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Buchmesse Kissenschlacht

09.06.2009 ·  Chinesen lieben die Härte: Insgesamt sechshundert Veranstaltungen umfasst das Sonderprogramms des Ehrengastes der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, das jetzt vorgestellt wurde. Erst am Ende wurde nach den Menschenrechten gefragt.

Von Oliver Jungen
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Vielleicht hatte man mit den unverbesserlichen Menschenrechtsverteidigern gerechnet bei der Vorstellung des insgesamt sechshundert Veranstaltungen umfassenden Sonderprogramms des Ehrengastes der diesjährigen Frankfurter Buchmesse an diesem Dienstag. Vielleicht war es für diesen Fall vorgesehen, dass die Vertreterin des chinesischen Staatsfernsehens CCTV aufstehen und den Leiter des zuständigen Komitees, Zhang Fuhai, fragen sollte, ob er nicht noch einmal alle soeben aufgezählten Highlights aufzählen wolle. Was er auch gern wollte. Es hatte nur gar keine kritische Frage zuvor gegeben.

Auch die Installation in der Ehrengasthalle, die der Künstler Li Jiwei entworfen hat, verspricht deutlich mehr herzumachen als viele verkorkste Arrangements der letzten Jahre. Sie besteht aus einer gigantischen Papierrolle, die über einem Pool schwebt, in welchen Wasser tropft. Die konzentrischen Wellen werden von beweglichen Lettern fortgesetzt und türmen sich zu Bücherwänden auf: ein Statement für die Macht des Wortes. Zwar könnte man auch die Zensur als solches Statement bezeichnen, doch wieviel freundlicher ist die Schriftflut.

Liegt also Jürgen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, ganz richtig mit seinem Optimismus? China, das bereits seit einigen Jahren auf „Soft Power“ setze, präsentiere in Frankfurt nicht nur „erstmals seine Kultur auf internationaler Bühne“, sondern sei getrieben vom „Willen zur kulturellen Öffnung“. Dafür stehe etwa die Einrichtung eines sechs Milliarden Euro umfassenden, erstmals auch privaten Verlagen offenstehenden Fonds durch die höchste Instanz für das Verlagswesen in China, in welcher kurioserweise ebenfalls Zhang Fuhai eine wichtige Rolle spielt.

Dann kam die Menschenrechtsfrage doch noch. Ob man öffentliche Auseinandersetzungen befürchte? Er bitte darum, sagte Boos. Zhang Fuhai aber antwortete überraschend, er schlafe immer schlecht in Deutschland. Warum? „Die Kopfkissen sind zu weich. Chinesen brauchen harte Kopfkissen.“ Zeigen sollte das: Alles bloß kulturelle Unterschiede. Und es zeigte nebenbei, wer die wahren Softies sind.

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