http://www.faz.net/-gsp-xskw

Thilo Sarrazin im Streitgespräch : Die große Zustimmung beunruhigt mich etwas

  • Aktualisiert am

Thilo Sarrazin im Frankfurter Senckenbergmuseum, nachdem er seinen Schreibtisch bei der Bundesbank geräumt hat Bild: Helmut Fricke

Sein Buch wurde bisher 1,1 Millionen Mal gedruckt . Im Streitgespräch mit Frank Schirrmacher erklärt Sarrazin, warum er in ihm auf die Biologie nicht verzichten wollte, um eine falsche Integrationspolitik zu korrigieren, und fordert Intelligenztests in den Schulen.

          Frank Schirrmacher: Heute ist Ihr letzter Tag bei der Bundesbank. Woher stammen alle diese Bücher auf Ihrem Schreibtisch?

          Thilo Sarrazin: Mitarbeiter haben die Bücher vorbeigebracht mit der Bitte, dass ich ihnen eine Widmung hineinschreibe und signiere. Das geht schon seit Wochen so. Ich schätze, dass ich mittlerweile für Mitarbeiter der Bundesbank mindestens 300 Bücher signiert habe.

          Haben Sie sich noch einmal mit Herrn Weber ausgetauscht?

          Ich habe Herrn Weber zum letzten Mal am 2. September in der Vorstandssitzung gesprochen.

          Die Entstehung der Arten ist seit Darwin weitgehend geklärt. Thilo Sarrazin fragt sich, wie es um die Zukunft der deutschen Gesellschaft bestellt ist

          Wulff, Merkel, Weber – hat einer dieser drei Ihr Buch lesen lassen?

          Die Bundeskanzlerin hat über die F.A.Z. erklärt, dass sie nicht vorhabe, mein Buch zu lesen. Herr Weber hat mir dasselbe persönlich erklärt. Ob der Bundespräsident zur Vorbereitung seiner Rede am 3. Oktober zu meinem Buch gegriffen hat, weiß ich nicht.

          Sie werden eines der erfolgreichsten politischen Sachbücher seit 1945 geschrieben haben, das ist jetzt schon sicher. Es geht um ein Buch. Was sagen Sie zu der Wirkung?

          Sie hat mich überrascht. Meine Analyse ist subjektiv ehrlich und faktengestützt, und sie hat wohl einen Nerv getroffen.

          Ihre Wirkung hat viele Ursachen, und jetzt, wo die Leute das Buch überhaupt erst lesen, beginnt eine neue Phase der Rezeption. Viele, das merke ich täglich, verstehen meine Einwände nicht; ich wiederum verstehe nicht, wie man meine Einwände nicht anerkennen kann. Das ist das Zeichen großer Bucherfolge. Das Buch „Love Story“ war so erfolgreich, weil jeder, die Eltern, die Töchter, die Söhne, sich selbst darin wiederfinden konnten, seine eigenen Erfahrungen ausgedrückt fand, ohne dass da die Rollen miteinander in Konflikt kamen. Sie haben nun nicht die „Love Story“ geschrieben und auch keinen Roman.

          Nein, ein Roman ist es nicht.

          Aber dieses Phänomen – wir nennen das „Projektion“ – ist untrennbar mit Ihrem Buch verbunden und zeigt die Tiefe der objektiven Verstörung dieser Gesellschaft. Sie haben einen Bundespräsidenten, eine Kanzlerin, die SPD und große Teile des Journalismus in Schwierigkeiten gebracht – nicht nur die Kritiker, auch die Jubler. Wie erleben Sie das jetzt bei Lesungen?

          Die sehr emotionale Zustimmung richtet mich angesichts der heftigen Angriffe auf mein Buch durchaus auf, aber die Intensität der positiven Emotionen beunruhigt mich auch etwas. Bei meiner Lesung im ausverkauften Nicolaisaal in Potsdam stellte ein junger Zuhörer die völlig berechtigte Frage, ob mein Buch nicht den Rechtsradikalen in die Hände arbeite. Schon während der Frage kam Unmut über den Fragesteller im Saal auf, den ich dann dämpfen musste. Meine Antwort war, dass man sich weder die richtigen Fragen noch die Suche nach richtigen Antworten aus der falschen Ecke diktieren lassen darf.

          Reden wir von der seriösen Kritik. Buschkowsky, der mittlerweile berühmte Bürgermeister von Neukölln und selbst ein Beispiel für Aufstieg durch Bildung, sagt, Sie hätten sich verrannt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Am Boden – vorerst: Junge Spieler wie Leroy Sané haben trotzdem die Phantasie geweckt, wie es schnell wieder aufwärts gehen könnte.

          Abstieg in Nations League : Die Nullstunde der Nationalmannschaft

          Der Bundestrainer relativiert den Abstieg aus der Nations League und sogar die WM-Enttäuschung – als sei alles eine normale Entwicklung. Auf die teils heftige Kritik gibt es eine scharfe Replik von Joachim Löw.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.