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Hanser feiert Nobelpreis : Ohne Buch von Modiano, aber mit Routine

Bild: Andreas Brand

Sekunden nach Bekanntgabe des Preisträgers Patrick Modiano stürmen Journalisten den Hanser-Stand auf der Buchmesse. Was sie dort nicht finden, ist ein Buch des Ausgezeichneten – stattdessen einen freudetrunkenen Verleger.

          Irgendwann ist es so voll am Hanser-Stand, dass man sich nicht mehr umdrehen kann. Just in diesem Moment bricht ein Kameramann durch den Deckel einer Truhe, auf die er sich gestellt hatte. „Ah, die Kollegen fallen vor Begeisterung schon um!“, bemerkt Verleger Jo Lendle, dessen eigener Freudentaumel die Halle 3.0 erhellt. „Patrick Modiano ist einer von denen, die lange gewartet haben“, sagt er in die bereitgehaltenen Mikrofone. „Nun hat er den verdienten Preis. Wir sind überwältigt.“

          Tatsächlich standen die Chancen für Hanser, an diesem Tag den Nobelpreisträger im Programm zu haben, ganz hervorragend: Von den zehn Kandidaten, die beim britischen Buchmacher Ladbroke’s am höchsten gehandelt wurden, publizieren Swetlana Alexijewitsch, Philip Roth und eben Patrick Modiano bei dem Münchner Verlagshaus. Kein anderer Verlag taucht in dieser Liste öfter als einmal auf. „Wir haben diese seltsame Tradition im Hanser Verlag, dass so oft unsere Autoren ausgezeichnet wurden“, sagt Lendle. „Ich glaube, wir sind jetzt bei fünfzehn Nobelpreisträgern.“

          Noch während der Verleger Interviews gibt, ruft jemand aus dem Hintergrund: „Wir ziehen vor!“ Modianos neuer Roman „Gräser der Nacht“ war für Februar annonciert, soll aber nun schon in den nächsten Tagen ausgeliefert werden. Warum man ihn lesen sollte, erklärt Lendle selbst: „Modianos Qualität ist, kompromisslos in der Sprache zu sein – schön, zauberhaft. Diese Auszeichnung ist der Beweis dafür, dass man damit eine starke Wirkung haben kann.“

          Modianos letztes in Deutschland veröffentlichtes Buch „Der Horizont“ stammt von 2013. Deshalb ist am Stand auch keines davon verfügbar, das man nun fotogen in eine Kamera halten könnte. So ganz trauen sich die Verlage dann doch immer nicht, an ihre Autoren zu glauben. „Ich habe gestern Abend überlegt, ob ich – zum ersten Mal in meinem Leben – bei den englischen Buchmachern auf Patrick Modiano setzen soll, weil ich das Gefühl hatte, dass er das schaffen könnte“, sagt Lendle und bereitet sich mental bereits auf die Feierlichkeiten vor: „Ich werde mich in Sachen Smoking von Michael Krüger beraten lassen. Er hat da einen Münchner Smokingverleih an der Hand.“ Wenn die Hanser-Siegesserie so weitergeht, könnte sich jedoch die Anschaffung eines eigenen Smokings lohnen.

          Quelle: FAZ.NET

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