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Kolumne zur Buchmesse : Wie lecker, die Larven!

  • -Aktualisiert am

Die Freude steht ihm ins Gesicht geschrieben: Teilnehmer auf dem „Wildfoods Festival“ in Hokitika im Jahr 2010 Bild: AFP

Die schöne neuseeländische Natur ist weder in der Literatur noch in der Wirklichkeit immer leicht zugänglich. Das nimmt nichts von ihrem Reiz - im Gegenteil.

          Spätestens, wenn die erste Nikau-Palme auftaucht oder ein Tui ruft, dann weiß man: Wir befinden uns nicht in New Hampshire oder den Alpen, sondern in einem neuseeländischen Roman. Und der kommt selten ohne Eindrücke aus der Natur aus. Am imposantesten gelang das Keri Hulme, die mit „The Bone People“ („Unter dem Tagmond“) 1984 den Booker-Preis gewann: ein Epos über eine Trinkerin, einen misshandelten Jungen und dessen Maori-Ziehvater. Es ist ein verstörendes, emotionales, sperriges Buch.

          Ich tue mich mit der romantisierten Gewalt und verschwurbelten Sprache in „The Bone People“ schwer. Aber ich liebe die Landschaft, die Keri Hulme so plastisch beschreibt, dass man die frisch aus dem Meer geholten Muscheln förmlich riechen kann, als wäre man an der Westküste der Südinsel.

          Eine schroffe Begrüßung für Besucher

          Pazifik, Regenwald und Berge begegnen sich dort auf wenigen hundert Quadratkilometern. Die Westküste der Südinsel hat weder Yachthäfen noch Strandpromenaden. Dafür schroffe, gischtbespritzte Felsen und Buchten, in die sich Robben und Pinguine verirren.Wenn es regnet, dann fallen die Tropfen seitwärts, und Wasserfälle stürzen ins Meer. Unmittelbarer kann man die Elemente nirgendwo im Zweiinselreich spüren.

          Keri Hulme lebt nach wie vor als pfeiferauchende Einsiedlerin in dem verträumten Dreißig-Seelen-Nest Okarito und fischt in der Lagune. Ungebetene Besucher stoßen vor ihrem achteckigen Holzhaus auf das Schild „Piss off!“. Westküstenbewohner sind aus hartem Holz geschnitzt, ihre Vorfahren waren Goldgräber und Bergarbeiter. Heute leben viele vom illegalen Marihuana-Anbau oder gehen auf Wildschweinjagd. In Hokitika findet jedes Jahr das „Wildfoods Festival“ statt, mit kulinarischen Auswüchsen wie Larven vom Grill. Das Festival ist der Gegenentwurf zu den gediegenen Weinfesten im Norden. Und entsprechend amüsanter.

          Nicht weit vom Industriedenkmal Denniston an der Westküste entfernt, steht unser house truck, eine Art Wohnlaster mit Hippie-Charme. Mein Feriendomizil hat keinen Strom, aber eine feuerbeheizte Badewanne im Freien. Wildtauben gurren, die Brandung rauscht, die Sandfliegen stechen - ein Traum. Mein nächstes Buch schreibe ich dort.

          Anke Richter ist Journalistin in Neuseeland und Autorin von „Was scheren mich die Schafe“.

          Quelle: F.A.Z.

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