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Britischer Spionage-Skandal : Browns Bond

  • -Aktualisiert am

Das systematische Ausspionieren von Verhandlungspartnern durch den britischen Geheimdienst ist eine im Stil modernen Eventmanagements betriebene organisierte Verletzung der Bürgerrechte.

          London, am 2. April 2009. Die Regierungschefs der G20 treffen sich, um die Welt vor dem Finanzkollaps zu retten. Gordon Brown will eine besonders gute Figur machen, und er hat ein Ziel: Öffentliche Rettungsgelder für die Bankenbranche ohne nervige Auflagen, das möchte er, und das möchten zufällig auch seine Freunde, die Lobbyisten von der Londonder City. Aber wollen die anderen Staats-und Regierungschefs das auch? Brown brauchte Hilfe von den Agenten ihrer Majestät.

          Nun wurde durch eine Veröffentlichung im „Guardian“ bekannt, wie der britische Geheimdienst dem Premierminister, der in den Papieren nur „der Kunde“ genannt wird, geholfen hat. Im Tagungszentrum befand sich an einem diskreten Ort eine fünfzehn Quadratmeter große Videowand, auf der man in Echtzeit unter anderem verfolgen konnte, welcher der Gipfelteilnehmer gerade mit wem telefonierte. Diese Daten wurden dann aufbereitet und einem am Ort stationierten Team von immerhin 45 Analysten zur sofortigen Auswertung übergeben.

          „Herr Kollege, ich weiß, was Sie sagen werden!“

          Es war der geheimdienstliche Abgrund zum Gipfel, eine im Stil modernen Eventmanagements betriebene organisierte Verletzung der Bürgerrechte und eine fortgesetzte Missachtung des Diplomatenstatus ausländischer Mandatsträger. Die britischen Agenten haben pflichtbewusst aufgeschrieben, worum es ging: nicht um die nationale Sicherheit oder um Verbrechensbekämpfung - soviel fiktionale Phantasie hatten selbst die Kollegen James Bonds nicht -, es ging allein darum, den britischen Ministern „in den Verhandlungen einen sofortigen Vorteil zu verschaffen“. Nach dem Motto: Herr Kollege ich weiß, was Sie in fünf Minuten sagen werden und widerspreche schon jetzt! Und falls ganz arge Paranoiker unter den G20-Delegierten auf den Plan verfallen wären, ihre Privatmail nur außerhalb abzurufen, so war auch für diesen Fall Vorsorge getroffen. Der britische Geheimdienst hatte Internetcafés simuliert, in denen die Delegierten dann, ohne es zu wissen und sich superschlau vorkommend, ihre Botschaften, Passwörter und einfach alles direkt in die Systeme ihrer Majestät eintippten. Unrecht muss den britischen Diensten die Veröffentlichung dieser Unterlagen nicht sein. Der Plan, die Banken mit öffentlichen Geldern zu stützen, ohne störende Kontrollen einzuführen, war damals gewagt. Aber er gelang Brown und seinen Bonds. Heute sind die Staaten überschuldet, nicht mehr die Banken.

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