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Buchmesse: Comics : Die Sonntagszeitung stand Pate

  • -Aktualisiert am

Bild: DC Comics / Carlsen Verlag

Die Frankfurter Buchmesse widmet wieder dem Comic einen Schwerpunkt. FAZ.NET erzählt die Geschichte der Neunten Kunst.

          Manchmal scheint es, als hätten die Mangas den ganzen Comic-Markt besetzt. Dem ist nicht so. Zwar verkaufen sich in Europa derzeit keine Comics so gut wie die japanischen. Aber auch das europäische Comic ist im Kommen. Die 53. Frankfurter Buchmesse widmet dem Comic einen Schwerpunkt.

          Zunächst zu den aktuellen Tendenzen: Junge Autoren setzen derzeit Akzente mit Comics, die Experiment und Tradition kombinieren. Wo über Jahre schmerzliche Lücken klafften, polstern die großen Verlage ihre Backlist wieder auf. Gleichzeitig werden europäische Klassiker wie die italienischen "Fumetti Neri" derzeit neu entdeckt. Und die kleinen Editionen führen stärker als zuvor klassische Serien weiter, die bei den Verlagsgiganten aus dem Programm genommen wurden. Noch im Jahr 2000 suchten einige Marktstrategen fieberhaft ein Angebot, das sie ihren Käufern nach dem Abflauen des Manga-Fiebers machen sollten. Aber die Angst vor der Stagnation des Marktes ist erst einmal passé. Das Medium stellte auf der Basis seiner Klassiker einmal mehr seine Innovationskraft unter Beweis.

          Eine kurze Geschichte der Neunten Kunst

          Wann begann das Zeitalter des Comics? Für manche stellt schon die Bildgeschichte auf der römischen Trajans-Säule das erste Comic dar. Im engen Sinn schlug die Geburtstunde der Neunten Kunst 1896 (den Audruck „Neunte Kunst“ sollte der Belgier Maurice de la Bévère, Zeichner von "Lucky Luke", prägen). Im Oktober jenes Jahres erschien Richard F. Outcaults Cartoon "Yellow Kid", den er seit 1895 für Joseph Pulitzers "New York Sunday World" zeichnete (dessen dank revolutionärer Drucktechnik gelb gefärbtes Nachthemd gab der "Yellow Press" ihren Namen). Damit war das Zeitalter der Sprechblasen eingeläutet.

          Das Medium entwickelte sich in beeindruckendem Tempo weiter. Dazu trug die Offenheit des Comic gegenüber Motiven, Stoffen und formalen Prinzipien aus Literatur, Film und Kunst maßgeblich bei.

          An der Wiege stand die Sonntagszeitung

          Gerade in seinen ersten elf Jahren war das Comic ein sprühendes Labor für das grafische Erzählen. Denn bevor die täglichen, in schwarzweiß gehaltenen Comic-Strips ab 1907 aufkamen, dominierte die bunte Sonntagsseite.

          Hier begannen 1905 die traumwandlerischen Jugendstil-Abenteuer von "Little Nemo". Windsor McCay schuf die Figur eines kleinen Jungen, der im Traum das Fantasieland des König Morpheus bereist. Die detailverliebten Bildern mit ihren Anklängen an den Jugendstil trugen die Kunst ins Comic. Noch stärker war die Wechselwirkung zwischen zeitgenössischer Kunst und dem Comic in Lyonel Feiningers Serie "Kin-der-Kids" feststellbar.

          Zu den großen Wegbereitern der grafischen Kunst auf den Sonntagsseiten gehörte George Herrimans "Krazy Kat". Für die Serie, die werktags als Streifen und Sonntags als farbige Seite erschien, schuf Herriman das surreale Coconino County. Zu den Fans von "Krazy Kat" gehörte Picasso. Gertrude Stein versorgte ihn regelmäßig mit den neuesten Heften Herrimans.

          Comic-Nation Belgien

          Eine stilistische Innovation kam Ende der 20-er Jahre aus Belgien. Dort führte der Zeichner Georges Remi unter dem Pseudonym Hergé mit seiner Serie "Tim und Struppi" nicht nur das Prinzip des epischen Erzählens in das Comic ein. Er begründete auch den Stil der "ligne claire" - schattenlose, realistische Hintergründe und vereinfachte Figuren.

          Ein anderer Belgier, André Franquin, der 1946 die Serie "Spirou und Fantasio" von Jijé übernahm, wurde mit Schöpfungen wie dem Marsupilami und dem Büro-Boten Gaston berühmt. In seinem Umkreis entwickelte sich die "ecole Marcinelle", die stilbildend für die francobelgischen Semi-Funnies wurde. Auch der französische Klassiker "Astérix" von René Goscinny und Albert Uderzo ist diesem Genre verpflichtet. Franquins melancholische Comic-Satiren „Pensées Noirs“ (Schwarze Gedanken) zeigen allerdings, dass der Knollennasen-Stil nicht notwendig mit dem Stil-Mix aus Abenteuer und Humor zusammenhängt.

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