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Kolumne zur Buchmesse Buchkauf in Neuseeland

In Neuseeland schaut man lieber aus großen Fenstern aufs Meer statt auf Regalwände voller Büchern. Was nicht heißt, dass hier nicht gelesen wird.

© AFP Deformierte Schienen in Christchurch nach den Erdstößen vom 22. Februar 2011

Als ich mit mehr als dreißig Bücherkisten nach Neuseeland umzog, ahnte ich nicht, wie schwer es sein würde, sie am anderen Ende der Welt wieder auszupacken. Denn statt einer geräumigen Altbauwohnung wie früher bezogen wir ein kleines Cottage. Es fehlte Platz für so viel bedrucktes Papier. Regalwände, wie wir sie aus Deutschland kennen, sind in meiner neuen Heimat eher selten. Kiwis schauen viel lieber aus großen Fenstern aufs Meer.

Was nicht heißt, dass nicht gelesen wird - ganz im Gegenteil. Aber im Verhältnis zum Einkommen sind Bücher fast ein Luxus. Und den stellt man im Land des Understatements nicht zur Schau. Außerdem sind die Büchereien in Aotearoa phantastisch ausgestattet, und das Ausleihen ist kostenlos. Man leiht und verleiht, auch untereinander.

Das Finanzamt fehlt

Läden oder Laden-Ecken funktionieren als book exchange, nicht nur für Rucksackreisende, die nach dem Prinzip „Nimm eins und lass eins da“ ihre Reisebibliothek auffrischen. Wer übers Land fährt, entdeckt selbst in kleinsten Dörfern solche Tauschbörsen.

Mir haben es besonders die Second-Hand-Läden in Wellington angetan, auf der und um die Cuba Street herum, wo sich die Kunst- und Musikszene zum Kaffee trifft. „Arty Bees Books“ in der Manners Mall ist der größte davon und seit 24 Jahren eine Institution: drei Kilometer Regale auf zwei Etagen, 124.000 Bücher, Schwerpunkte sind Neuseeland und Science Fiction. Dass das Finanzamt gegenüber geschlossen wurde, macht „Arty Bees“ mehr zu schaffen als der Verlust durch Amazon-Kunden: In der Hauptstadt fehlen plötzlich kaufkräftige Beamte.

Im Container waren sie sicher

In Christchurch hat man andere Probleme. Das schwere Erdbeben vom 22. Februar 2011 hat die gesamte Innnenstadt zerstört. Auch der schöne Laden „Scorpio Books“ wurde zum Trümmerhaufen. Wie Phönix aus der Asche erstand er ein halbes Jahr später wieder auf: Poppig bunte Schiffscontainer wurden zur „Restart Mall“ zusammengefügt. Das Sortiment bei „Scorpio“ ist geschrumpft, aber die Zuversicht gestiegen. Und als es am Tag vor Weihnachten zum bislang letzten schweren Beben kam, flohen die Menschen nicht panisch aus dem Buchladen. Im Container waren sie sicherer als auf der Straße.

Quelle: F.A.Z.

 
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