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Brigitte Hamann : „Ich glaube, daß es wieder passieren kann“

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Ein Zimmer im Wiener Wohnheim, in dem Hitler einst lebte (Bild von 2002) Bild: AP

Die deutsch-österreichische Historikerin Brigitte Hamann spricht mit der F.A.Z. über die Selbstmythologisierung Adolf Hitlers, seinen Antisemitismus und die Faszination der Deutschen für den Diktator.

          Die deutsch-österreichische Historikerin Brigitte Hamann, die 1996 das Buch „Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators“ veröffentlichte, spricht mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Samstagausgabe) über die Selbstmythologisierung Adolf Hitlers, seinen Antisemitismus und die Faszination der Deutschen für den Diktator.

          Bei ihrer Beschäftigung mit Hitler, so Hamann im Gespräch mit Stefan Aust und Frank Schirrmacher, habe sie früh erkannt, daß dieser „nicht als Außerirdischer über Deutschland gekommen“ sei: „Hitler steht in der deutschen und der österreichischen Geschichte. Er wäre nicht möglich gewesen ohne die Vorbereitungen durch die Entwicklungen in der deutschen Geschichte mindestens seit 1870/71.“ Adolf Hitler habe „selbst nichts erfunden“, der ideologische Nährboden für den Rassenwahn sei in der Gesellschaft längst bereitet gewesen.

          Die große Wandlung 1919

          Auch im Ersten Weltkrieg, so Brigitte Hamann, sei Hitler noch kein Antisemit gewesen: „Die große Wandlung ging in ihm mit der Niederlage und dem Jahr 1919 vor sich. Mit dem Frieden von Versailles und dem völligen moralischen, sozialen und wirtschaftlichen Zusammenbruch auch der Deutschnationalen.“ In seinem Buch „Mein Kampf“ habe sich Hitler dann „eine antisemitische Karriere erfunden“. Später seien ihm „alle diese Parolen im Kopf als die Hauptsache seines Denkens vorgekommen“.

          Befragt nach der Gefahren einer Wiederkehr der Geschichte, sagt Brigitte Hamann: „Ich glaube, daß es wieder passieren kann, und ich glaube auch, daß wir deswegen so genau uns mit Hitler und dem Dritten Reich beschäftigen müssen, um uns klarzumachen, unter welchen Umständen eine so fürchterliche Entwicklung möglich ist. Keiner hat das von Deutschland geglaubt. Man hat gesagt, im Zarenreich, da gab es die Pogrome, natürlich sind da die Juden in Mengen ermordet worden. Aber in Deutschland, dieser Kulturnation? Wir können nur versuchen, so auf die Bedingungen der Geschichte einzuwirken, daß diese Notsituation in einer Bevölkerung nicht auftritt.“

          Die zwölfteilige DVD-Dokumentation von F.A.Z. und Spiegel TV enthält einen Hauptfilm von hundert Minuten mit seltenen historischen Filmaufnahmen und zusätzlich ein Interview, das Stefan Aust und Frank Schirrmacher mit prominenten Zeitzeugen oder Historikern geführt haben. Jede DVD kostet 17,90 Euro zuzüglich Versandkosten und ist unter der Telefon-Nr. 0180 212 5212 oder unter DVD-Serie "Hundert Jahre Deutschland" zu bestellen. „Hundert Jahre Deutschland“ kann auch als zwölfteilige Gesamtedition (169,- Euro zzgl. Versandkosten) oder in zwei Teillieferungen (je 89,- Euro zzgl. Versandkosten) erworben werden.

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