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Bruno, der Bär Auf der Problemalm

29.12.2006 ·  Er kam vor der Weltmeisterschaft, das war sein erster großer Fehler. Der Hunger trieb ihn über die Berge, er suchte Nahrung und landete in Schliersee, wo er ein paar Schafe zu viel riß, Dort geriet er in die Fänge der Politik - sein letzter Fehler.

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Er kam vor der Weltmeisterschaft, das war sein erster großer Fehler. Der Hunger trieb ihn über die Berge, er suchte Nahrung, riß ein paar Schafe zuviel, köderte die Pressemeute, die ihrerseits ein gefundenes Fressen aus ihm machte. Vielleicht hat er das WM-Motto „Zu Gast bei Freunden“ ernst genommen.

Aber daß er ausgerechnet das Postkartenidyll des Schliersees für einen Kurzurlaub wählte, das war sein Patzer. Denn die Doris von der Kümpfl-Alm ist nicht nur eine echte Sennerin, sie hat auch den Beschützerinstinkt der CSU geweckt. Somit bedrohte der fensterlnde Braunbär JJ 1, den man Bruno taufte, nicht nur eine bayerische Maid, sondern die männliche Ehre der Regierungspartei - er wurde zum „Problembären“ (E. Stoiber).

Unter Katastrophenpolitikern

Eine ganze Weile ging das gut, weil sich der wendige Bursche mal hier, mal dort ins Gebüsch schlug, den finnischen Bärenhunden ebenso entkam wie den Appellen der Tierschützer. Bis er auf ebenjener Alm im Morgengrauen des 26. Juni einem „Sicherheitsteam“ gegenübertrat, das der Katastrophenminister Schnappauf auf ihn losgelassen hatte.

Bestimmt wußte der Landesvater - wie im Fall der Fürther Problemlandrätin Pauli - nichts davon. So endete Brunos Sommerfrische, und keine Proteste, keine Trauerzüge, keine Beschimpfungen und keine Morddrohungen gegenüber Jägern und Minister fruchteten - Bruno, der erste freie Bär, der sich seit 1835 in Bayern gezeigt hatte, war dahin. Bis zum heutigen Tag liegen seine sterblichen Überreste als geheime Verschlußsache in einem Tiefkühlfach. Die Leiche im Keller, das ist nach christsozialer Sitte die bevorzugte Aufbewahrungsart für politische Gegner in Bayern.

Quelle: hhm/F.A.Z., 30.12.2006, Nr. 303 / Seite 37
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