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Literaturnobelpreis 2009 Ein nobles Quiz

06.10.2009 ·  Ihr Einsatz bitte: Die Verkündung des Literaturnobelpreises an diesem Donnerstag beschäftigt Büchermenschen und Buchmacher gleichermaßen. Bei britischen Wettbüros gilt Amos Oz als Favorit, aber auch einige deutschsprachige Autoren werden als Kandidaten gehandelt.

Von Felicitas von Lovenberg
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Der Man-Booker-Preis hat seine traditionelle Auflagen-Magie in den letzten Jahren bei uns etwas eingebüßt. Das dürfte sich erneut zeigen, falls die britischen Buchmacher recht behalten, die Hilary Mantel mit „Wolf Hall“, ihrem beeindruckenden, sechshundertfünfzigseitigen Romanausflug in die Epoche von Heinrich VIII. und Thomas Cromwell, die größten Chancen für die heute Abend verliehene Auszeichnung einräumen. Sollte hingegen doch Coetzee mit „Summertime“ gewinnen, dem triumphalen Finale seiner fiktionalisierten Selbst-Trilogie, wäre das nicht nur ein Booker-Preis-Rekord, sondern auch eine schöne Einstimmung für den Literaturnobelpreis, der an diesem Donnerstag verkündet wird.

Coetzee, Nobelpreisjahrgang 2003, gehört zu den immer seltener gewordenen Autoren, bei denen sich die Einschätzung der Auguren mit dem Urteil der schwedischen Akademie trifft. Von Le Clézio etwa hatte außerhalb Frankreichs kaum jemand gehört; und Doris Lessing oder Harold Pinter galten zwar als würdig, doch hatte dieses Ondit über die Jahrzehnte solchen Staub angesetzt, dass niemand mehr damit rechnete, dass gerade diese beiden es von den vollbesetzten Rängen der ewigen Kandidaten noch aufs Stockholmer Treppchen schaffen würden. Zum Glück kam 2007 Orhan Pamuk dazwischen, um den Altersdurchschnitt zu senken.

Die Favoriten der Buchmacher

In diesem Jahr nun könnte es Anlass zur Hoffnung geben, denn der Historiker Peter Englund hat den Juryvorsitz vom Literaturkritiker Horace Engdahl übernommen, dem viele die fragwürdigen Entscheidungen der letzten Jahre ankreiden und der zuletzt durch eine pauschale Abwertung der amerikanischen Literatur aufgefallen war. Falls er diesbezüglich überstimmt werden sollte, käme der schwedische Sinneswandel zwar für John Updike zu spät, doch wäre dann womöglich endlich Philip Roth an der Reihe, dem indes Thomas Pynchon, Don DeLillo oder der Sängerpoet Bob Dylan Konkurrenz machen könnten - es sei denn, der Stockholmer Finger zeigt zwar nach Nordamerika, aber auf eine Frau, nämlich Joyce Carol Oates. Und in Kanada hoffen Margaret Atwood und Alice Munro auf den nächtlichen Anruf aus Stockholm.

Den einschlägigen Internetforen zufolge hat in diesem Jahr neben lange gehandelten Kandidaten wie Ismail Kadaré, Cees Noteboom oder Milan Kundera durchaus auch ein Solitär wie der Ire William Trevor eine Chance. Die britischen Buchmacher hingegen sehen seit Wochen Amos Oz ganz vorn, dem die Auszeichnung schon lange gebührt. Bei Ladbrokes ist ihm die Algerierin Assia Djebar dicht auf den Fersen, während man dort für jedes Pfund, das man auf Philip Roth setzt, im Fall der Fälle sieben zurückbekäme; für den arabischen Dichter Adonis und den Italiener Antonio Tabucchi acht respektive neun. Herta Müller, seit einigen Jahren im Visier der Stockholmer, die der Darmstädter Akademie noch zuvorkommen könnten, liegt auf Rang 16 und damit noch vor dem Australier Les Murray und sogar Mario Vargas Llosa, dessen Auszeichnung ebenfalls allgemein längst als überfällig angesehen wird. Boden gutgemacht hat Peter Handke, den man aufgrund der sturen Parteinahme für die Serben und des Preises an seine Landsmännin Elfriede Jelinek lange nicht ernsthaft als Kandidat gehandelt hatte. Der Spanier Juan Goytisolo hingegen, den die Wettbüros vor zwei Wochen ganz oben sahen, ist abgerutscht.

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Jahrgang 1974, verantwortliche Redakteurin für Literatur und Literarisches Leben.

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