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Maigret-Marathon 51 Maigret auf Reisen

17.04.2009 ·  75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

Von Tilman Spreckelsen
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75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

Der Roman beginnt in der Nacht zu einem Mittwoch, dem 7. Oktober. Er spielt nach Maigrets großer Amerikareise, und eine Erfahrung, die der Kommissar dabei gemacht hatte, kommt ihm hier zugute: Damals wies man ihn darauf hin, dass jeder Passagier der Ersten Klasse rechnerisch dauerhaft von mehreren Menschen bedient wird, so üppig ist das Zahlenverhältnis zwischen Angestellten und Reisenden bemessen. Maigret wäre nicht Maigret, wenn ihn die Sache nicht noch Jahre später ärgerte.

Die Handlung in einem Satz: Ein Milliardär wird ermordet, seine Geliebte flieht nach Südfrankreich und in die Schweiz, und Maigret reist ihr hinterher, obwohl sich der letzte Akt dann wieder in Paris abspielt - am Quai des Orfèvres.

Spielt in: Paris, Nizza, Monte Carlo, Genf, Lausanne.

Neues über Maigret: Sein Vater trank niemals Tee. Und Maigret besitzt keine große Flugerfahrung.

Und Frau Maigret? Diesmal nichts.

Konsum geistiger Getränke: Whisky. Weißwein. Calvados. Bier.

Armes, reiches Würstchen

Am Anfang zeigt sich Maigret ausgerechnet in Gegenwart seines jüngsten Mitarbeiters, des kleinen Lapointe, geradezu eingeschüchtert gegenüber einem Mitglied der besseren Kreise. Das nagt später an ihm, nicht nur wegen des Gesichtsverlusts nach außen, sondern weil er sich selbst diese Reaktion übelnimmt. Dass sich dabei ein ernstes Problem für seine Ermittlung auftut, ist ihm rasch klar, aber auch, dass sich darin eine Chance verbirgt. „All diese Leute, deren Gepflogenheiten sich von denen gewöhnlicher Sterblicher unterschieden, regten ihn auf. Ihm wurde klar, dass er nur unzulänglich dafür gerüstet war, sie zu begreifen, und dass er Monate brauchen würde, um sich einen Überblick über ihre Angelegenheiten zu verschaffen.“ Am Ende kann er dann die Scharte auswetzen (und mehr als das), indem er demjenigen, von dem er sich anfangs so einschüchtern ließ, lässig und im Vorübergehen die Hand auf die Schulter legt. Selten feierte Maigret einen derart strahlenden Sieg. Und selten feierte er einen Sieg so beiläufig.

Lieblingssatz: „Würden sich diese Menschen nicht verloren fühlen, wehrlos, gewissermaßen völlig nackt und so ohnmächtig, unbeholfen und zerbrechlich wie Babys, wenn sie auf einmal in ein normales Leben hineingestellt würden?“

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Jahrgang 1967, Redakteur im Wissenschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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