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Boykott-Aufruf in Italien Ananas, no grazie!

22.12.2008 ·  Italiens Landwirtschaftsminister Luca Zaia hat zu einem „Ananas-Streik“ aufgerufen. Der Grund: Die Italiener sollten zu Weihnachten lieber zu den zweitausendfünfhundert saisontypischen Landesprodukten greifen. Die Reaktionen auf den patriotischen Akt reichen von verhalten bis höhnisch.

Von Dirk Schümer
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Möchten Sie noch Ananas?“ Das ist die Standardfrage italienischer Kellner nach einem opulenten Menü. Wenn kein Nachtisch mehr passt, schlägt in Italien die Stunde der wasserhaltigen, kalorienarmen Südfrucht. Küchenchefs, die auf sich halten, bevorraten vor allem im Winter ausgesucht aromatische Exemplare, um sie - auf der Schale geschnitten und aufgefächert - vor allem den linienbewussten Damen unter ihrer Kundschaft aufzutischen. Gerade nach einem Weihnachtsessen im Kreise der Liebsten retten sich, während Gemahl und Bambini süßen Panettone in sich hineinstopfen, viele Italienerinnen mit Ananas als Vor-, Haupt- und Nachspeisenersatz vor der Völlerei.

Da kommt es einer Provokation gleich, wenn Landwirtschaftsminister Luca Zaia nun unverblümt zum „Ananas-Streik“ aufruft. Die Italiener sollten zu Weihnachten lieber zu den zweitausendfünfhundert saisontypischen Landesprodukten greifen. Zaia ist superschlank und wirkt, als mümmle er den ganzen Tag nichts anderes als Ananas. Er hat indes offengelassen, ob er mit den heimischen Winterprodukten Trauben aus Pantelleria, piemontesische Trüffel, Orangen aus Sorrent oder Radicchio aus seiner Heimatprovinz Treviso meint. Sicher ist nur, dass sie allesamt die exotisch prickelnde Ananas kaum werden ersetzen können.

In dubio prosecco

Und so ist die Reaktion auf seinen desperaten Aufruf verhalten. Slowfood-Gründer Carlo Petrini, sonst ein Freund regionaler Produkte, hat auf den Kaffee hingewiesen, der schließlich auch nicht bei Rom vor der Haustür wächst. Und der Fernsehkomiker Gene Gnocchi meinte höhnisch, von einem Minister der stramm rechten „Lega Nord“ habe er keinen schlappen moralischen Appell, sondern mindestens einen Plan zur militärischen Besetzung sämtlicher Ananas-Erzeugerländer erwartet.

Vielleicht reichte es in der globalisierten Welt aber auch, den eifrigen Minister darauf hinzuweisen, was passierte, wenn die Deutschen sich zu Weihnachten vom italienischen Gemüse, von Barolo und Chianti, von Nutella und Parmaschinken konsequent fernhielten. In Zaias Heimatstadt Conegliano würden sich dann zu Silvester verzweifelte Winzer reihenweise mit den eigenen Sektkorken abknallen, weil niemand mehr im Ausland ihren Schaumwein trinken würde. So gönnen wir den ranken Italienerinnen jede Menge Ananas. Und halten es mit den Coneglianern: In dubio prosecco!

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