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Sonntag, 12. Februar 2012
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Chinas Buchmessenauftritt Der befremdliche Gast

11.09.2009 ·  Die beiden chinesischen Dissidenten, die auf Druck Pekings nicht zu einer Tagung der Frankfurter Buchmesse kommen sollen, wollen trotzdem an der Konferenz teilnehmen. Das zwingt die Organisatoren der Buchmesse dazu, ihren Umgang mit dem diesjährigen Gastland neu zu überdenken.

Von Florian Balke
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Wer damit rechnete, dass noch etwas passieren würde, darf sich bestätigt sehen. Als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse zeigt die Volksrepublik China den Veranstaltern der Bücherschau in den Wochen vor Messebeginn, wie wenig Rücksicht ein totalitäres Regime auf offenes Denken nimmt, wenn es seinen Interessen zuwiderläuft. Peking hat die Buchmesse in den vergangenen Tagen erfolgreich erpresst und erreicht, dass zwei China nicht genehme Autoren von der Teilnahme an einer Tagung in Frankfurt ausgeladen wurden.

Mit dem Symposion „China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit“ wollte die Buchmesse an diesem Wochenende den chinesischen Gastlandauftritt vorbereiten. Stattdessen saß Organisator Peter Ripken am Telefon und musste sich anhören, dass die Mitglieder der offiziellen Delegation sich mit den Dissidenten Dai Qing und Bei Ling nicht in einem Raum aufhalten würden. Dabei waren die Umweltaktivistin aus Peking und der heute in den Vereinigten Staaten lebende Mitbegründer des Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrums nicht als Vortragende, sondern nur als Gäste der Tagung eingeladen worden. Auch wenn Bei Ling von Ripken angeboten wurde, als Ersatz am Buchmessenmittwoch auf einer Veranstaltung zur Meinungsfreiheit in der Volksrepublik zu sprechen, ist die Buchmesse vor China in die Knie gegangen. Ripken, der als Leiter des Internationalen Zentrums der Buchmesse sein Berufsleben damit verbracht hat, die Literatur zu einem Werkzeug des Austauschs zu machen, wurde von Pekinger Ministerialbeamten in die Rolle eines Erfüllungsgehilfen chinesischer Politik gezwungen.

Dialog ist besser als Nichtstun

Es rächt sich nun, dass die Buchmesse ihre Ehrengäste in den vergangenen Jahren immer loyal verteidigt hat. Ob nun den Katalanen vorgeworfen wurde, kastilische Autoren zu vernachlässigen, oder vor dem Auftritt der Türkei ernste Menschenrechtsfragen in den Vordergrund traten - Messechef Jürgen Boos bestand stets auf der Programmautonomie der Gastländer und dem Dialog mit schwierigen Gästen, der besser sei als Nichtstun. Bei der Buchmesse scheint man schlicht nicht mehr zu wissen, wie man problematischen Verhandlungspartnern in öffentlicher Gegenrede aufzeigt, dass ihr Verhalten bestimmte Grenzen überschritten hat.

Dies ist nun geschehen und macht eine Erwiderung erforderlich. Schließlich ist es für die Buchmesse besonders peinlich, dass Dai Qing auf Einladung des PEN-Zentrums Deutschland, eines Mitveranstalters der Frankfurter Konferenz, nun doch zum Symposion kommt. Herbert Wiesner, Generalsekretär des deutschen PEN, hatte schon am Mittwoch davor gewarnt, sich von China erpressen zu lassen. Gestern bezeichnete er die von Boos noch einmal verteidigte Einladung Chinas als verfrüht. Während das Auswärtige Amt in Berlin Dai Qings Anreise begrüßte und Hans-Joachim Otto, der Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundestages, die Buchmesse aufforderte, ihre Ausladung zurückzunehmen, droht die Absage der chinesischen Konferenzdelegation. Trotzdem muss Peking am Wochenende deutlich gemacht werden, welche Wahrnehmung chinesischer Wirklichkeit dieses Vorgehen erzeugt.

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