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Maigret-Marathon 43 Hier irrt Maigret

12.02.2009 ·  75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

Von Tilman Spreckelsen
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75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

Je nun, warum sollte ausgerechnet Maigret nicht einen kleinen Aberglauben pflegen, wenn er ans Ermitteln geht. Seiner ist wenigstens originell - wenn auch andererseits nicht schrecklich überraschend, wenn man den Kommissar etwas besser kennt:

„Maigret ließ den Wagen weiter oben in der Straße halten, vor einem Bistro, in dem er schon einmal einen Grog getrunken hatte. Heute Abend war es jedoch weniger kalt als damals, und er bestellte einen Marc, obwohl es eigentlich nicht die richtige Tageszeit dafür war. Er bestellte ihn nur, weil er gestern dasselbe getrunken hatte. Seine Kollegen vom Quai des Orfèvres hänselten ihn wegen dieser Marotte. Wenn er zum Beispiel am Anfang einer Untersuchung Calvados trank, dann machte er mit Calvados weiter. So hatte es schon Bier-, Rotwein- und sogar Whiskyuntersuchungen gegeben.“

Die Handlung in einem Satz: Eine junge Frau wird ermordet, die zwei Liebhaber hinterlässt, was alle ziemlich normal finden und gar nicht verstehen, warum Maigret sich damit nicht abspeisen lässt.

Spielt in: Paris.

Neues über Maigret: Die Place Saint-Sulpice mag er nicht. In diesem Buch ist er seit knapp 35 Jahren bei der Polizei. Und wünscht sich „seit 30 Jahren nichts sehnlicher, als Vater zu sein.“

Und Frau Maigret? Leider nichts Neues.

Konsum geistiger Getränke: Grog, Schnaps, Marc, Bier, Wein, Cognac.

Genies sind eben Genies

Ob man Simenon seine Figuren glaubt, hängt ja gar nicht davon ab, ob man ähnlichen Menschen schon einmal begegnet ist, sondern ob man sie für möglich hält, weil sie einem so glaubwürdig geschildert werden. Diesen genialen Arzt mit all den Frauen, die ihn umgeben, diese stillschweigend angenommene Tatsache, dass er deren physische Hingabe eben braucht, Genie, das er nun einmal ist, dass offenbar keine der mitunter vierzig Jahre jüngeren Frauen ihn zurückweist - das kauft man dem Autor beim besten Willen nicht ab. Und während man sich noch ärgert, erscheinen feine Risse in diesem Bild. Ein Glück. Muss man noch erwähnen, dass es wieder einmal ein - wenn auch sehr kleines - Kind ist, das zum Katalysator des ganzen wird?

Lieblingssatz: „Sehen Sie, Monsieur Maigret, ob es nun meine Frau ist oder Lucile Decaux oder irgendeine andere, sie bilden sich alle ein, dass sie sich für mich aufopfern, und das verschafft ihnen ein intensives Gefühl der Befriedigung. Sie helfen mir und schützen mich sozusagen um die Wette.“

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Jahrgang 1967, Redakteur im Wissenschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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