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Maigret-Marathon 50 Maigret amüsiert sich

10.04.2009 ·  75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

Von Tilman Spreckelsen
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75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

Diesmal ermittelt Maigret praktisch nicht, er beschränkt sich aufs Zeitungslesen, schickt anonyme Briefe und erlaubt sich nur ein einziges Mal, eine Zeugin aufs Glatteis zu führen, indem er mit verstellter Stimme bei ihr anruft. So aber erleben wir ihn diesen Roman über als hilflos und süchtig: Was wäre er ohne die Zeitungen, die er jeden Morgen und Nachmittag kauft, die er studiert und interpretiert und deren Faszination sich ihm erst jetzt (wo er sie nicht mehr mit Informationen beliefert, sondern ihnen umgekehrt alles verdankt) ganz erschließt: Es hilft nichts, dieser Roman ist die große Apotheose des Journalismus, er ist die Feier der gedruckten Welterklärung, die zweimal täglich auf die welthungrigen Massen niedergeht, und wer das nicht glaubt, der lese beispielsweise die Seiten 60 und 61 des Romans. Oder er halte sich gleich an den Wirt der kleinen normannischen Kneipe ganz am Ende des Buchs: „Für ihn wie für viele andere war das gedruckte Wort der Zeitung wahr wie das Evangelium.“ Denn das lustige ist ja, was diese Stelle angeht: Der Wirt hat recht.

Die Handlung in einem Satz: Eine Frau wird in der Arztpraxis ihres Mannes tot aufgefunden, und obwohl Maigret eigentlich Urlaub hat und eisern schwört, sein Büro nicht zu betreten, lässt ihn der Fall nicht los.

Spielt in: Paris und Concarneau

Neues über Maigret: Eine romantische Erinnerung an seine Verlobungszeit knüpft sich an einen kleinen Wald im Vallée de Chevreuse. Als er die Sache erwähnt, wird Frau Maigret rot. Er ist 20 Jahre älter als sein Mitarbeiter Janvier. Seit über 30 Jahren liest Maigret die Inschrift „Catoire et Potul“ über dem Tor des großen Lagerhauses gegenüber seiner Wohnung.

Und Frau Maigret? Ihre elsässische Schwester wohnt in Colmar und besitzt mit ihrem Mann Charles ein Ferienhaus in Col de la Schlucht.

Konsum geistiger Getränke: Bier. Calvados. Wein. Schnaps.

Tödliche Lebensgier

Wer früh weiß, dass er vermutlich bald sterben wird, der hat die Wahl zwischen Resignation und dem schnellen Ausschöpfen aller Möglichkeiten, die ein Leben üblicherweise bereithält. Die junge Éveline entscheidet sich für das zweite und scheint gerade daran zugrunde zu gehen. Seltsam, was sie anhäuft, um sich zu bestätigen, dass es sie noch gibt. Und traurig, wie wenig das denjenigen, an die sie sich klammert, zu denken gibt.

Lieblingssatz: „Da er nichts zu tun hatte, erschien ihm Paris in einem neuen Licht, und er war entschlossen, das bis zur Neige auszukosten.“

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Jahrgang 1967, Redakteur im Wissenschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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