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Buchcover : Schau! Mich! An!

Der Originalentwurf zu Charlotte Roches Buch „Feuchtgebiete” sah ganz anders aus als... Bild: Dumont

Bonbonfarben mit historischen Elementen oder doch lieber schlichtes Weiß mit serifenloser Schrift ? Ob die Leser ein Buch in die Hand nehmen, hängt auch vom Cover ab. Doch wie ausschlaggebend für den Kauf ist es wirklich?

          Wer vermag schon zu sagen, was dem Leser gefällt? Wer weiß, ob ein Kunde, der einen Buchladen betritt, das Werk mit dem Cover im lieblichen Grünstich in die Hand nehmen wird? Den Titel mit den fein gezeichneten bunten Kinderblumen? Oder eher das Buch in schlichtem Weiß mit der serifenlosen Schrift? Niemand weiß es – aber alle rätseln. Die Meinungen darüber, welche Rolle die Gestaltung eines Buches spielt, sind geteilt: „Der Erfolg eines literarischen Werks wird durch den Umschlag weder gefördert noch verhindert“, sagt ein Lektor. „Das Cover ist unheimlich wichtig, um eine Stimmung rüberzubringen“, meint ein anderer. Ein Graphiker findet: „Die Verlage halten ihr Publikum für zu dumm.“ Warum sollte die Buchbranche auch einheitlicher klingen, als ihre Produkte aussehen?

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          In jedem Jahr kommen etwa einhunderttausend neue Bücher auf den Markt, die um die Gunst der Käufer werben. Manche glauben, dass sich rund die Hälfte der Leser spontan zum Kauf eines Buches entscheiden – angelockt von einem schönen Cover. Andere gehen davon aus, dass es deutlich weniger sind. Unklar ist auch, wie lange die Kunden ein Buch anschauen, bevor sie sich entscheiden. Zehn Sekunden oder bloß fünf? Fest steht jedenfalls, dass ein Augenblick genügen muss. Wie sagt der Volksmund der PR-Branche: „You never get a second chance to make a first impression.“

          Mal nicht die Rückansicht einer halbnackten Frau

          Sachbücher buhlen dabei anders um Aufmerksamkeit als Taschenbücher, diese wiederum unterscheiden sich von literarischen Neuerscheinungen. Einen Trend gibt es vor allem bei Ersteren. Seit einigen Jahren wählen die Verleger von Wissenschafts- und Fachbüchern vermehrt Cover ohne Bilder aus. Sie arbeiten mit traditionellen typographischen Formen, gewissermaßen mit Retro-Elementen, die an zeitgenössische Sehgewohnheiten angepasst werden. Das Ergebnis sind schlichte, sachliche Serifenschriften auf monochromem Grund, wodurch der Fokus auf den Namen des Autors und den Titel gelenkt wird.

          ...das dann veröffentlichte Cover. Wäre der Titel mit ersterem wohl auch zum Megaseller geworden?
          ...das dann veröffentlichte Cover. Wäre der Titel mit ersterem wohl auch zum Megaseller geworden? :

          Das können sich diese Bücher erlauben, die Zielgruppe ist vergleichsweise klar definiert. Da Sachbücher spezielle Fragestellungen diskutieren, wissen ihre Leser öfter als andere, was sie wollen, bevor sie einen Laden betreten. Auch Literaturverlage werben mittlerweile mit dieser Strategie für ihr Programm. Der Frankfurter Suhrkamp Verlag zum Beispiel stellt zuweilen die Typographie in den Vordergrund des Covers. Das ist klug, weil es auffällt, wenn einmal nicht die Rückansicht einer halbnackten Frau einen Umschlag ziert. Oder Schmetterlinge, Federn und verliebte Paare, die man lieber abdecken möchte, bevor man mit ihnen in den ICE steigt.

          Vom Schutzumschlag zum

          Die Mehrzahl der Gestalter von Umschlägen für Belletristik arbeitet aber mit Bildern – und das schon seit geraumer Zeit. Die Bilder sollen den Inhalt des Buches umsetzen, interpretieren und auf den Punkt bringen. Sie sollen helfen, die Kritiker zu begeistern, und gleichzeitig zum Verkaufserfolg im Handel beitragen. Diese Spannung besteht, seit es den Buchumschlag gibt, der ja ursprünglich als Schutzumschlag geboren wurde. Als er noch in den Kinderschuhen steckte, in den zwanziger Jahren, war die Umschlaggestaltung kein originäres Arbeitsgebiet für Graphiker.

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