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F.A.Z.-Buchmesse-Krimi 4/4 : Alte Wut

Ein Versprechen lässt die junge Kunstexpertin langsam wieder zu sich kommen. Bis sie eine Bezichtigung hört, die zur Selbstbezichtigung wird. Vierter und letzter Teil des F.A.Z.-Buchmesse-Krimis „Der alte Meister“.

          Wie alles begann: Zum ersten der vier Kapitel des F.A.Z.-Buchmesse-Krimis

          Schnell und sicher sank die Schlinge um des Flamen schlanken Hals. Das Letzte, was Arjen vom Video wahrnahm, war wie in der nächtlich leeren Halle eine Figur in einem langen, dunklen und schweren Mantel mit blutrotem Kragen einen Mann im Anzug auf den Schultern schleppte und an der Bühne eines Standes mit Kunstbüchern abwarf. Die Figur im Mantel rollte den offensichtlich leblosen Körper unter einen Tisch. Dann zog sie ein langes Messer aus der Tasche und schnitt mit geübtem Schnitt dem Leblosen die Haare ab. Die Figur legte das Messer vorsichtig in Augenhöhe neben den Kopf seines Opfers, steckte langsam die Haarbeute in eine Tasche ihres Mantels. Dabei sah sie sich in der Halle um. Ihr Blick streifte für einen Moment durch den Aufnahmewinkel der Sicherheitskamera, hielt inne. Jetzt sah sie direkt in die Linse an. Die Figur hielt mit der Linken den Kopf des Toten unter dem Kinn fest, griff mit der Rechten nach dem Messer und führte es in Richtung Augen.

          Arjen stockte der Atem zum letzten Mal in seinem Leben.

          Sein Mund stand weit offen. Dunkelheit umfing ihn.

                              *   *   *

          „Ist das jetzt noch Cosplay oder sind das schon die Bullen?“, fragte ein fastjugendlicher Besucher seine Freundin, als er sah, wie sich zwei Uniformierte um den leblosen Arjen hinter dem Lesezelt kümmerten.

          „Cool“, meinte die uninteressiert und zog ihren noch gaffenden Freund wieder zurück in Halle 3 und zu einem Stand, der von einer riesigen Menschenmenge umlagert wurde.

          „Wow, hier ist ja mehr los, als letztes Jahr bei Kohl und Katzenberger zusammen, wer issen da?“, fragte sie begeistert.

          „Verlag von Dylan. Hat ein Poster aufgehängt“, antwortete eine Frau mit Locken und Stirnband, „und gleich spielt einer seine Musik. Mit Gitarre, natürlich. Klasse!“

          Ein Grauhaariger im Tweedsakko und mit Goldbrille sah indigniert drein, „früher musste man Schriftsteller sein, nicht singen oder Mundharmonika spielen. Für den Preis, meine ich.“

          The times they are a-changing...“, sang die Stirnbandlockige, würdigte ihn keines Blickes und drängte sich nach vorne.

                              *   *   *

          Draußen war Douwe zurück bei seiner Tochter, obwohl ihr Schwächeanfall wieder vergangen war und er sie kurz alleine lassen musste. Er sah sich um. Nicht wieder in die Hallen. Jenseits der Agora gab es eine Brücke über einen kleinen Kanal. Sitzbänke. Umlagert von Cosplayerinnen und faszinierten Männern, die sich mit ihren Kameras erotisch aufluden. Eine Bank war frei. Sie setzten sich und schwiegen für eine Weile.

          „Marcus ...“, Sylvia sah auf die ferne Halle.

          „Hat er sich wirklich für Kunst interessiert oder hat er sie nur vermarktet?“

          „Er hat mich bei Rembrandt unterstützt wie kein anderer. Ohne ihn wäre mein Buch nicht geworden, wie es ist.“

          „So, wie auch der Kurator in deinem Städelmuseum.“

          Sylvia nickte.

          „Man wird den Schuldigen finden, oder? Versprich’ mir das. Du bist Commissaris. Der beste. Du bist der alte Meister. Es ist mir wichtig, dass der Schuldige bestraft und eingesperrt wird. Oder sie.“

          „Vielleicht wird man sogar herausfinden, warum beide sterben mussten.“

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