http://www.faz.net/-gr0-wzle

Maigret-Marathon 12 : Das Schattenspiel

Bild: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit (siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde und Maigret-Marathon: Alle Folgen).

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Wenn einer tagaus tagein nur durchs Fenster zu schauen braucht, um immer wieder aufs neue zu sehen, was für ein Riesenidiot man doch war - sollte man darüber nicht wahnsinnig werden? Das sagt sich leicht. Aber Simenon zieht das in diesem bedrückenden Roman durch, mit furchtbarer Konsequenz.

          Die Handlung in einem Satz: Ein ermordeter Fabrikant hinterläßt drei Witwen: Die Ehefrau, die Ex-Frau und die Geliebte, die nun mit wechselndem Einsatz um's Erbe rangeln.

          Spielt in: Paris, hauptsächlich Place des Vosges 61.

          Neues über Maigret: Der Kommissar trägt einen Mantel mit Samtkragen. Man konstatiert an ihm einen „zu kurzen Hals“. Und offenbar lautet der Vorname seiner Mutter „Hermance“.

          Und Frau Maigret? Ist eine ganz schlechte Kartenspielerin. Wenn ihre Schwester aus dem Elsass zu Besuch nach Paris kommt, bringt sie Mirabellenschnaps und einen geräucherten Schinken mit. Ihr Mann André besitzt eine Ziegelei.

          Konsum geistiger Getränke: Maigret wird ein Glas Wermut aufgenötigt. Er durchschaut die Absicht.

          Dieser eine blöde Fehler

          Der Ermordete? Ein netter Kerl, nach langer Durststrecke zu Geld gekommen, der andere großzügig daran teilhaben lässt. Die anderen aber, die diesen Roman bevölkern, will man nicht unbedingt näher kennen lernen. Da sind die schrecklichen Aristokraten, die es sich leisten können, selbst ungünstiges Beweismaterial rauszurücken, weil sie ja doch jeden Prozess gewinnen. Da sind der lasche Sohn und sein Stiefvater, der ängstliche Beamte, beide im Bann der berechnenden Ex-Frau des Opfers, die sich ein einziges Mal verrechnete, als sie den scheinbaren Versager verließ und nun, da es zu spät ist, täglich dessen Reichtum sehen muss. Reden wir gar nicht von der Concierge.

          Und Maigret, der all das Elend in sich aufsaugen muss, um den Fall zu lösen, würde vermutlich irgendwann mit voller Wucht schwere Gegenstände an die Wand werfen, wären da nicht die Abende zuhause mit Schwägerin, Schwager und Gattin, die beim Kartenspiel so entzückend verliert wie niemand sonst: „Auf Maigret wirkte das alles so beruhigend wie ein heißes Bad.“

          Lieblingssatz: „Er dachte nicht mehr an Madame Martin, die ein Krankenwagen nach Sainte-Anne brachte, während ihr Mann schluchzend im leeren Treppenhaus zurückblieb.“

          Weitere Themen

          Von wegen Respekt

          Rapper Kollegah legt nach : Von wegen Respekt

          Erst verteidigte der Rapper Kollegah seine wegen Antisemitismusvorwürfen in die Kritik geratenen Textzeilen im Namen der Kunstfreiheit, dann distanziert er sich. Nun zeigt er in einem neuen Interview: Aus dem „Echo“-Eklat hat er nichts gelernt.

          Superheldenerfinder Stan Lee ist tot Video-Seite öffnen

          Marvel-Autor : Superheldenerfinder Stan Lee ist tot

          Der Erschaffer von Spider-Man, Doctor Strange, Hulk und anderen Marvel-Helden wurde 95 Jahre alt. Stan Lee war dafür bekannt, seinen Superhelden eine in den 60er Jahren neuartige Komplexität und Menschlichkeit zu verleihen.

          Topmeldungen

          Jens Spahn greift an : Mit Dolch und großem Kaliber

          Im Rennen um den CDU-Parteivorsitz liegt Gesundheitsminister Jens Spahn inzwischen deutlich hinter Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz. Ihm bleibt nur eine Chance.

          Israels Verteidigungsminister : Darum springt Liebermann ab

          Ministerpräsident Netanjahu wollte durch seinen Deal mit der Hamas Zeit und Ruhe erkaufen. Der Rücktritt seines Verteidigungsministers trifft ihn hart. Neuwahlen sind möglich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.