http://www.faz.net/-hmh-73koe

Kolumne zur Buchmesse : Lektüre im Radio

  • -Aktualisiert am

Seit bald vierzig Jahren trillert er vor den Morgennachrichten im Radio: der neuseeländische Kakapo Bild: AFP

Welche Rundfunkanstalt lässt in ihrem Hauptprogramm jeden Vormittag aus einem aktuellen Buch vorlesen? Nicht nur das gedruckte Wort steht bei Radio New Zealand hoch im Kurs. Auch das gezwitscherte.

          Der Fernsehsender, der mich begeistert, ist „Maori TV“: Erst acht Jahre alt, innovativ, bilingual und voll guter Dokumentationen.

          Aber lieber höre ich Radio. Das bewährt sich im dünn besiedelten Neuseeland nicht nur in Katastrophenzeiten. Der staatliche Sender „Radio New Zealand“ ist wichtigster nichtkommerzieller Nachrichtenumschlagplatz des Landes und eine Institution. Ich schätze ihn besonders, weil er Schriftstellern die größte Medien-Plattform bietet, die man sich wünschen kann.

          Es gibt sicher nicht viele Rundfunkanstalten auf der Welt, die in ihrem Hauptprogramm jeden Vormittag eine Viertelstunde lang aus einem aktuellen Buch vorlesen lassen. Dazu Buchkritiken, Autoreninterviews, Literatur am Wochenende und Geschichten für Kinder. Alle namhaften neuseeländischen Gegenwartsautoren, von Lloyd Jones bis Elizabeth Knox, tauchten im Programm auf. Aber auch unbekannte, die so die Chance auf einen Durchbruch erhalten.

          Akustisches Nationalheiligtum

          Zwei RNZ-Interviewerinnen haben Äther-Geschichte geschrieben: Elizabeth Alley schaffte es, die äußerst menschenscheue Janet Frame zu ihrem ersten Radiogespräch zu überreden. Eine lebende Legende ist auch die scharfzüngige Kim Hill. Ihr 40-minütiger Interviews am Samstagmorgen sind bei Verlagen begehrt, selbst wenn es hart zur Sache geht - so geschehen bei Monica Lewinsky, die bereits im ersten Satz nach ihrem Verhältnis zu Bill Clinton gefragt wurde. Das Schlucken am anderen Ende der Leitung war hörbar.

          E. Annie Proulx war in Neuseeland noch unbekannt, als Kim Hill sie so gekonnt in ihrer Sendung befragte, dass „Schiffsmeldungen“ zum Bestseller wurde. Ich selber saß einmal eine halbe Stunde lang im Auto vor meinem Haus, um den Autor Gregory Roberts bis zum Ende zu hören. Nicht nur das gedruckte Wort steht bei Radio New Zealand hoch im Kurs. Auch das gezwitscherte. Vor den Morgennachrichten trällert und tiriliert es seit 1974 aus dem Radio. Egal, ob Syrien brennt - erst einmal ist der Tui-Vogel oder Kakapo dran. Vor alle Schrecken dieser Welt hat RNZ den bird call gesetzt - in freier Wildbahn aufgezeichnet und immens beruhigend. Als er vor ein paar Jahren abgeschafft werden sollte, kam es fast zu Aufständen. Das akustische Nationalheiligtum durfte bleiben.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          70 Jahre Ehe Video-Seite öffnen

          Die Queen und Prinz Philip : 70 Jahre Ehe

          Zum 70. Hochzeitstag von Queen Elizabeth und Prinz Philip am Montag wird gefeiert. In London werden für die beiden ab Mittag die Glocken der Westminster Abbey lange läuten. Dort haben sie geheiratet.

          Nicht ganz Druckfrisch

          Netzrätsel : Nicht ganz Druckfrisch

          Es gibt so gut wie nichts, was es nicht gibt im Netz der Netze: Geniales, Interessantes, Nützliches und herrlich Überflüssiges. Diesmal: vier Jahrhunderte Zeitungen im Überblick.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Zweite Chance für die GroKo : Zwischen gestern und morgen

          Diese Woche traf sich der CDU-Bundesvorstand zur Besprechung der Wahlanalysen und zur Klärung der Frage, wie man der SPD begegnen solle. Es wurde deutlich: Für eine große Koalition gibt es noch allerhand Unwägbarkeiten.

          Heinz-Christian Strache : Mit anstößigen Sprüchen nach oben

          Seit 2005 führt er die rechte FPÖ, in der neuen österreichischen Regierung wird er Vizekanzler. In seiner Jugend verkehrte Strache mit Neonazis. Ein Porträt.
          Das amerikanische Verteidigungsministerium Pentagon (Archivaufnahme von 2008)

          Verteidigungsministerium : Das Pentagon forschte jahrelang nach UFOs

          Über Jahre wurden Millionen-Aufwendungen für das „Programm zur Identifizierung von Bedrohungen im Luft-und Weltraum“ im Verteidigungshaushalt versteckt. Doch auch nach Ablauf des Programms verfolgten Mitarbeiter Berichte über UFOs.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.