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Britischer Bildungsbedarf Pop, echt Klasse

 ·  Popmusik, darüber war man sich bisher einig, hat ihre Wurzeln in der Arbeiterklasse, Popstars sind demnach soziale Aufsteiger. Stimmt aber alles nicht mehr, wie man jetzt weiß. Eine Studie hat ergeben, dass heute teure Privatschulen Voraussetzung für eine Pop-Karriere sind.

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Aus dem Mutterland des Pop erreicht uns die aufrüttelnde Nachricht: Die Charts werden nicht mehr von Arbeiterklasse-Kids, sondern von Privatschulzöglingen dominiert. Sechs von zehn in den Top Ten vertretenen Stars sind in die teuren public schools gegangen. Lily Allen zum Beispiel besuchte Bedales in Petersfield; 9600 Pfund pro Semester musste sie dafür berappen. Ihre Kollegin, die aufstrebende Popsoul-Artistin Pixie Lott, ließ sich den Unterricht an Londons Italia Conti Academy of Theatre Arts 4430 Pfund pro Semester kosten. Angeblich liegt die Dominanz der Privatschulpopper am finanziell bedingten Bildungsnotstand: Wenn demnächst weitere Sparmaßnahmen der Regierung greifen, bleibt in manchen Gegenden gerade einmal 1,15 Pfund pro Kind im Jahr für den Musikunterricht.

Vorbei also die Zeiten, als Liedzeilen der Rolling Stones Karrieredirektiven waren: „Was kann ein armer Junge machen, außer in einer Rockband zu singen?“, heißt es im Song „Street Fighting Man“. Heutzutage muss die Antwort lauten: drei oder vier Jobs parallel abreißen oder Sozialhilfe beantragen. Die Mittelschicht ist für den Wettbewerb einfach besser ausgestattet, aber womöglich nicht, weil sie Brahms- von Bruckner-Fugen unterscheiden kann, sondern, weil sie die Härten des Verteilungskampfes ganz anders verinnerlicht.

Mick Jagger hat es schon lange gewusst

Wem die von Finanzreformen gegängelten Eltern permanent wegen der Studiengebühren im Nacken sitzen; wer dazu weiß, dass nur ein Top-Ten-Hit den Alten eine einigermaßen humane Rente sichert; und wer schließlich, im permanenten Vergleich mit anderen Kreativstrebern, begriffen hat, dass konventionelle Arbeit als Einkommensquelle ein Auslaufmodell ist, gerade jetzt, in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise, der hat die nötige Härte gegen sich und andere, um zu reüssieren.

Dass symbolischer (Prestige, Anerkennung, Aufmerksamkeit) und materieller Gewinn nur noch in den Medien, in der Popindustrie zu kriegen sind, ist klar. Dass für die dortige Karriere das Knowhow des Authentischen nicht mehr gebraucht wird, ist neu. Es sei dies auch allen Jugendlichen gesagt, die darauf spekulieren, ihre Erfahrungen als Dealer, Schieber oder sonstiger Halbwelt-Experte in popmusikalische Erfolge umzumünzen. Wenn schon Straßenexpertise, dann bitte flankiert von einem einigermaßen soliden Fernstudium plus regelmäßigen Gewandhausbesuchs. Das wusste übrigens auch Mick Jagger. Er besuchte die London School of Economics.

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