http://www.faz.net/-hmh-73hvs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 10.10.2012, 10:26 Uhr

Kolumne zur Buchmesse Buchkauf in Neuseeland

In Neuseeland schaut man lieber aus großen Fenstern aufs Meer statt auf Regalwände voller Büchern. Was nicht heißt, dass hier nicht gelesen wird.

von Anke Richter
© AFP Deformierte Schienen in Christchurch nach den Erdstößen vom 22. Februar 2011

Als ich mit mehr als dreißig Bücherkisten nach Neuseeland umzog, ahnte ich nicht, wie schwer es sein würde, sie am anderen Ende der Welt wieder auszupacken. Denn statt einer geräumigen Altbauwohnung wie früher bezogen wir ein kleines Cottage. Es fehlte Platz für so viel bedrucktes Papier. Regalwände, wie wir sie aus Deutschland kennen, sind in meiner neuen Heimat eher selten. Kiwis schauen viel lieber aus großen Fenstern aufs Meer.

Was nicht heißt, dass nicht gelesen wird - ganz im Gegenteil. Aber im Verhältnis zum Einkommen sind Bücher fast ein Luxus. Und den stellt man im Land des Understatements nicht zur Schau. Außerdem sind die Büchereien in Aotearoa phantastisch ausgestattet, und das Ausleihen ist kostenlos. Man leiht und verleiht, auch untereinander.

Das Finanzamt fehlt

Läden oder Laden-Ecken funktionieren als book exchange, nicht nur für Rucksackreisende, die nach dem Prinzip „Nimm eins und lass eins da“ ihre Reisebibliothek auffrischen. Wer übers Land fährt, entdeckt selbst in kleinsten Dörfern solche Tauschbörsen.

Mir haben es besonders die Second-Hand-Läden in Wellington angetan, auf der und um die Cuba Street herum, wo sich die Kunst- und Musikszene zum Kaffee trifft. „Arty Bees Books“ in der Manners Mall ist der größte davon und seit 24 Jahren eine Institution: drei Kilometer Regale auf zwei Etagen, 124.000 Bücher, Schwerpunkte sind Neuseeland und Science Fiction. Dass das Finanzamt gegenüber geschlossen wurde, macht „Arty Bees“ mehr zu schaffen als der Verlust durch Amazon-Kunden: In der Hauptstadt fehlen plötzlich kaufkräftige Beamte.

Im Container waren sie sicher

In Christchurch hat man andere Probleme. Das schwere Erdbeben vom 22. Februar 2011 hat die gesamte Innnenstadt zerstört. Auch der schöne Laden „Scorpio Books“ wurde zum Trümmerhaufen. Wie Phönix aus der Asche erstand er ein halbes Jahr später wieder auf: Poppig bunte Schiffscontainer wurden zur „Restart Mall“ zusammengefügt. Das Sortiment bei „Scorpio“ ist geschrumpft, aber die Zuversicht gestiegen. Und als es am Tag vor Weihnachten zum bislang letzten schweren Beben kam, flohen die Menschen nicht panisch aus dem Buchladen. Im Container waren sie sicherer als auf der Straße.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Herder-Verlag Neue Eigentümer für Buchhandelskette Thalia

Deutschlands größte Buchhandelskette Thalia bekommt neue Besitzer. Ein Konsortium um die Familie des traditionsreichen Freiburger Herder-Verlags übernimmt die Mehrheit. Mehr

11.07.2016, 12:57 Uhr | Wirtschaft
Neuseeland Imbiss-Besitzer lässt Räuber abblitzen

Geld her, ich habe eine Waffe! Doch ein Imbissbesitzer im neuseeländischen Christchurch lässt sich dadurch nicht beeindrucken. Er geht in aller Seelenruhe seiner Arbeit nach, bis sich der maskierte Räuber frustriert verzieht. Mehr

12.07.2016, 13:25 Uhr | Gesellschaft
Steuerhinterziehung Strafbefehl gegen Alice Schwarzer

Alice Schwarzer muss einem Bericht zufolge eine Strafzahlung im sechsstelligen Bereich leisten. Die von ihr gestellte Selbstanzeige war nicht korrekt – damit entfällt die strafbefreiende Wirkung. Mehr

10.07.2016, 04:34 Uhr | Gesellschaft
Internet-Hit Ladenbesitzer ignoriert Räuber

Im neuseeländischen Christchurch ist ein Ladendieb kurios gescheitert. Auf der Überwachungskamera ist zu sehen, wie der offenbar bewaffnete Ladendieb einen Imbiss betritt. Der Besitzer Said Ahmed ignoriert aber den Kriminellen, bedient noch einen Kunden und wendet sich dann ab. Der Räuber reagierte völlig überrascht und verließ den Laden. Mehr

13.07.2016, 10:16 Uhr | Gesellschaft
Shopping als Erlebnis Willkommen im Club

Immer mehr Modegeschäfte verlieren ihre Kunden an das Internet. Deshalb versuchen sich nun viele Händler an professioneller Bespaßung, als wären sie Animateure. Ein Bericht über echte Einkaufserlebnisse. Mehr Von Sabine Spieler

15.07.2016, 08:53 Uhr | Stil