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Maigret-Marathon 40 Maigret und sein Revolver

22.01.2009 ·  75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

Von Tilman Spreckelsen
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75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde )

Je mehr wir ihn kennenlernen, umso stärker verfestigt sich uns (und vermutlich auch dem schreibenden Simenon) das Bild eines Mannes, der sich in der Fremde unbehaglich fühlt: London (das er doch eigentlich kennt), das Luxushotel Savoy (auch hier zeigt er eine erstaunliche Ortskenntnis, jedenfalls für den kürzesten Weg zur Bar), die Straßen mit den Unbekannten - all dies schüchtert ihn regelrecht ein, macht ihn brummig und hindert ihn daran, seine Ermittlungen in der gewohnten Weise durchzuführen. Das ist ein Zug an ihm, der sich in den letzten Romanen verstärkt hat und sein herausragendes Vermögen auf aparte Weise begleitet - hatte er nicht früher seine Fälle gerade dadurch gelöst, dass er sich bewusst dieser Fremde aussetzte?

Die Handlung in einem Satz: Maigrets Revolver wird in seiner Wohnung gestohlen, und weil sich wenig später ein Mord ereignet, in den der Revolverdieb zumindest verstrickt scheint, unternimmt Maigret alles, um einen weiteren Mord, der sich abzeichnet, zu verhindern.

Spielt in: Paris und London.

Neues über Maigret: Sein vollständiger Vorname ist Jules Joseph Anthelme. Seinen Kaffee nimmt er ohne Milch, aber mit Zucker.

Und Frau Maigret? Sie ist unbeholfen am Telefon und verträgt keinen Alkohol. Starker Auftritt am Anfang, danach bleibt sie blass (bis zu einem Gastspiel im letzten Kapitel). Schade!

Konsum geistiger Getränke: Pastis, Cognac, Schnaps, doppelter Scotch ohne Soda, Rheinwein, Bier - war Maigret je so durstig wie auf seinem Ausflug nach London?

Vatergefühle?

Es ist Juni im Buch und Juni (1952) in Simenons Leben. Die Grundnervosität, die sich durch den Roman zieht, wird man schlecht von der Vorstellung eines gut Fünfzigjährigen lösen können, der in Connecticut sitzt und seinen Kommissar zum vierzigsten Mal - sieht man von den Erzählungen ab - ermitteln lässt. Er macht seine Sache gut, geradezu unfallfrei, und am Ende werden die gutmütigen Verbrecher das alles nur wenig beschadet überstanden haben, während die Femme fatale ihrer Strafe nicht entgehen wird - „Sexy Sadie, you'll get yours yet, how ever big you think you are.“ Aber woher der - im Gegensatz zu Simenon - kinderlose Maigret dieses Verständnis für das Bedürfnis des Sohnes nimmt, den Vater zu verehren, und das des Vaters, den Sohn unter allen Umständen zu schützen, bleibt Simenons Geheimnis. „Als ich Vater wurde“, schreibt Balzac, „habe ich Gott verstanden.“ Maigret kann es auch so.

Lieblingssatz: „Geben Sie doch zu, dass Sie seit heute Morgen darauf gefasst sind und dass es die Angst ist, die Sie krank macht!“

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Jahrgang 1967, Redakteur im Wissenschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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