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Veröffentlicht: 14.05.2016, 12:08 Uhr

Bitte einsenden Der Michael-Althen-Preis für Kritik 2016

Zur Erinnerung an Michael Althen, Redakteur und Filmkritiker von 2001 bis 2011, hat die F.A.Z. einen Preis ausgeschrieben. Zum fünften Mal soll eine Form der Kritik gewürdigt werden, in welcher analytische Schärfe und Emotion einander bedingen und ergänzen.

von
© Frank Röth Michael Althen (1962-2011)

Am 12. Mai 2011 ist Michael Althen gestorben, und seitdem fehlt er uns, seinen Lesern, die, wenn sie sich in seine Texte vertieften, immer wieder vor dieser einen Frage standen: Woher weiß er so viel über mich? Woran liegt es also, dass er über Empfindungen schreibt, von denen ich dachte, ich wäre mit ihnen allein?

Claudius Seidl Folgen:

Und zugleich fehlt Michael Althen all denen, über deren Werke und Auftritte er schrieb, den Schauspielern, den Autoren, den Regisseuren und Künstlern. Kein Kritiker wurde von denen, die er kritisierte, so genau gelesen und so aufrichtig verehrt und manchmal geliebt wie er - und wie das eine mit dem anderen zusammenhängt, das ist ja der Zauber, das Geheimnis, das Wunder dieser Texte.

Man kann versuchen, den Zauber schlicht zu beschreiben: Michael Althen hat nicht vergessen, wer er im Leben war und was er von diesem Leben wollte, wenn er über Werke der Kunst schrieb. Die Texte waren lebensnah, ihr Autor hatte ein Herz. Man kann es auch ein bisschen komplizierter ausdrücken: Diese Texte schauten sich selbst beim Schauen, Lesen, Schreiben zu; sie reflektierten die Bedingungen des Mitfühlens und des Nachdenkens so anschaulich, dass man sofort bereit war, diesem Kritiker und seinen Urteilen zu vertrauen.

Und dafür haben ihn die Schöpfer so verehrt: weil dieser Kritiker genau der Zuschauer (oder Leser) war, den man sich wünscht als Künstler.

Der Michael-Althen-Preis: Die Bedingungen

Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Bewerben kann sich im Prinzip jeder, der zwischen dem 15. August 2015 und dem 10. August 2016 eine Kritik veröffentlicht hat (oder der eine Kritik, die in diesem Zeitraum erschienen ist, für preiswürdig hält und einreichen möchte) – wobei wir um Verständnis dafür bitten, dass uns die Begutachtung deutschsprachiger Texte leichter fällt.

Die Preisverleihung findet Mitte Oktober statt.

Bewerbungen können auch online eingereicht werden unter: michael-althen-preis@faz.de

Im Oktober 2012 wurde zum ersten Mal der Michael-Althen-Preis für Kritik vergeben. Preisträgerin war die Autorin Sarah Khan – mit einem Text über die Fernsehserie „Dr. House“. Im Oktober 2013 gewann Willi Winkler mit einem Text aus der „Süddeutschen Zeitung“ über Karlheinz Deschner, den inzwischen verstorbenen Schriftsteller und Autor der „Kriminalgeschichte des Christentums.“ 2014 gewann Hans Hütt mit einem Versuch über die „Angst vor der Gleichheit“, einem Blogeintrag. Und im Oktober 2015 ging der Preis an Rupprecht Podszun für seinen Text „Bitte nix mixen!“, den Bericht vom Urheberrechtsprozess um Frank Castirfs Münchner „Baal“-Inszenierung.

Auch in diesem Jahr schreibt die F.A.Z. wieder den Michael-Althen-Preis für Kritik aus. Es geht nicht bloß um Filmkritik. Es geht aber um Kritik, die nicht unbedingt recht haben will, um Kritik, die sich die eigenen Gefühle nicht mit wasserdichten Begriffen vom Hals hält, um Kritik, die vom Bewusstsein lebt, dass analytische Schärfe und Wahrhaftigkeit der Emotion einander nicht ausschließen.

Wir hoffen, dass der Preis beides leisten kann: an den ungeheuren Verlust zu erinnern - und zugleich zu versuchen, diesen Verlust zu lindern. Und weil sich große Jurys nur auf kleine Nenner einigen, wird die Jury klein bleiben und besetzt sein mit Menschen, über welche sonst Kritiken geschrieben werden: Autoren, Schauspielern, Regisseuren. Und so setzt sich die Jury zusammen:

Claudia Michelsen © Felix Seuffert Vergrößern Claudia Michelsen

Claudia Michelsen

Die Schauspielerin Claudia Michelsen (*1969 in Dresden, lebt in Berlin) begann ihre Karriere mit fünfzehn Jahren an der Berliner „Ernst Busch“ Schauspielschule, spielte mit Neunzehn an der Volksbühne und später Hauptrollen in Jean-Luc Godards „Deutschland Neu(n) Null“ oder in „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“. Sie gewann bereits zwei Grimme-Preise, den ersten 2013 für ihre Rolle in „Der Turm“, den zweiten im Jahr darauf für ihre Leistung im Fernsehspiel „Grenzgang“. Diesen Frühling spielte sie eine der Hauptrollen im allseits hochgelobten  Dreiteiler „Ku’damm 56“.

Regisseur Graf feiert 60. Geburtstag © dpa Vergrößern Dominik Graf

Dominik Graf

Der Regisseur Dominik Graf (*1952 in München) dreht Kino- und Fernseh-Filme, insbesondere Krimis. In seiner vielgelobten zehnteiligen Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ beschäftigte er sich intensiv mit dem Mafiamilieu. Er gewann zehn Mal und damit so oft wie noch kein anderer den Grimme-Preis, zuletzt 2012 für „Dreileben“. Für die Filmessays „München – Geheimnisse einer Stadt“ und „Das Wispern im Berg der Dinge“ arbeitete Graf mit Michael Althen zusammen. Sein Schiller-Film „Die geliebten Schwestern“ schaffte es 2013 in den Wettbewerb der Berlinale. Grafs filmische Hommage an Michael Althen „Was heißt hier Ende?“ ist für den Deutschen Filmpreis 2016 nominiert.

Daniel Kehlmann © Helmut Fricke Vergrößern Daniel Kehlmann

Daniel Kehlmann

Daniel Kehlmann (*1975 in München, lebt in Wien und Berlin) hatte mit der „Vermessung der Welt“ den größten internationalen Bucherfolg eines jungen deutschen Autors seit langer Zeit, indem er die abenteuerlichen Weltreisen von Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß halbfiktional erzählte. Der Sohn des Filmemachers Michael Kehlmann studierte Philosophie, verehrt die großen Erzähler wie Updike und bewegt sich in seinen Roman immer knapp an der Grenze zum Traumhaften. 2013 kam sein Roman „F“ heraus. Unter dem Titel „Kommt Geister“ hielt er 2014 die Frankfurter Poetik-Vorlesungen, die auch als Buch erschienen sind. Zuletzt übersetzte „Die sieben guten Jahre – Mein Leben als Vater und Sohn“, die Memoiren des israelischen Autors Etgar Keret, aus dem Englischen und schrieb das Stück „Heilig Abend“ für das Theater in der Joefstadt. Es hat im Februar 2017 Premiere.

Cloud Atlas - Die drei Regisseure Lana (ehemals Laurence/Larry) und Andrew (Andy) Wachowski und Tom Tykwer, sowie der Buchautor David Mitchell beantworten die Fragen von Verena Lueken und Dietmar Dath zu dem Film Cloud Atlas im Concorde Hotel in Berlin. © Jens Gyarmaty Vergrößern Tom Tykwer

Tom Tykwer

Tom Tykwer (*1965 in Wuppertal) ist Regisseur von „Das Parfum“, „Lola rennt“, „Der Krieger und die Kaiserin“ und dem Agentenfilm „The International“. Er produzierte unter anderem „Absolute Giganten“ und initiierte das Kollektiv-Filmprojekt „Deutschland 09“, an dem große Teile der deutschen Regie-Elite beteiligt waren. Tykwer ist außerdem Musiker und hat mittlerweile alle seine Filme musikalisch vertont. Außerdem ist er als Regisseur und Komponist an der Netflix-Serie „Sense8“ beteiligt. Die erste Staffel  lief im vergangenen Jahr, die zweite wird diesen Winter zu sehen sein. Zur Zeit arbeitet Tykwer an „Babylon Berlin“, einer Serienadaption der historischen Kriminalromane von Volker Kutscher. Tykwers „Ein Hologramm für den König“, die Verfilmung des Romans von Dave Eggers, kam im April in die deutschen Kinos.

Glosse

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