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Das Lesen der Zukunft Komm, spiel mit mir!

Die E-Books sind das große Thema der Buchmesse. Wir haben Verlage gefragt, wie ihre Pläne für das Lesen der Zukunft aussehen. In einem Punkt herrscht Einigkeit: Das Lesegerät der Zukunft wird nicht nur zum Lesen da sein.

© Jens Gyarmaty Vergrößern Der „Froschkönig” wird multimedial: Der Fischer-Verlag arbeitet an einer E-Book-Version des Märchens, die es auf Papier niemals geben wird

Wenn es um die Frage geht, wie wir in Zukunft lesen werden, schweift der Blick meist nach Amerika. In den Vereinigten Staaten, wo die Publikumsverlage bereits zwischen fünf und zehn Prozent ihres Umsatzes mit digitalen Büchern, mit E-Books generieren, ist die Lage übersichtlicher. Der Wert der dort verkauften E-Books lässt sich mittlerweile in dreistelligen Millionenbeträgen messen, er steigt schnell und beständig. Erst im Juli hat der Internet-Buchhändler Amazon mit der Nachricht von sich reden gemacht, dass er von einzelnen Titeln zuweilen mehr E-Books absetze als gedruckte Bücher. Und für Aufsehen sorgte auch die Nachricht, der neue Roman von Jonathan Franzen sei in Amerika bereits zu einem Viertel in digitaler Form verkauft worden.

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Eigentlich ist das nicht überraschend, denn „Freedom“ kostet als E-Book mit 12,99 Dollar weniger als die Hälfte der Printausgabe, die zum Preis von 28 Dollar zu haben ist. Aber dennoch versetzen all diese Nachrichten die deutsche Buchbranche zusehends in Bewegung. „Es wird größer werden und schneller gehen, als wir uns das alle vor einem Jahr noch vorgestellt haben“, sagt etwa Marcel Hartges, der Verleger von Piper. Zwar hat erst vor kurzem eine Umfrage der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers ergeben, dass in Deutschland von eintausend befragten Menschen nur rund fünfzig Prozent mit dem Begriff „E-Book“ etwas anfangen konnten. Und gerade einmal ein Fünftel wusste zu erklären, wie ein E-Reader funktioniert. Dennoch geht die Buchbranche einhellig davon aus, dass sich der deutsche Markt ähnlich entwickeln wird wie der amerikanische - nur mit etwas Verzögerung.

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Ob das nun eine gute oder eine schlechte Nachricht ist, darüber machen sich die Verleger längst keine Gedanken mehr. Vielmehr versuchen alle, sich darauf vorzubereiten, dass E-Books künftig immer mitgedacht werden, wenn von Büchern die Rede ist. Es ist zwar keineswegs davon auszugehen, dass demnächst nur noch E-Books verkauft werden. Aber ihr Anteil am Buchgeschäft wird auch in Deutschland steigen, da sind sich alle einig.

Der Leser wird zum Nutzer

Die diesbezügliche Arbeit hat erst begonnen, aber das Thema wird auf der Buchmesse einen noch prominenteren Raum einnehmen als in den Vorjahren. Unter dem Titel „Storydrive“ hat man erstmals eine Konferenz organisiert, bei der sich Verleger mit Vertretern der Film-, Musik- und Spielebranche treffen können, um über zukünftige Kooperationen zu verhandeln. Denn ganz gleich, welche konkreten Pläne die einzelnen deutschen Verleger entwickeln - sie alle teilen die Vorstellung, dass das E-Book der Zukunft nicht mehr nur einen Text enthalten, sondern darüber hinaus mit zusätzlichen Angeboten angereichert werden wird, ähnlich wie eine DVD. In diesem Sinne spricht man von „enhanced“ oder „enriched E-Books“, die neben dem Text auch Autorenvideos, Interviews, Fotos oder Kartenmaterial präsentieren. Im „enhanced E-Book“ wird der Text mit anderen Angeboten konkurrieren, man wird lesen, einen Film anschauen oder ein Videospiel spielen können. Der Leser wird gleichzeitig zum Nutzer, und er wird, weit mehr als bisher, die Qual der Wahl haben.

Als einer der ersten deutschen Verlage hat Rowohlt angekündigt, ein solches „enhanced E-Book“ jetzt in Frankfurt vorzustellen. Es eröffne, so sagt der kaufmännische Geschäftsführer des Hauses, Peter Kraus von Cleff, „einen Blick in die Labore des Autors und des Verlages“. Vier Bücher hat sich das Haus für dieses „digitalbuchplus“ getaufte Pilotprojekt ausgesucht: zwei Sachbücher, die Rowohlt-Monographie von Albert Einstein sowie den gerade erschienenen Roman „Strohfeuer“ des Bloggers Sascha Lobo. Alle Bücher werden mit Filmen, Bildern und Tondokumenten ausgestattet sein. Beim E-Book mit Lobos Roman soll der Leser darüber hinaus aber auch mit dem Autor selbst in Kontakt treten können. Wie genau man sich das vorzustellen hat, ob der Leser mit dem Autor in einer Art Chat über dessen Roman diskutieren soll, ob man per Videokamera auf Lobos Schreibtisch schauen darf oder ob man ihm einfach eine E-Mail schreibt, all das wird Rowohlt erst auf der Buchmesse verraten.

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