Es ist die bewusste Entscheidung für einen Außenseiter unter den Historikern: Der Ludwig-Börne-Preis 2012 geht an Götz Aly. Der Vierundsechzigjährige erinnere mit seinem „freien und glänzenden Stil, seinem Kampf gegen nationale Legenden und Vorurteile sowie seinem Plädoyer für Freiheit von Bevormundung“ an den Namensgeber, hieß es in der Begründung des diesjährigen Preisrichters Jens Jessen. Mit besonderer Unerschrockenheit habe Aly auf die wirtschaftlichen und finanziellen Motive der deutschen Antisemiten aufmerksam gemacht.
Man kann es auch anders formulieren: Aly hat den „historischen Materialismus“ seiner Frühzeit so verwandelt, dass ihm heute nicht mehr der Kapitalismus, sondern der Sozialneid als Grund des nationalsozialistischen Antisemitismus erscheint. Der in Heidelberg Geborene wurde in Berlin promoviert und habilitierte sich auch dort. Sein jüngstes Buch über die Genese der deutschen Judenfeindschaft „Warum die Deutschen? Warum die Juden? - Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800 bis 1933“ wurde in der akademischen Geschichtswissenschaft zuweilen mit Skepsis aufgenommen. Von 2004 bis 2006 war Aly Gastprofessor am Fritz Bauer Institut in Frankfurt. Der Börne-Preis in Höhe von 20.000 Euro wird ihm am 3. Juni in der Paulskirche verliehen. Vergangenes Jahr war der jetzige Kandidat für das Bundespräsidentenamt, Joachim Gauck, ausgezeichnet worden.