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Gespräch mit David Hockney : Rembrandt war der Allerschnellste

David Hockney auf der Frankfurter Buchmesse Bild: Frank Röth

David Hockneys Swimmingpools sind Legende. Er zeichnet am liebsten auf dem iPad, glaubt aber ans Buch. Wir trafen ihn auf der Buchmesse.

          Ist das für Sie die erste Buchmesse?

          Jürgen Kaube
          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Ja, und es ist erst meine zweite Messe überhaupt. Ich bin, mit einer Ausnahme, noch nie auf eine Kunstmesse gewesen. Man hat mir mal gesagt, die wären nicht für Künstler gedacht.

          Was war die Ausnahme?

          Eine Messe in Los Angeles.

          Wie ist Ihr Verhältnis zur Literatur?

          Ich habe immer viel gelesen. Derzeit sitze ich über der neuen Luther-Biographie von Lyndal Roper. Theologisch ist das etwas kompliziert für mich, aber ein gutes Buch. Außerdem habe ich gerade ein Buch über Drogen während der Nazi-Zeit beendet. Auch das war gut. Früher habe ich Bücher viel für meine Arbeit benutzt, das tue ich nicht mehr.

          Woran haben Sie zuletzt gearbeitet?

          Gerade sind für meine kommende Retrospektive in der Tate Gallery vier iPad-Bilder fertiggeworden, die ich zusammennehmen und groß ausdrucken lassen werde. Außerdem noch ein Triptychon mit vier Leuten, die um einen Tisch sitzen. Dafür haben sie mir an die drei Stunden Modell sitzen müssen. Das musste fertigwerden, weil ich gleich nach der Buchmesse nach Australien fliege, wo eine weitere Ausstellung vorbereitet wird, allerdings mit dem Schwerpunkt Technologie in meinem Werk. Es werden iPad-Bilder gezeigt, Filme, die wir gemacht haben, die Videos mit den Jongleuren und die Landschaften aus Yorkshire.

          Aber ihre jüngsten Bilder noch nicht?

          Auf Bildschirmen schon, aber noch nicht ausgedruckt.

          Wenn Sie von dreistündigen Sitzungen für diese Motive sprechen, dann hat die Arbeit mit dem iPad das Zeichnen für Sie doch nicht schneller gemacht.

          Ich bitte meine Modelle, nicht zu posieren; sie sollen sich natürlich verhalten, einfach dasitzen, miteinander reden, rauchen, und dabei zeichne ich sie. Das iPad ist ein sehr schnelles Werkzeug, das schnellste, das ich kenne, und Geschwindigkeit ist für einen Zeichner von Vorteil. Zum Beispiel können Sie auf dem iPad blitzschnell, in nur zwanzig Sekunden, eine Farbpalette erzeugen, viel schneller als mit Aquarellfarben. Als ich „The Arrival of Spring“ für die Royal Academy gemalt habe, tat mir das gute Dienste, denn während des Frühlings in Yorkshire wechselt das Licht ständig.

          Benutzen Sie dabei ein spezielles Programm?

          Ja, es heißt „Brushes“.

          Schränkt das kleine Format des Bildschirms nicht Ihre Linienführung ein?

          Natürlich können Sie auf einem iPad als Zeichner nicht so viel machen wie auf einem Stück Papier. Aber dafür können Sie leicht korrigieren und variieren.

          Malen Sie auch noch auf Leinwand?

          Natürlich. Das ist ja etwas ganz Anderes, aber auch anstrengender.

          Der Vorzug des iPads liegt für Sie also vor allem in der Geschwindigkeit?

          Ja, ein Zeichner muss sich für Geschwindigkeit interessieren. Sehen Sie sich Rembrandts Zeichnungen an. Der konnte wirklich schnell zeichnen, das sieht man seinen Linien an.

          David Hockney mit seinem großformatigen „Bigger Book“
          David Hockney mit seinem großformatigen „Bigger Book“ : Bild: Helmut Fricke

          Haben Sie eine persönliche Rekordliste schneller Zeichner der Vergangenheit?

          Rembrandts Zeichnungen liebe ich besonders, die Gesamtausgabe davon habe ich gleich zweimal, einmal in London, einmal in Los Angeles. Darin blättere ich oft und zeige sie Menschen, die nichts über Rembrandt wissen. Aber danach wissen Sie, wie gut diese Zeichnungen sind, wie modern sie wirken, sehen Sie sich nur die Augen und die Münder an. Rembrandt zeichnet keine Dutzendgesichter, sie sind immer genau beobachtet. Und Leonardo dürfte ziemlich schnell gezeichnet haben. Er hatte eine verblüffende Sehkraft: Bedenken Sie nur, wie klein er zeichnete. Ich frage mich, ob das elektrische Licht nicht unsere Sehkraft beeinträchtigt hat. Darum kümmert sich niemand, aber ich zumindest bin sehr lichtempfindlich.

          Würden Sie das Zeichnen auf dem iPhone auch jungen Leuten empfehlen, die erst am Beginn ihrer künstlerischen Karriere stehen? Oder wären die Möglichkeiten einfach zu verführerisch?

          Das weiß ich nicht so recht. Ich meine, man sollte auch auf Papier zeichnen, denn der Widerstand, den es ausübt, lässt das Medium spüren, während man beim iPad nur einfach über einen Glasbildschirm hinweghuscht. Aber es ist ein wunderbares neues Werkzeug.

          Wird das iPad auch das Verständnis von Malerei verändern?

          Ich glaube schon. Meine Porträts entstehen auf dem iPad.

          Gibt es da nicht ein Formatproblem?

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