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Booker-Prize Abrechnung mit der „gräßlichen“ Ära Thatcher

20.10.2004 ·  Ein Roman über das Schicksal eines jungen Homosexuellen im London der achtziger Jahre hat den bedeutenden Booker-Prize bekommen. Sein Autor Alan Hollinghurst beschreibt die Jahre unter Thatcher als „gräßliche Zeit“.

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Der Brite Alan Hollinghurst hat für seinen Roman „The Line of Beauty“ eine der wichtigste englischsprachigen Literaturauszeichnungen, den Man Booker Prize, erhalten. Das Buch spielt im London der achtziger Jahre und erzählt die Geschichte des zwanzig Jahre alten homosexuellen Oxford-Absolventen Nick Guest und seines Umgangs mit Drogen, Selbstwerdung und sozialer Probleme wie Aids.

„The Line of Beauty“ ist nach Ansicht von Literaturkritikern eine gekonnte Schilderung der Thatcher-Ära. „Es war eine gräßliche Zeit“, sagte Hollinghurst dem Rundfunksender BBC. Der Schriftsteller lebt in London, seine Werke befassen sich häufiger mit dem Thema Homosexualität. „Es erstaunt mich sehr, daß der lange und zurückgezogene Prozeß des Romanschreibens zu einem solchen Moment führt“, sagte der 50jährige Autor bei der Entgegennahme des Preises am Dienstag abend. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet 72.000 Euro dotiert.

Hollinghurst, ein ehemaliger Kulturjournalist der „Times“ und Richard-Wagner-Verehrer, veröffentlichte seinen ersten Roman 1988 („The Swimming-Pool Library“). Sein Roman „The Folding Star“ war 1994 bereits für den Booker-Preis nominiert.

Hollinghurst setzte sich in diesem Jahr mit knapper Mehrheit gegen fünf andere Finalisten durchgesetzt. Der Jury-Vorsitzende Chris Smith, der Ende der neunziger Jahre der erste bekennende homosexuelle Minister Großbritanniens war, sprach von einer „unglaublich schwierigen Entscheidung“. Letztlich habe ein Buch gewonnen, das „aufregend ist, brillant geschrieben und tief unter die Haut der thatcheristischen achtziger Jahre geht“. Der Preis wird an Schriftsteller aus Großbritannien, Irland oder dem britischen Commonwealth verliehen. Der Booker-Preis hat schon viele Bücher zu Bestsellern gemacht. So brachte er vor zwei Jahren den internationalen Durchbruch für Yann Martels „Schiffbruch mit Tiger“.

„Ich weiß, daß dies eine Entscheidung ist, für die ich den Rest meines Lebens dankbar sein werde“, sagte Hollinghurst. Sein Roman ist einerseits ein Stimmungsbild der achtziger Jahre, als Großbritannien von der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher von Grund auf umgekrempelt wurde. Während der Wiederaufstieg zur dynamischen Wirtschaftsmacht begann, verschärfte sich das soziale Klima. Mit diesem gesellschaftspolitischen Hintergrund verbindet Hollinghurst eine Schilderung der zunehmend selbstsicheren Londoner Schwulenszene, die mit einem Mal von der Aids-Epidemie erschüttert wird.

Hauptfigur des auch als Tragikomödie beschriebenen Romans ist der junge Akademiker Nick Guest. Er zieht in das Haus eines ehrgeizigen Staatssekretärs und seiner Familie. Zunächst genießt er die aufregenden Achtziger in vollen Zügen, beginnt Beziehungen mit einem schwarzen Arbeiter und einem Multimillionär. Doch am Ende kommt der tiefe Sturz. Die Geschichte spiegelt nach Hollinghursts Worten seine eigene negative Sicht der Thatcher-Jahre: „Ich habe lange gebraucht, ehe ich die richtige Art, darüber zu schreiben, gefunden habe.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP/dpa
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