevolleren Menschen gekannt zu haben als seinen Vater, die ihn mit Sonnenstrahlen verglichen hatte, beglückend und leider flüchtig. Der solcherart Gehuldigte war eine Stunde vor ihrem Tod mit einem selbst gebauten Suborbitalflugzeug in die Thermosphäre entwichen, obwohl er wusste, wie kritisch ihr Zustand war. Er hatte es gewusst - und jenen entscheidenden Moment lang vergessen, dessen es bedurfte, einen Rekord zu brechen, einen Preis zu gewinnen und sich seinen Sohn zum immerwährenden Feind zu machen.
Lynn hatte Julian verziehen.
Tim nicht.
Stattdessen hatte er seine Dämonisierung betrieben. Und immer noch mochte er Julian nicht vergeben, obschon oder gerade weil er den Eckpfeiler seines Abscheus bröckeln sah. Dieses Hotel konnte nicht einzig der Logik des Profits und einem ruinösen Selbstverwirklichungstrieb entsprungen sein. Es musste mehr dahinterstecken, ein Traum, zu gewaltig, um zwischen einer Handvoll Familienmitgliedern aufgeteilt zu werden. Ob es ihm passte oder nicht, insgeheim begann er den Alten zu verstehen, seine malariahaften Schübe von Entdeckungsdrang, seine Nomadennatur, die ihn Wege finden ließ, wo andere Wände sahen, sein Bekenntnis zu den Kräften der Fortentwicklung und Erneuerung, und er empfand Eifersucht auf Julians große Geliebte, die Welt. Einhergehend mit dem Schwelbrand seines Gesinnungswandels drängte sich die Vorstellung auf, bezüglich Lynns übertrieben zu reagieren, sie vielleicht sogar - ohne dies zu beabsichtigen! - gegen Julian zu missbrauchen, indem er weniger ihr Wohl im Auge hatte als Julians Schuld an ihrem Leid. Er liebäugelte mit der Vorstellung, dass es ihr in Wirklichkeit ebenso gut ging, wie sie ständig behauptete, und er sich seiner versöhnlicher werdenden Haltung nicht zu schämen brauchte. Und plötzlich, beim Dinner in GAIAs Nasengegend respektive dort, wo sie ihre Nase hätte haben müssen, das Panorama der Schlucht vor Augen, wünschte er sich nichts mehr, als einfach nur Spaß haben zu dürfen, ohne die Gespenster der Vergangenheit am Tisch, die ihn wie schlechter Umgang begleiteten.
»Dir scheint's ja zu schmecken«, konstatierte Amber.
Sie saßen an einer langen Tafel im schwarzsilberblau gehaltenen SELENE und aßen Rotbarbe auf Safranrisotto. Der Fisch schmeckte, als habe man ihn eben aus dem Meer gefischt.
»Salzwasserzucht«, belehrte sie Axel Kokoschka, der Koch. »Haben große Tanks im Untergrund.«
»Ist das nicht einigermaßen kompliziert, hier oben ozeanische Verhältnisse zu schaffen?«, fragte Karla Kramp. »Ich meine, man kippt doch nicht einfach Salz ins Wasser?«
Kokoschka überlegte. »Nicht einfach so.«
»Die Salinität ist auf der Erde doch auch je nach Biotop verschieden, oder? Braucht es nicht eine spezielle Zusammensetzung, um eine Umgebung zu erzeugen, in der die Tiere überleben können? Chlorid, Sulfat, Natrium, Beimischungen von Calcium, Kalium, Jod, et cetera.«
»'n Fisch muss sich zu Hause fühlen, stimmt.«
»Ich will's ja nur verstehen. Sind nicht viele Fische auf eine permanente Strömung angewiesen, ausgewogene Sauerstoffzufuhr, geregelte Temperatur, all das?«
Kokoschka nickte nachdenklich, strich sich mit scheuem Lächeln über die Glatze, rieb ausgiebig seinen Dreitagebart, sagte: »Genau« und entwich. Kramp sah ihm verblüfft hinterher.
»Danke, dass Sie's mir erklärt haben«, rief sie.
»Kein Meister der großen Worte, was?«, grinste Tim.
Sie stach ein Stückchen Rotbarbe ab und ließ es zwischen ihren Modigliani-Lippen verschwinden.
»Wenn er es schafft, einen Fisch auf dem Mond so zuzubereiten, kann er sich meinetwegen die Zunge rausschneiden.«
Zwei Restaurants und zwei Bars teilten sich auf vier Ebenen GAIAs frontverglasten Schädel. Die Scheiben wölbten sich bis in die Schläfengegend, sodass man von überall cinemaskopische Rundumblicke genoss. SELENE und CHANG'E, die beiden Restaurants, nahmen die untere Hälfte ein, darüber lag die LUNA BAR, ganz oben der MAMA KILLA CLUB, wo unter Sternen getanzt werden konnte. Von dort führte eine gläserne Luftschleuse zum höchstgelegenen Punkt des Hotels, einer Aussichtsterrasse, die nur im Raumanzug zu betreten war, und die ein spektakuläres 360-Grad-Panorama bot. Kokoschkas Schüchternheit außer Acht gelassen, umsorgten er, Ashwini Anand, Michio Funaki und Sophie Thiel die Gruppe mit großer Zuvorkommenheit. Lynn genoss allseits Bewunderung für ihr Hotel. Über kalt werdenden Speisen gab sie bereitwillig Auskunft, parierte Fragen wortreich, aufgekratzt und sichtlich geschmeichelt. Eine ganze Weile gab es keine anderen Themen als die fremdartige Welt, die sie betreten hatten, das GAIA und die Qualität des Menüs.
Dann verlagerte sich der Fokus.
»Chang'e«, sinnierte Mukesh Nair beim Hauptgericht, getrüffeltem Rehfilet, belegt mit hauchdünnen Scheiben gerösteten Brotes, die von zerfließender Foie Gras erglänzten. »Ist das nicht ein Begriff aus der chinesischen Raumfahrt?«
»Ja und nein.« Rogaschow nahm einen Schluck alkoholreduzierten Château Palmers. »Einige Raumsonden waren so benannt, mit denen die Chinesen Anfang des Jahrtausends den Mond erkundeten. Aber eigentlich handelt es sich um eine mythologische Figur.«
»Chang'e, die Göttin des Mondes«, nickte Lynn.
»GAIA scheint nichts als Mythologie im Kopf zu haben«, lächelte Nair. »Selene war die Mondgottheit der Griechen, nicht wahr? So wie Luna die des antiken Roms -«
»Das weiß sogar ich«, freute sich Winter. »Luna und Sol, dieser Sonnenknilch. Die Götter der Ewigkeit, wisst ihr, absteigend, aufsteigend, hoch, runter, ohne Unterlass. Der eine kommt, der andere geht, wie in einer Schichtarbeiterehe.«
»Sonne und Mond. Schichtarbeiter.« Rogaschow ließ ein Lächeln spielen. »Leuchtet ein.«
»Ich interessier' mich für Götter und Astrologie! Die Sterne sagen die Zukunft voraus.« Sie beugte sich vor, Reste von Reh mit dem Doppelgestirn ihrer Brüste beschattend, die sie zur Feier des Abends in ein schimmerndes Nichts genötigt hatte. »Und wisst ihr was? Wollt ihr noch was hören?« Ihre Gabel zerteilte die Luft. »Von einigen, also von denen, die echt Ahnung hatten im alten Rom, wurde sie Noctiluca genannt, und man hat extra einen Tempel für sie beleuchtet, nachts auf dem Palatin, das ist so ein Berg in der Stadt. Ich war nämlich mal dort, ganz Rom ist voller Berge, also keine Stadt in den Bergen, versteht ihr, sondern ein Stadtgebirge, falls es einer genau wissen will.«
»Sie sollten uns öfter die Welt erklären«, sagte Nair freundlich. »Was heißt Noctiluca?«
»Leuchterin der Nacht«, schloss Winter feierlich und belohnte sich mit einem nicht gesellschaftsfähigen Schluck Rotwein.
»Und Mama Killa?«
»Irgend 'ne Mutti, denke ich. - Julian, was heißt Mama Killa?«
»Na ja, wir waren verlegen um Mondgöttinnen«, sagte Julian vergnügt, »aber Lynn hat dann doch einige ausgegraben, Ningal, die Gattin des assyrischen Mondgottes Sin, die babylonische Annit, Arabiens Kusra, Isis aus Ägypten -«
»Aber Mama Killa gefiel uns am besten«, fiel Lynn ein. »Mutter Mond, die Göttin der Inkas. Nachfahren der Hochkultur verehren sie noch heute als Beschützerin verheirateter Frauen -«
»Ach ja?« Olympiada Rogaschowa horchte auf. »Ich denke, in dieser Bar werde ich mich bevorzugt aufhalten.«
Rogaschow zuckte mit keiner Miene.
»Erstaunlich, dass Sie eine chinesische Mondgöttin in Betracht gezogen haben«, nahm Nair den Faden rasch wieder auf, bevor sich Verlegenheit breitmachen konnte.
»Wieso denn?«, fragte Julian arglos. »Haben wir etwa Vorurteile?«
»Na, Sie sind Chinas schärfster Konkurrent!«
»Nicht ich, Mukesh. Sie meinen die USA.«
»Ja, gewiss. Dennoch sehe ich an dieser Tafel Amerikaner, Kanadier, Engländer und Iren, Deutsche, Schweizer, Russen und Inder sitzen, und bis vor Kurzem hatten wir noch das Vergnügen französischer Gesellschaft. Nur erblicke ich keinen einzigen Chinesen.«
»Keine Sorge, sie sind da«, sagte Rogaschow gleichmütig. »Wenn mich nicht alles täuscht, graben sie keine tausend Kilometer südwestlich von hier fleißig den Regolith um.«
»Aber hier sind sie nicht.«
»Kein Chinese würde in unsere Projekte investieren«, sagte Julian. »Die wollen ihren eigenen Fahrstuhl.«
»Wollen wir den nicht alle?«, bemerkte Rogaschow.
»Ja, aber wie Sie ganz richtig festgestellt haben, fördert Peking im Un-terschied zu Moskau bereits Helium-3.«
»Apropos Fahrstuhl.« Ögi häufte Gänseleber auf dunkelrotes Fleisch. »Stimmt es denn, dass sie kurz vor dem Durchbruch stehen?«
»Die Chinesen?«
»Mhm.«
»Das propagieren sie mit schöner Regelmäßigkeit.« Julian lächelte vielsagend. »Wäre es so, würde Zheng Pang-Wang nicht jede Gelegenheit wahrnehmen, mit mir Tee zu trinken.«
»Aber -«, Mukesh Nair stützte sich auf die Ellbogen und massierte seinen fleischigen Nasenrücken, »- ist es nicht auch so, dass Ihnen Ihre amerikanischen Freunde einen Flirt mit den Chinesen nachhaltig verübeln würden, speziell nach der Mondkrise im vergangenen Jahr? Will sagen, dass Sie in Ihren Entscheidungen nicht ganz so frei sind, wie Sie es vielleicht gerne wären?«
Julian spitzte die Lippen. Sein Gesicht verdüsterte sich, so wie immer, wenn er sich anschickte, seine Unabhängigkeit von aller Regierungsgewalt zu erklären. Dann breitete er mit fatalistischer Geste die Arme aus.
»Schauen Sie, was ist der Grund Ihres Hierseins? Praktisch alle Staaten, wenn sie auch noch so lautstark auf die Leistungsfähigkeit ihrer nationalen Raumfahrtprogramme pochen, würden sich amerikanischer Federführung unterwerfen, sollten entsprechende Offerten an sie ergehen. Oder sagen wir, sie würden eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe anstreben, was nichts anderes hieße, als dass sie das Budget der NASA aufstockten und dafür Schürfrechte wahrnehmen dürften. Die Offerte kommt aber nicht, aus gutem Grund. - Jedoch gibt es eine Alternative. Man kann mich unterstützen, ein Angebot, das ausschließlich Privatinvestoren vorbehalten ist. Ich veräußere kein Know-how, sondern lade ein, daran zu partizipieren. Wer mitmacht, kann eine Menge verdienen, aber Formeln und Baupläne nicht weitergeben. Das ist der Grund, warum meine Partner in Washington unsere kleine Tischgesellschaft hier verschmerzen. Man weiß dort, dass keines Ihrer Länder auf absehbare Zeit in der Lage wäre, einen Fahrstuhl zu bauen, geschweige denn eine Infrastruktur zur Gewinnung von Helium-3 auf die Beine zu stellen. Es fehlt an den Grundlagen, an den Mitteln, einfach an allem. Folgerichtig können Leute wie Sie in den landeseigenen Raumfahrtprogrammen nur Geld verlieren. Washington ist darum zu glauben bereit, dass wir hier über bloße Beteiligungen sprechen. - Mit China verhält es sich jedoch anders. Peking hat eine Infrastruktur aufgebaut! Sie fördern Helium-3! Sie haben den Boden bereitet, nur dass ihnen ihre veraltete Technologie Grenzen setzt. Das ist ihr Dilemma. Sie sind schon viel zu weit gekommen, um sich noch an jemand anderen dranzuhängen, es ist ja lediglich der verdammte Fahrstuhl, der ihnen fehlt! Glauben Sie mir, kein Chinese, ob Politiker oder Unternehmer, würde in dieser Situation auch nur einen einzigen Yuan in meine Hände legen, es sei denn -«
»Um dich zu kaufen«, schloss Evelyn Chambers, die mehrere Gespräche gleichzeitig verfolgte. »Der Grund, warum Zheng Pang-Wang mit dir Tee trinken geht.«
»Säße heute Abend ein Chinese zwischen uns, dann definitiv nicht mit der Absicht, sich zu beteiligen. Washington würde schlussfolgern, dass ich mir Offerten für einen Know-how-Transfer unterbreiten lasse.«
»Schließen die das nicht schon aus Ihren Treffen mit Zheng?«, fragte Nair.
»Man trifft sich nun mal in dieser Branche. Auf Kongressen, Symposien. Na und? Zheng ist ein unterhaltsamer Kauz, ich mag ihn.«
»Dennoch sind Ihre Freunde nervös, oder nicht?«
»Sie sind ständig nervös.«
»Zu Recht. Wer einmal oben ist, beginnt auch zu graben.« Ögi wischte seine Schnurrbartbürste sauber und warf die Serviette neben den Teller. »Warum machen Sie's eigentlich nicht, Julian?«
»Was? Das Lager wechseln?«
»Nein, nein. Niemand spricht davon, das Lager zu wechseln. Ich meine, warum verkaufen Sie die Fahrstuhltechnologie nicht einfach an jedes Land, das scharf darauf ist, und lassen sich den Hintern vergolden? Auf dem Mond käme ein prosperierender Wettbewerb in Gang, der Ihr Reaktorgeschäft ungemein beleben würde. Sie könnten sich weltweit Anteile an der Förderung sichern, Exklusivverträge über die Belieferung mit Strom aushandeln, so wie unser abwesender Freund Tautou das Trinkwasser kontrolliert, indem er sich als Gegenleistung für Aufbereitungsanlagen und Versorgungsnetze ganze Quellen überschreiben lässt.«
»Sie würden sich eben nicht von einer Abhängigkeit in die nächste begeben«, spann Rogaschow den Faden weiter, »sondern alle wären abhängig von Ihnen.« Er prostete Julian mit leichtem Spott zu. »Ein wahrer Freund der Menschheit.«
»Und das soll funktionieren?«, mischte sich Rebecca Hsu ein.
»Warum denn nicht?«, fragte Ögi.
»Sie wollen China, Japan, Russland, Indien, Deutschland, Frankreich und wem sonst noch alles Zugang zur Fahrstuhltechnologie gewähren?«
»Bezahlten Zugang«, korrigierte sie Rogaschow.
»Schlechter Plan, Oleg. Dann dauert es nicht lange, bis sich hier oben alle die Köpfe einschlagen.«
»Der Mond ist groß.«
»Nein, der Mond ist klein. So klein, dass mein rotchinesischer Nachbar und Ihre amerikanischen Freunde, Julian, nichts Besseres im Sinn hatten, als sich dasselbe Fördergebiet auszusuchen, habe ich recht? Es bedurfte zweier Nationen«, sie spreizte Zeige- und Mittelfinger, »um einen Konflikt vom Zaun zu brechen, dessen Umschreibung als Mondkrise nachgerade geschmeichelt ist. Die Welt stand kurz vor einer bewaffneten Auseinandersetzung der Supermächte, und das war nicht besonders spaßig.«
»Warum sind denn beide ins selbe Gebiet gegangen?«, fragte Winter unschuldig. »Aus Versehen?«
»Nein.« Julian schüttelte den Kopf. »Weil Messungen vermuten ließen, dass im Grenzgebiet zwischen Oceanus Procellarum und Mare Imbrium außergewöhnlich hohe Konzentrationen von Helium-3 lagern, wie man sie sonst nur auf der Rückseite findet. Ähnlich stark angereichert scheint die benachbarte Bucht Sinus Iridum östlich des Juragebirges zu sein. Klar, dass jeder für sich beansprucht, dort buddeln zu wollen.«
Hsu furchte die Brauen. »Und das soll mit noch mehr Nationen anders werden?«
»Ja. Wenn man den Mond aufteilt, bevor sich das Goldgräberheer in Bewegung setzt. Aber Sie haben natürlich recht, Rebecca. Ihr habt alle recht. Ich muss zugeben, dass die Vorstellung, die Raumfahrt endlich zur Angelegenheit der Menschheit zu machen, meinen Beifall findet.«
»Durchaus verständlich«, lächelte Nair. »Sie können nur profitieren vom guten Tun.«
»Na, und wir erst«, bekräftigte Ögi.
»Ja, eine feine Sache.« Rogaschow legte sein Besteck aus der Hand. »Es gibt dabei lediglich ein Problem, Julian.«
»Welches?«
»Einen solchen Gesinnungswandel zu überleben.«
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