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Veröffentlicht: 14.10.2009, 22:03 Uhr

Escort auf der Buchmesse Zwei Sex Sex Sex

Mit Betty zum Meeting, mit Soraya zum Empfang: Zu jedem Messetermin gibt es käufliche Begleiterinnen. Wie man Leser wirklich verführt, zeigt ein Escort-Service. Wir haben vorsortiert.

von Oliver Jungen und Martin Wittmann
© Daniel Pilar Kleider machen Leute an - auch hier beim letzten Droemer-Knaur-Empfang

Wir waren vorbereitet. Hanns-Josef Ortheil, der Orgiast, schreibt einen sinnlichen Schmöker nach dem anderen, Philip Roth ist knapp am Nobelpreis vorbeige(sch)rammelt. Die Tendenz ist eindeutig: Buchliebhabertum ist wörtlich zu verstehen. Zur folgenden Geschäftsidee war es da nur noch ein kleiner Schritt: „Wer in die Finanzmetropole mit der atemberaubenden Skyline kommt, jedoch so gänzlich keine Lust verspürt, alleine die Entwicklungen des Buchmarktes unter die Lupe zu nehmen, kann mit einer der VIP-Escort-Damen die Zeit auf der Literaturmesse ganz anders genießen.“ Die VIP-Ladys, das wird angedeutet, brennen nämlich nur darauf, den Gentleman aus der Verlagsbranche „zu allen möglichen Meetings zu begleiten“. Dort entfalten sie dann ihre wuchtige Wirkung als Meeting-Luder: „Das geht allerdings nur, weil diese Damen nicht nur wunderschön sind, sondern es auch verstehen, sich auf sehr angenehme Art über Literatur zu unterhalten, so dass in behaglicher Atmosphäre ein unaufdringlicher erotischer Reiz um sich greifen kann.“

Aber doch dürfte die Art, sich über Literatur zu unterhalten, noch ein bisschen angenehmer, der erotische Reiz noch stärker um sich greifend sein, wenn Buch und Gebuchtes zusammenstimmen. Wir haben uns das Angebot genau angesehen und keine Mühen gescheut vorzusortieren. Zum Glück ist die Honorartabelle übersichtlich und immer gleich: Mit 250 Euro schlagen zwei Stunden „Dinner Time“ zu Buche, mit der doppelten Summe zwei Stunden „Private Time“. Wer die Privatzeit auf die ganze Woche ausdehnen will, muss schon 6000 Euro zur Hand haben.

Ein Dreamgirl für Händler-Fans

Da also hätten wir zum Beispiel die Italienerin Isabella (90-60-90), von Beruf „Dreamgirl“. Sie liebt es nicht nur, „aus ihrem maßgeschneiderten Outfit zu schlüpfen, sich ihres zarten Spitzen-BHs zu entledigen und mit geschmeidigen Fingern ihren Slip herunterzuziehen“, sondern fährt absolut darauf ab, „die Mailänder Scala zu besuchen und mit einem kunstsinnigen, gepflegten Herrn die Galerien und Museen ihrer Heimatstadt zu durchstreifen“ – wie geschaffen also für die Fans von Ernst-Wilhelm Händlers „Welt aus Glas“, die nicht nur in der Mailänder Galerienszene ihren Ursprung hat, sondern massenhaft Slips herunterzieht, und zwar derart geschmeidig, dass man fast glauben könnte, es handelte sich eigentlich um einen mexikanischen Entführungsroman.

Für die fernöstlichen Ehrengäste, die Bücher wie „Ein vermeintlicher Herr“ (über einen vogelscheuchigen Herrn), „Brüder“ (über zwei Brüder) und „I love Dollars“ (über kapitalistische Tugenden) im Gepäck haben, könnte vielleicht die deutsch-chinesische Studentin Kitty (85-58-85) von größerem Interesse sein, denn egal ob Vogelscheuche: „Man wird Sie schlichtweg schnell um diese reizende Begleiterin beneiden“, außerdem ist hier „sexuelle Leidenschaft mit zwei Männern“ im Angebot, was Brüdern gefallen und den Preis kapitalistisch tugendhaft halbieren dürfte.

Zur Belohnung Honigtau

Ein bienchenflinker Verlag wie Herder, wo schon 44 Jahre nach Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils soeben der zugehörige theologische Kommentar erscheint, wird für seine Edelfedern wohl eher die Eis schmelzende „Grande Dame“ Betty (92-62-92) vorbuchen, die als „hervorragende Begleiterin für alle Lebens- und Liebeslagen“ gilt und mit höchster Freude „einem Empfang mit hohen Würdenträgern“ entgegensieht, was sie gar mit „überfließendem süßen Honigtau“ zu belohnen gewillt ist.

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