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Maxim Biller Dschungelcamp

24.01.2009 ·  Die deutsche Literatur sitzt im Dschungelcamp und isst lebende weiße Würmer. Heute Abend ist das Finale. Walser, Grass, Schulze, Ulla Hahn und Christa Wolf rechnen alle damit, dass sie gewinnen. Broder auch - fürchtet aber, danach über der Jauchegrube aufgehängt zu werden. Wer will da noch Schriftsteller werden?

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„Liebe Rosa“, schrieb Kohn seiner siebenjährigen Tochter heimlich von seinem iPhone aus dem australischen Urwald, „heute war der schwierigste Tag. Enzensberger und ich mussten kleine weiße lebende Würmer essen und die Namen aller verbrannten Dichter aufsagen. Enzensberger, der Streber, wusste natürlich alle, und seinen eigenen Namen nannte er sogar auch.

Mir fiel bis auf Thomas Mann kein einziger ein, aber seine Bücher wurden von den Nazis gar nicht verbrannt, und dafür bekam ich zur Strafe den Penis eines Krokodils serviert, natürlich unbeschnitten. Enzensberger hat daraufhin noch hinterhältiger gelächelt als sonst. Aus Rache habe ich beim Mittagessen zu ihm leise gesagt, er sei jetzt schon vergessen, da würde ihm ein Auftritt im Dschungelcamp auch nicht mehr helfen, und wir haben uns geprügelt. Ich hoffe, die Leute von Tele Null werden die Szene nicht rausschneiden, denn ich habe gewonnen.

Können Sie bitte einmal im Leben einen Ton richtig treffen?

Heute Abend ist das Finale. Walser, Grass, Schulze, Ulla Hahn und Christa Wolf rechnen alle damit, dass sie gewinnen. Broder rechnet auch damit, dass er gewinnt – aber danach trotzdem mit dem Kopf nach unten über der Jauchegrube des Teams aufgehängt wird. Nur Handke liegt seit heute Morgen wie ein Toter in seiner Tonne und jammert. ‚Die Deutschen lieben mich nicht‘, sagt er immer wieder, ‚aber ich liebe sie auch nicht.‘ Irgendwann hat Wolf Biermann – ja, der ist auch da – zu ihm gesagt, wenn es hier jemanden gibt, der die Deutschen nicht mag, dann sei er es, und er hat spontan ein Lied darüber geschrieben, wie er vom Freikorps im Landwehrkanal ertränkt wurde.

,Das war Rosa Luxemburg, Sie Geschichsklitterer!‘ schrie ihn Kaiser an – er hat gerade seine Memoiren geschrieben, darum ist er im Camp –, und dann hat er sich die Ohren zugehalten und verzweifelt geflüstert: ,Und können Sie bitte einmal im Leben einen Ton richtig treffen? Ich habe absolutes Gehör – und schlechte Nerven.‘ Mir ist egal, ob ich gewinne oder nicht, ich will nur noch nach Hause und endlich wieder in Ruhe die Haare auf meiner Nase zupfen, ohne dass mir Millionen Leute dabei zugucken.

Öffentlich Känguru-Kacki essen

Rosa, mein Schatz, ich habe in den letzten drei Wochen viel über das Leben und dich und deine Zukunft nachgedacht. Überleg dir genau, ob du wie ich und deine Großmutter Balalaika Schriftstellerin werden willst. Ich habe hier im australischen Urwald gesehen, was unser Beruf aus einem Menschen macht: Einen hemmungslosen, traurigen, wehleidigen Nebbich, der für den Erfolg alles tun würde, zehn Jahre lang einen Roman schreiben, der nicht mal den eigenen Lektor interessiert, oder öffentlich Känguru-Kacki essen.

Ist das wirklich das Leben, das du später führen möchtest? Schluss, genug, ich muss jetzt aufhören. Sie rufen uns! Wir müssen uns gleich mit Ratten bewerfen. Kuss, Dein trauriger Papa.“

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