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Blinde Solidarität Frankreichs Journalisten stützen eine Fälschung

10.06.2008 ·  Zunächst wurde das Urteil in Frankreich praktisch totgeschwiegen und nur in der internationalen Presse kommentiert. Inzwischen wird es von den französischen Journalisten offen bekämpft: In Paris zirkuliert eine Petition "Für Charles Enderlin".

Von Jürg Altwegg, Genf
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Zunächst wurde das Urteil in Frankreich praktisch totgeschwiegen und nur in der internationalen Presse kommentiert. Inzwischen wird es von den französischen Journalisten offen bekämpft: In Paris zirkuliert eine Petition „Für Charles Enderlin“. Der Korrespondent von „France2“ in Jerusalem hatte von der „Erschießung“ des Palästinenserjungen Mohammed al-Dura durch die israelische Armee im Jahr 2000 berichtet. Der Bericht ging um die Welt und erschütterte die Öffentlichkeit. Er war einer der Auslöser der zweiten Intifada. Eine Fälschung, eine Manipulation, eine Inszenierung, behauptet der Medienkritiker Philippe Karsenty. Enderlin und sein Sender verloren jetzt den Ehrverletzungsprozess, den sie gegen Karsenty angestrengt hatten.

Nach Stand der Dinge handelt es sich in der Tat um einen der übelsten „Fakes“ der jüngeren Mediengeschichte. Welche Rolle Enderlin spielte, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass er sich jahrelang mit Händen und Füßen und Beschimpfungen aller Kritiker einer möglichen Aufklärung widersetzte. Tatsache ist auch, dass keine der großen französischen Zeitungen oder Magazine den Fall seriös untersuchte - wie es die deutsche Journalistin Esther Schapira tat. Die französische Presse schwieg.

Doch dank der Petition bekommt der Fall nun paradoxerweise Publizität. Ein paar Rundfunkleute, vor allem aber Edelfedern und Reporter eher linker Medien haben den Aufruf unterschrieben. Angesehene Persönlichkeiten schließen sich ihm an: der frühere Außenminister Hubert Védrine, Régis Debray, der eine medienkritische Zeitschrift herausgibt, der Historiker Jacques Le Goff. Sie sehen das Urteil als „Erlaubnis, Journalisten zu beschimpfen“: „Es überrascht und beunruhigt uns.“ Doch ein Skandal ist nicht das Urteil, sondern dieser Aufruf der blinden Solidarität: „Voller Hass“, steht darin geschrieben, würden Enderlins „Verleumder“ behaupten, die Szene von der Erschießung des zwölfjährigen Knaben sei eine „Inszenierung“. Was sie nach Einschätzung aller, die sich intensiver mit dem Vorfall befasst haben, zweifellos war.

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Jahrgang 1951, Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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