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Maigret-Marathon 31 : Mein Freund Maigret

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass es im Mittelmeer eine Insel namens Porquerolles gibt, war mir bislang unbekannt. Es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen, man kann nicht jede Insel kennen, und wer - beispielsweise - noch keinen Fuß auf Helgoland gesetzt hat, sollte in dieser Frage allen Hochmut ganz schnell vergessen, auch wenn er nun zufällig mal auf Porquerolles gewesen ist. Kann der Wind von Porquerolle mit jenem einzigartigen von Helgoland mithalten, der aus vollen Backen lauthals über den Sandstein bläst und den man eigentlich erst dann so richtig wahrnimmt, wenn man ihn gerade nicht mehr hört, weil man es sich in einem der grasbewachsenen Bombentrichter des Oberlandes gemütlich gemacht hat, urplötzlich abgeschirmt von allen Geräuschen? Offenbar kann er, denn jeder, den Maigret hier trifft und der auf die Ereignisse zu sprechen kommt, die zum Mord an dem Herumtreiber Marcellin führten, spricht auch vom Mistral, der an jenem Tag offenbar so heftig geblasen hatte, dass er allen die Sinne verwirrte.

          Die Handlung in einem Satz: Ein Mann rühmt sich seiner Freundschaft mit Maigret und wird daraufhin erschossen; dass dieses Rühmen aber allenfalls der letzte Anlass für den Mord war, stellt sich heraus, als Maigret nach Porquerolles kommt, um der Sache auf den Grund zu gehen.

          Spielt in: Porquerolles und Paris.

          Neues über Maigret: Seltsam, wie dauernervös man ihn machen kann, wenn man ihm einfach bei der Arbeit zusieht - also ihn genauso behandelt wie sonst er jeden Verdächtigen.

          Und Frau Maigret? Eine ihrer Schwestern, die einmal im Jahr zu Besuch kommt, ist eine verehelichte Mouthon.

          Konsum geistiger Getränke: Bier, Whisky, Weißwein, Schnaps, Pastis, Champagner, Anisette.

          Hätte man das nicht ahnen müssen?

          Dass man im Süden erschlaffen kann, war Maigret schon bekannt. Wie sehr diese Erschlaffung aber um sich greift, lässt sich auf dieser Mittelmeerinsel besonders gut beobachten, etwa an jenem englischen Kollegen, der wie ein Hündchen an seinen Fersen hängt, um die Methode des berühmten Franzosen zu studieren. Es sind Kleinigkeiten, die Maigret wahrnimmt und Simenon notiert, ein offenes Hemd, legere Schuhe, ein Strohhut. Und was dem einen als zwangloses Paradies erscheint, ist für die anderen ein unerbittlich aufgezwungenes Exil - jene ältere Dame aus England, die sich für einen jüngeren Mann interessiert und nur hier so mit ihm leben darf, wie sie will (das heißt: auf engem Raum in der Kajüte ihres Schiffs, das vor Porquerolles ankert). Schließlich trifft es auch Maigret: Denn natürlich löst er den Fall, keine Frage, er macht das ganz toll - aber er vergißt dabei eine Kleinigkeit, und dann nimmt sich plötzlich einer das Leben, für alle überraschend, außer für Maigret, der im Nachhinein eine ganz tolle Erklärung findet, nur eben zu spät, es ist ein Jammer. Selten verließ Maigret einen Roman so missgelaunt.

          Lieblingssatz: „Der Zahnarzt, weniger diskret als Monsieur Pyke, starrte unverfroren auf Maigrets Pantoffeln und seine unfertige Erscheinung, und sein befriedigtes Lächeln schien ganz unzweideutig zu sagen: 'Ich hatte es Ihnen gesagt! Es fängt schon an!'“

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