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Buchmesse Das E-Book als vorübergehende Marketing-Maßnahme

 ·  Im Vorfeld der Buchmesse machten sich Spezialisten der Buchbranche Gedanken über die Zukunft des digitalen Publizierens.

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Einen Tag vor der Eröffnung der 53. Frankfurter Buchmesse trafen sich am Montag in Frankfurt Verleger zur einer „Big Questions Conference“, um über die Zukunft ihrer Branche im digitalen Zeitalter, über digitales Publizieren und Übersetzen sowie die Disintermediation im Buchhandel zu diskutieren.

Der Begriff „Disintermediation“ beschreibt die Verkürzung des Weges, den ein Produkt zwischen Produzent und Konsument zurücklegt. Im Fall der auf elektronischem Wege verbreiteten Literatur kann das den Verzicht auf Agenten, Verleger, Großhändler und Buchhandel, und somit den direkten Kontakt zwischen Autor und Leser über das Internet bedeuten.

Das E-Book als vorübergehende Marketing-Maßnahme

Was Anhängern des klassischen Buchhandels als ökonomisches und ästhetisches Schreckgespenst erscheint - der Vertrieb von Literatur über das Internet - kann sich nach Einschätzung des Autors Warren Adler zum Vorteil für den klassischen Buchhandel entwickeln. Eine ganze Reihe seiner Titel, so Adler, seien im vergangenen Jahr nicht mehr erhältlich gewesen. Erst als er alle Rechte an seinen Werken von den Verlagen zurückverlangt und mit dem Vertrieb seiner Bücher als E-Books begonnen habe, sei das Interesse an älteren Titeln wieder gestiegen. Die gebe es nun per „book on demand“ auch wieder als Printausgaben zu kaufen. Wegen der Nachfrage durch Bibliotheken erscheinen die Titel sogar wieder als Hardcover.

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Analysen, die vor der Konferenz im Branchenmagazin „The Bookseller“ veröffentlicht worden waren: Autoren wie Douglas Clegg oder MJ Rose nutzten den Vertrieb über das Internet und Veröffentlichungen als E-Book, um für sich und ihre Literatur zu werben. Nach einer solchen Marketing-Aktion, so das Fazit, könnten wieder klassische Taschenbücher mit hohen Auflagenzahlen abgesetzt werden.

Der ganze Harry Potter im Netz macht keinen Sinn

Noch sei die Auslieferung von im Internet bestellten Büchern der Schwerpunkt des Geschäfts im Netz, resümierte Markus Boehm vom digitalen Rechtehändler Digital World Services. Die zu hohen Kosten für die Infrastruktur und das neue Leseverhalten der Rezipienten würden das aber ändern: Künftige Leser seien eher bereit, einzelne Artikel, Dossiers oder Kapitel aus Zeitungen, Zeitschriften und Büchern als digitale Texte zu kaufen. Dazu müssten die Verlage entsprechende Angebote machen. „Einfach den ganzen Harry Potter ins Netz zu stellen, macht keinen Sinn“, so Boehm.

Ein anderes Hindernis für die schnellere Verbreitung von E-Books seien auch die unterschiedlichen technischen Formate. Das war ein Ergebnis der Diskussion von Fred Ciphoren von „Publishers Weekly“ mit seinen Branchenkollegen. Erst wenn es ein einheitliches Format für alle Lesegeräte gäbe oder sich die Endgeräte mit allen gängigen Formaten verstünden, sei eine größere Akzeptanz der Käufer zu erwarten.

Der Trend, so Ciphoren, gehe ohnehin zu multifunktioneller Hardware: Statt zum Kauf eines digitalen Buches, seien Leser eher dazu zu bewegen, ihre elektronische Literatur auf einem Personal Digital Assistant (PDA) mit erweiterten Funktionen zu konsumieren.

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