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Bode-Museum in Berlin : Ein unaufdringlicher Triumph

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Das neue Bode-Museum in der Mitte Berlins ist glanzvoll wiedereröffnet. Neil MacGregor, seit 2002 Direktor des British Museum, stellt nach einem Rundgang fest: In Berlin ist Großes gelungen. Und doch bleiben Wünsche offen.

          Das neue Bode-Museum in der Mitte Berlins ist glanzvoll wiedereröffnet. Heute und morgen hat das Publikum erstmals Gelegenheit, das unvergleichliche Schatzhaus der europäischen Skulptur zu bestaunen. Neil MacGregor, viele Jahre Leiter der National Gallery in London und seit 2002 Direktor des British Museum, gilt als einer der intimsten Kenner der Berliner Sammlungen. Nach einem Rundgang durch die lichten Säle steht für ihn fest: In Berlin ist Großes gelungen. Gleichwohl wünscht er sich für die Zukunft eine stärkere Verzahnung mit den Schätzen des Kunstgewerbemuseums und der Gemäldegalerie. Dann, so MacGregor, würde ein Weltwunder entstehen:

          Die Berliner Museumsinsel dürfte der bedeutendste Museumskomplex auf der Welt sein. Mit ihren fünf Häusern erinnert sie an eine der anspruchsvollsten intellektuellen Leistungen Europas, die Idee einer weltumfassenden Kulturgeschichte. Es war ein Ideal, das im Laufe von hundertdreißig Jahren verwirklicht und binnen vier Jahren ruiniert wurde. Seine Erneuerung ist von grundlegender Bedeutung für das Bild, das wir heutzutage von uns haben, und sie wird nicht nur in Berlin mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Die jüngste Phase dieses Prozesses ist die Wiedereröffnung des Bode-Museums an der nördlichen Spitze der Museumsinsel.

          Wie in einem für den Besucher gebauten Schloß

          Nähert man sich dem majestätischen Eingangsportal, scheint sich das imposante Bauwerk zur Begrüßung zu erheben. Für Rollstuhlfahrer trifft das sogar buchstäblich zu: Ein Teil des Trottoirs kann, Wunder der Technik, so angehoben werden, daß die Stufen verschwinden und man das Gebäude auf Erdgeschoßhöhe betritt - einer der eindrucksvollsten behindertengerechten Zugänge, die ich je gesehen habe. Die Erhabenheit bleibt erhalten, aber sie öffnet sich jedem.

          Dies ist symbolisch für die eigentliche Bedeutung der Wiedereröffnung dieses hundert Jahre alten Gebäudes. Ein Monument selbstbewußter wilhelminischer Rhetorik wurde mit so viel historischer Treue renoviert, daß man jedes Detail als authentisch wahrnimmt, mit so viel Raffinesse, daß die heutzutage vorgeschriebenen Sicherheitseinrichtungen nahezu unsichtbar sind, und mit so viel Sensibilität, Sympathie und Überzeugung, daß dieses mit preußisch-militärischen Idealen durchsetzte barocke Vokabular den Besucher nicht einschüchtert, sondern ihn im Gegenteil willkommen heißt und heiter stimmt. In diesem Haus sind große Dinge erkennbar lebendig. Der Besucher fühlt sich in ein für ihn gebautes Schloß versetzt.

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