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Dylans Terminprobleme : 33 Kinder?

Sind das jetzt alles seine Kinder? Einer, so viel ist bekannt, ist Bob Dylans Sohn bei der Bar Mitzwah im Jahr 1983. Bild: Picture-Alliance

Warum Bob Dylan nicht zum Nobelpreis erscheint? Die Erklärung, von einem Landsmann des Sängers beim Whisky gehört, ist ganz einfach. Und sie weist weit über den Einzelfall hinaus.

          Der amerikanische Schriftsteller hatte schon beim Abendessen damit begonnen, doppelte Whiskys zu bestellen. Später, in der Bar, kam dann das Gespräch auf Bob Dylan und dessen Absage für die Nobelpreiszeremonie in Stockholm. Ob Dylan womöglich schwer krank sei, wie manche vermuten? Der Schriftsteller hingegen schien kein bisschen verwundert. Dylan habe eben einfach einen Gig an jenem Abend, der weitaus besser bezahlt werde, er brauche die 830.000 Euro von der Schwedischen Akademie nicht.

          Und dann sagte der Schriftsteller noch ganz beiläufig, Dylan müsse schließlich auch seine 33 Kinder ernähren. Uns stockte der Whisky im Hals: 33? Ja, das sei doch bekannt, ein Kollege habe das mal recherchiert und in einem Magazin berichtet, außerdem gebe es doch Fotos, die Dylan bereits in den sechziger Jahren mit mehreren Kindern zeigten. Der Schriftsteller holte sein Smartphone heraus und präsentierte bald ein solches Bild. Es sah sehr echt aus und schien evident, dass dieser Mann, wenn er so weitergemacht hat, inzwischen noch viel mehr Kinder haben müsse. Damit, so der Schriftsteller, könne man sich erklären, warum Dylan nicht mit dem Musikmachen aufhören könne und obendrein noch Werbung für Autos und Unterwäsche mache.

          Künstlerischer Ausverkauf für die Alimente

          Am nächsten Morgen beschäftigte der Fall uns noch immer: 33 – zweifellos eine mystische Zahl. Wir dachten auch an Dschingis Khan („Er zeugte sieben Kinder in einer Nacht“). Und gab es in Dylans eigenen Liedern nicht auch Hinweise? „He had twenty-seven children, yet he never had a wife“, hatte er doch einmal über „Rambling, Gambling Willie“ gesungen – in Bewunderung?

          Die Magazinrecherche war dann seltsamerweise gar nicht zu finden. Das besagte Foto auch nicht, nur ein dem aus der Nacht erinnerten sehr ähnliches. Es zeigt Dylan mit Kindern in Liverpool, die aber, so wird zumindest behauptet, nicht seine sind. Laut anderen Quellen hat Bob Dylan sechs Kinder. Also alles nur hübsch erfunden? Der amerikanische Schriftsteller war über alle Berge, wir konnten ihn nicht mehr fragen.

          Dafür kommt nun die Nachricht, Dylan lasse sich in Stockholm von Patti Smith vertreten und werde doch eine Rede vorbereiten. Ob er darin vielleicht seine Familienverhältnisse offenlegt? Das Erklärmodell „Künstlerischer Ausverkauf zwecks Finanzierung von Alimenten“ hätte jedenfalls einiges für sich, je mehr man darüber nachdenkt: daher womöglich auch Dylans Weihnachtsalbum und seine missratenen Sinatra-Platten! Und, wo man schon bei der Unterstellung ist: Warum eigentlich jetzt die Bluesplatte der Rolling Stones, und warum bringt Neil Young, der doch dieses Jahr bereits ein Album veröffentlicht hat, demnächst schon wieder eines heraus?

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

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