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Maigret-Marathon 61 : Maigret gerät in Wut

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Dieses Buch nicht zu kennen, ist sicherlich kein Unglück. Ein flügellahmer Roman, dieser 61. „Maigret“, ein bisschen zäh, ein bisschen gezwungen, und wüsste man nicht, dass noch 14 weitere kommen, man könnte an einen matten Abschied aus einer Welt glauben, die sich überlebt hat.

          Die Handlung in einem Satz: Ein Mann wird ermordet, der offensichtlich keine Feinde mehr hatte, obwohl er zur Rotlichtgröße aufgestiegen war, und erst am Ende stellt sich heraus, dass Maigret selbst tiefer in der Sache steckte, als alle glaubten.

          Spielt in: Paris. Übrigens enthält dieser Roman einiges zum Aussehen der „Brasserie Dauphine“.

          Neues über Maigret: Den Gasthof „Le vieux Garçon“ in Morsang am Seine-Ufer hat Maigret vor 20 Jahren bei einer Ermittlung kennengelernt (siehe auch: Maigret-Marathon 11: Die kleine Landkneipe). Seitdem fährt er immer wieder mit seiner Frau dorthin.

          Und Frau Maigret? Ist demonstrativ nicht eifersüchtig.

          Konsum geistiger Getränke: Eigentlich will Maigret, auf Anraten seines Freundes Pardon, seinen Alkoholkonsum zügeln. Das Ergebnis dieses Falles: ein nicht näher bezeichneter Aperitif. Weißwein (mehrfach, unter anderem Pouilly). Chinati. Bier. Cognac. Als Maigret am Ende zu seiner Frau kommt, hat er eine tüchtige Fahne, die sie lieber unkommentiert lässt.

          Auf den Holzweg gestoßen

          Ja, Maigret ist empfindlich, wenn es um seine Ehre geht, empfindlicher jedenfalls, als es seine behäbige Statur ahnen lässt. Und sicher, sein Versuch, beim Trinken etwas kürzer zu treten, macht ihn weder gelassener noch als Ermittler besser. Und drittens ist „Maigret gerät in Wut“ natürlich ein schöner Titel für einen Roman. All dies vorausgesetzt, hört man es dann doch im Gefüge dieses Buches knirschen, man merkt deutlicher, dass sich der Autor ein bestimmtes, zuvor durch ihn nicht sonderlich gut ausgeleuchtetes Milieu vorgenommen hat (und es gleichzeitig durch die Zugabe netter Familienszenen verniedlichen möchte), der Wille zur Lesertäuschung durch falsche Fährten liegt hier so offen wie nie, und natürlich kriegt Maigret am Ende einen exzellenten Grund dafür serviert, sich aufzuregen. Aber sonst?

          Lieblingssatz: „Während er Torrence zuhörte, wurde sein Gesicht immer ernster, und er schien nicht mehr an das Bier zu denken, das er sich genehmigen wollte.“

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