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Boris Palmer : Nix nei – naus!

  • -Aktualisiert am

Nicht auf dem Fahrrad, sondern vor der malerischen Neckar-Kulisse: Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/ Die Grünen). Bild: dpa

Von Apfelschorle und Vesper zum Aufstand mit Mistgabel: Wie sich der Streit des radelnden Grünen-Politikers Boris Palmer mit einem einem schwäbischen Gastwirt ins Dramatische steigerte.

          Wenn es einen Halbsatz gibt, der (nicht nur) einen Schwaben in den gastronomischen Wahnsinn treiben kann, dann: „Draußen nur Kännchen!“ Was nichts anderes besagen will, als dass die Kellner beziehungsweise die Besitzer der betreffenden Wirtschaft zu faul und zu geldgierig sind, um der sparsamen, also ressourcenschonenden Variante („A Tässle Kaffee hätt’e gära“) eines Getränkewunsches zu entsprechen, der sich auch noch mit dem Begehren nach frischer Luft paart. Wobei es schwäbische Wirte besonders fuchst, dass sie für diese Luft nichts in Rechnung stellen können: Do kennt ja jed’r komma und omsonst schnaufa wölla!

          Man muss diesen zutiefst kulturökonomieanthropologischen Zusammenhang ermessen, um zu begreifen, was dem Tübinger Oberbürgermeister passiert ist. Als ob es für den bekannten grünen PKW-Gegner in seiner wunderschönen großen kleinen Stadt, in der sowieso jeder Velozipädist jeden Fußgänger als jederzeit zu vernichtendes Freiwild betrachten darf, nicht genug zu radeln gäbe, unterfing er sich, auch noch die Schwäbische Alb mit dem Fahrrad heimzusuchen. Wo ihn naturgemäß Hunger und Durst überkamen. Weshalb er in einer Dorfwirtschaft ein Vesper und eine Apfelsaftschorle zu sich nehmen wollte: auf der Terrasse des gastlichen Etablissements. Nun lässt sich zwar ein Kaffee jederzeit auf Kännchengröße bringen. Nicht aber ein Vesper oder eine Apfelsaftschorle (wobei man schon ein bisschen die Nase, will sagen: den Gaumen rümpfen darf, wenn ein schwäbischer Oberbürgermeister nicht wenigstens eine Most- oder Weinschorle bestellt).

          Peripetie des Schwaben-Dramas

          Also wurde dem Tübinger Schultes der Aufenthalt auf der Terrasse verwehrt: „Sie müssat nei!“ Das selbstlose Angebot des städtischen Oberhaupts, dem dörflichen Wirtsdiktator nach vollzogener Einnahme von flüssiger und fester Nahrung das Geschirr wieder ins Innere der Wirtschaft zu tragen, ward noch barscher abgelehnt. Worauf es zwischen dem Oberbürgermeister einer berühmten Universitätsstadt und dem Besitzer eines landestypischen Eigensinns („Jetzt grad mit Fleiß net!“) zu einem erregten Dialog kam, der sich zum Drama steigerte. Dessen Peripetie, also die rhetorische Schürzung des Krisis-Knotens, konzentrierte sich auf ein gleichfalls so landestypisches wie leider in weiten Teilen ausgestorbenes Instrument: die Mistgabel.

          Der Oberbürgermeister, als Sohn eines zu Lebzeiten legendären „Remstalrebellen“ im Aufruhrmachen von Kindesbeinen an geübt, schrie den Dorfwirt an, wenn „mir auf’m Rathaus so schaffa dätet wia ihr en eirar Klembemberleswirtschaft, no dätet d’Leut mit de Mistgabla vor der Rathaustür standa“. Abgesehen davon, dass wohl die wenigsten Tübinger im Besitz einer Mistgabel wären, brachte dieser Vergleich die Streithähne derart in Rage, dass dem OB nichts anderes übrig blieb, als den ganzen Vorgang auf seiner Facebook-Seite öffentlich zu machen. Der Wirt aber denkt jetzt auch über den Erwerb einer Mistgabel nach. Um nicht nur durchradelnde Oberbürgermeister noch leichter von der Terrasse zu schaufeln.

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