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E-Book-Piraterie : Die bösen Jungs kriegt man nicht

Palme, weiße Strände und kostenlose E-Books: Belize hat so viel zu bieten Bild: Anzenberger

Sechzig Prozent aller E-Books werden illegal aus dem Internet heruntergeladen. Die Branche versucht, die Piraterie zumindest einzudämmen, bekommt aber nicht einmal genug Unterstützung für weiche Maßnahmen.

          Das nächste neue Buch liegt längst nicht mehr im Laden um die Ecke. Es steht im Internet. Digital lässt es sich binnen Minuten auf den Computer oder ein elektronisches Lesegerät laden, ohne dass der Käufer auch nur vom Sofa aufstehen muss. Und auch das Stehlen geht viel bequemer als in der Buchhandlung; man darf sich sogar einfach erkundigen, wo man denn hier am ehesten etwas unbezahlt mitgehen lassen könnte: Etliche Suchanfragen nach E-Books bei Google enthalten „free“ oder „download“.

          Das könnte auch auf legale Angebote wie das Projekt „Gutenberg“ führen, aber die Klickzahlen bei den illegalen Tauschbörsen zeigen: Die meisten Leser suchen aktuelle Bücher und nicht Klassiker, deren Copyright ausgelaufen ist. Eine der größten Communitys, deren Adresse in Belize registriert ist, hat mehr als zwei Millionen registrierte deutschsprachige Nutzer. Der wichtigste Thread im Forum, von dem aus die User zu den geknackten E-Books finden, wurde innerhalb von anderthalb Jahren 2,2 Millionen Mal aufgerufen. Pro Download-Link gibt es ein Paket von etwa fünfzehn E-Books. Daher, rechnet die Studie „Gutenberg 3.2“ vor, wurden etwa zehn bis dreißig Millionen E-Books dort innerhalb der vergangenen anderthalb Jahre heruntergeladen.

          Sicher in der Südsee

          Ihnen stehen armselig wirkende 4,7 Millionen E-Books gegenüber, die in Deutschland 2011 legal verkauft wurden. Die Studie zur Digitalen Content-Nutzung (DCN), in Auftrag gegeben vom Bundesverband Musikindustrie, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), kam bereits im vergangenen Jahr zum Ergebnis, von 23 Millionen E-Books seien rund sechzig Prozent illegal aus dem Internet heruntergeladen worden. Legale Downloads machen die Differenz aus. Die Branche spürt diese Einbußen: Die Verkaufszahlen der drei größten Bestseller des Jahres sackten 2011 im Gegensatz zu 2010 um 27 Prozent ab. Die Erträge der Top 30 fielen um 29 Prozent. Eine Differenz, die zu groß ist, um sie allein auf inhaltliche Schwächen schieben zu können.

          Dem illegalen Filesharing einen Riegel vorzuschieben ist aber nahezu aussichtslos. Die dicken Fische schwimmen in der Karibik und im Südpazifik, weil sie dort vor deutschen Staatsanwälten sicher sind. Und auch die alte Methode des Austausches im Peer-to-Peer-Verfahren ist nicht mehr zeitgemäß: Weniger als fünf Prozent der E-Book-Piraterie findet über diesen Weg statt. Inzwischen werden meist nur noch Links zur Verfügung gestellt, die zu einem One-Click-Hoster (OCH) führen. Dort erst lädt der Nutzer die Dateien herunter. OCHs gibt es wie Sand in der Karibik, und sowohl für den Anbieter als auch für den Abnehmer ist das Verfahren weitgehend sicher.

          Einschränkungen sind nicht zeitgemäß

          „Gegen Server im Ausland können wir ohne internationale Zusammenarbeit der Behörden nichts unternehmen“, klagt Matthias Leonardy, Geschäftsführer der GVU. „Aber es gibt auch viele Provider in Deutschland. Die Betreiber und ihre Server sind allerdings im In- und Ausland verteilt und vernetzt.“ Das führt zu Zuständigkeitsproblemen bei den Ermittlungsbehörden, von denen sich traditionell jede um ihren eigenen Sprengel kümmert. Auch an Kapazitäten mangelt es. „Deshalb haben wir oft keine ausreichenden Chancen, dahinterzukommen, wer illegal geschützte Werke online vertreibt“, erklärt Leonardy.

          Von der Musikbranche, die als Erste knüppelhart von der Filesharing-Welle getroffen wurde, hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels einiges gelernt. „Für Musik gab es anfangs keine legalen Angebote, als der Bedarf plötzlich da war“, analysiert Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis. „Deshalb haben wir mit ,Libreka’ schon frühzeitig eine legale Plattform für Buchinhalte etabliert.“ Mehr als 500.000 E-Books sind dort derzeit lieferbar. Außerdem rät der Börsenverein vom Kopierschutz ab, mit dem die Musikbranche dramatisch Schiffbruch erlitten hat. „Ich habe großes Verständnis, wenn jemand mit seinem erkauften Besitz machen will, was er möchte. Alles, was das einschränkt, ist nicht zeitgemäß“, sagt Skipis. „Wir ziehen ein digitales Wasserzeichen vor, damit man die online geteilte Datei zum Käufer nachverfolgen kann.“

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