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Maigret-Marathon 6 : Der gelbe Hund

Bild: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Bei Nick Drake klang das vor vielen Jahren so: „A black eyed dog he called at my door / The black eyed dog he called for more / A black eyed dog he knew my name“, und so gruselig geht das mit dünner, geradzu brechender Stimme gesungene Lied auch weiter: “I'm growing old and I wanna go home / I'm growing old and I don't wanna know“. Auch wer nicht ganz so labil ist wie der späte Drake, wird sich gegenüber einem starrenden Hund nicht wohlfühlen.

          Die Handlung in einem Satz: Maigret wird in eine kleine Küstenstadt geschickt, um einen Mordversuch aufzuklären, und muss sich mit einem gelben Hund auseinandersetzen, dessen Blick offenbar Verderben über die Bevölkerung bringt.


          Spielt in: Concarneau in der Bretagne.


          Neues über Maigret: Er ist „seit einem Monat zur mobilen Brigade von Rennes beordert, wo bestimmte Abteilungen neu zu organisieren waren.“

          Konsum geistiger Getränke: Der steht hier unter einem schlechten Stern: Kaum setzt sich der Kommissar, um im Kreis der Opfer und Verdächtigen ein Glas Pernod zu sich zu nehmen, stellt sich heraus, dass die ganze Karaffe mit Strychnin versetzt ist. Sehr viel lustiger wird das Trinken dann auch in der folgenden Woche nicht mehr.

          Der Kommissar als Rechtsbeuger

          Maigret wirkt nicht glücklich, als er in die Hafenstadt kommt, und nicht unglücklich, als er wieder abreist: Wer immer dort Rang und Namen hat, ist mit einer äußerst laschen Moral geschlagen, lernen wir. Dass wir dabei der Witterung des Kommissars kapitellang hinterherhinken, versteht sich, und auch, dass sich der Hund am Ende als fellgewordenes Ablenkungsmanöver entpuppt, wofür er fast dran glauben muss, weil sich die Bevölkerung nur zu gern vor dem großen gelben Tier gruselt. Maigrets ewige Sentimentalität aber, seine Einfühlung in die wahren Opfer und sein Wille, ihnen bis zur Rechtsbeugung hin Gerechtigkeit zu verschaffen, zeigt sich auch hier: Am Ende ist die wahre Heldin schwanger, der wahre Held segelt mit ihr davon. Vorhang.

          Lieblingssatz: „Und jedes Mal, wenn er den Kopf abwandte, starrte ihn das Serviermädchen mit fieberndem Blick an.“

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