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Dienstag, 14. Februar 2012
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Maigret-Marathon 73 Der einsame Mann

02.10.2009 ·  75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

Von Tilman Spreckelsen
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75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

Dass sich Zeugen gut und präzise an eine Sache erinnern, ist bekanntlich die große Ausnahme. Dass sie es tun, wenn mittlerweile 20 Jahre vergangen sind, ist noch unwahrscheinlicher. Dass sich dieser Fall aufklären lässt, ist im Wesentlichen solchen Zeugenaussagen geschuldet wie: Ach ja, diese junge Frau habe ich einmal gesehen, als sie am 3. Mai 1946 um 7 Uhr morgens mit dem Fahrrad in der Rue Pipapo an mir vorbeifuhr, sie hatte einen blaugeblümten Rock an und wirkte so unglücklich mit ihrer Laufnase ... Gut, das war übertrieben. Aber nicht viel.

Die Handlung in einem Satz: Ein toter Clochard, der offensichtlich mal eine bürgerliche Existenz geführt hat, wird ermordet aufgefunden, und es kostet Maigret schon einige Mühe, allein die Identität des Opfers herauszufinden - von der des Mörders ganz zu schweigen.

Spielt in: Paris und Baule (im Département Loire-Atlantique), wegen des langen Strandes scheint das eine schöne Dienstreise zu sein.

Neues über Maigret: Da der Roman im August 1965 spielt und Maigret „demnächst“ 55 wird, muss man als Geburtsjahr 1910 annehmen. Sein legendäres Exiljahr in Lucon fand 1946 statt (übrigens ist der Untersuchungsrichter Caméliau hier bereits tot). Maigret mag Coq au vin, hat Flugangst und kann nicht schwimmen.

Und Frau Maigret? Nichts.

Konsum geistiger Getränke: Bier, Muscadet.

Nichts ist so frisch wie die Zeitung von Vorgestern

Er ist 35, sie ist 20, er hat einen schönen Beruf und Frau und Kind, sie steht mit allem ganz am Anfang, und dass er geht, um nicht mehr wiederzukommen und bei der jungen Geliebten zu bleiben, spricht nicht notwendig für seine Reife, aber wer wollte da richten. Wie aber all dies nach einem halben Jahr eine Katastrophe herbeiführt, ein Beben auslöste, das bis in die Romangegenwart (also zwanzig Jahre später) fortwirkt, das ist zwar konstruiert, aber sehr schön konstruiert. Lösen hätte sich der Fall allerdings nicht lassen, wäre Maigret nicht die beste Quelle für den vergangenen Alltag eingefallen, die es überhaupt gibt: Das Zeitungsarchiv.

Lieblingssatz: „Maigret trank genüsslich sein Bier und nahm sich vor, dass es das letzte an diesem Tag sein würde.“

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Quelle: FAZ.NET
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