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Maigret-Marathon 32 : Maigret in Arizona

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Zwei Jahre nach Maigrets Abenteuer auf Porquerolles (siehe: Maigret-Marathon 31: Mein Freund Maigret) findet man ihn nun in der Wüste von Arizona. Dort wurde das Buch 1949 auch verfasst, zwanzig Jahre nach Simenons erstem „Maigret“, und dass der Autor seiner Sache keineswegs müde ist, teilt sich sofort mit. Wie Maigret allerdings, auf dessen kümmerliche Englischkenntnisse Simenon ja sehr gern hinweist, hier nun in der Lage sein soll, einer kompletten mehrtägigen Gerichtsverhandlung beizuwohnen, ist rätselhaft.

          Die Handlung in einem Satz: Ein Mädchen, das zuvor eine Nacht lang mit fünf Soldaten durch die Häuser gezogen ist, wird in der Wüste tot aufgefunden, und eine Gerichtsverhandlung soll klären, wie die Siebzehnjährige ihre letzten Stunden verbrachte.

          Spielt in: Tucson, Arizona

          Neues über Maigret: Er hat den Militärdienst abgeleistet (und erinnert sich nur ungern daran). Den Führerschein hat er nie gemacht. Und ein Bruder seiner Mutter war Finanzbeamter.

          Und Frau Maigret? Kriegt am Ende einen Brief ihres in Amerika umherziehenden Gatten, der ihr mitteilt, wie unwirklich ihm gerade das gewohnte Leben in Paris erscheint. Ihre Reaktion erfahren wir leider nicht.

          Konsum geistiger Getränke: Bier, Whisky, Manhattan, Wein, Cognac.

          Ungestellte Fragen und ein Zettel

          So inaktiv haben wir Maigret selten erlebt. Ermitteln darf er nicht, und während der Gerichtsverhandlung brennen ihm die Fragen auf den Lippen, die er nicht stellen darf und die auch sonst keiner stellt. Banale Fragen sind das, aber höchst wichtige, und es dauert eine Weile, bis er erkennt, dass hier - aller scheinbaren Transparenz zum Trotz - das meiste im Verborgenen abläuft. Schrecklich aber ist diese Geschichte: Fünf Soldaten, ein Mädchen, viel Alkohol und eine verschwitzte Männersolidarität, die angesichts des Mädchens sofort zerbröselt, vor Gericht dann aber wieder funktioniert. So unterschiedlich, lernt Maigret, sind die Menschen dann doch nicht, ob diesseits, ob jenseits des Atlantiks - wie könnte er auch sonst den Namen des Täters erraten, ihn auf einen Zettel schreiben und diesen dann dem ermittelnden Kommissar zustecken?

          Lieblingssatz: „Maigret war sich darüber im Klaren, dass ein Reisender immer ein bisschen lächerlich wirkt, weil er möchte, dass alles so läuft wie zu Hause.“

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