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F.A.Z.-Leseprobe: Einführung „Entschlüsselt“ von Craig Venter

10.09.2009 ·  Die Entschlüsselung des Genoms machte Craig Venter zu einem der berühmtesten Forscher unserer Zeit. Sein Erfolg wurde ihm nicht in die Wiege gelegt, er musste ihn sich im akademischen Betrieb und teilweise auch gegen sich selbst erkämpfen. Eine Einführung in seine Autobiographie.

Von Joachim Müller-Jung
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Der Welt bekannt geworden war der Genforscher und Unternehmer J. Craig Venter endgültig am 26. Juni 2000, als er an der Seite des amerikanischen Präsidenten im Weißen Haus die Entzifferung des menschlichen Genoms bekannt gab. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde ein wissenschaftliches Ergebnis auf so hoher politischer Bühne präsentiert. Mit dabei war sein Widersacher im Wettlauf um die erste Genomentschlüsselung, Francis Collins, vom staatlich finanzierten Internationalen Humangenomprojekt, und - live zugeschaltet - der britische Premierminister Tony Blair. Es war eine Sternstunde für die Wissenschaft und sollte zum Meilenstein für die künftige Medizin und Biotechnik werden (siehe auch: Kurzbiografie: Craig Venter).

Venter wurde so endgültig zu einem der berühmtesten Forscher unserer Zeit. Ein Ruhm, den er sich gegen viele Widerstände im akademischen Betrieb und teilweise auch im Kampf gegen sich selbst erwarb. Der heute Dreiundsechzigjährige galt stets als rebellisch, eigensinnig und suchte schon im Kindesalter mehr als alle anderen das Risiko. Er war der geborene Einzelkämpfer. Am wohlsten fühlte er sich auf dem Surfbrett draußen im Meer. Dass ausgerechnet er die Genomforschung prägen sollte, einer Disziplin, in der der Erfolg wie kaum anderswo von der Teamfähigkeit jedes Mitspielers abhängt, liegt nicht zuletzt an diesem Hang zum Eigensinn und zur Waghalsigkeit.

Venter ging immer den anderen Weg - und hatte Erfolg damit. Venter entwickelte neue Methoden, mit denen sich neue Gene entdecken ließen, er baute Roboterparks und bugsierte die Molekularforschung damit in eine neue Dimension, und er hat sich - geprägt von einem medizinischen Kriegstrauma und getrieben von der Aussicht auf Fortschritt, Ruhm und Geld - in immer neue wissenschaftliche und kommerzielle Abenteuer gestürzt. Zuletzt, als viele schon meinten, Venter habe seine Angriffe aufs akademische Establishment aufgegeben, hat er gezeigt, dass er die Grenzen der anderen immer noch nicht akzeptiert. Mit Hochdruck arbeitet er nun an der künstlichen Erzeugung von Designergenomen und völlig neuen Organismen, die sich möglicherweise eines Tages biotechnisch für den Umweltschutz und die Medizin nutzen lassen.

Als die amerikanische Originalfassung seiner Autobiografie („A Life Decoded“) vor knapp zwei Jahren herauskam, war der Aufschrei seiner Gegner voraussehbar. Seine subjektive Sicht und viele seiner Erinnerungen wurden attackiert. Venter aber steht mit damit in einer mehr als respekatablen Tradition, etwa der seines Erzfeindes James Watson, „Vater“ der Genforschung und graue Eminenz der Genomforschung, dessen autobiografischen Deutungen vor bald vierzig Jahren gleichfalls auf die Kritik vieler Beteiligter gestoßen war.

Venter gewährt einen persönlich gefärbten Blick hinter die Kulissen eines Wissenschaftsbetriebes, der wie kaum ein zweiter die technischen und medizinischen Revolutionen vorantreibt. Er gibt auch als erster Mensch jedem Einblick in sein persönliches Genom - das erste individuelle Erbgut eines Menschen, das vollständig sequenziert und dessen Buchstaben wie bisher kein zweites in Einzelheiten analysiert worden sind. Venter zieht selbst seine Schlüsse daraus für sein bisheriges Leben, sein Temperament und sein künftiges Schicksal.

Kostproben dieser persönlichen Deutungen bieten wir in vier Leseproben aus der deutschsprachigen Ausgabe von Venters Autobiographie, die soeben beim Verlag S. Fischer erschienen ist.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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