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Billigleiharbeit bei Amazon Dem Servicedenken ausgeliefert

Die Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ zeigt, wie das größte Versandhaus der Welt Leiharbeiter ausbeutet und schikaniert. Der Film wird wohl folgenlos bleiben.

Das Bedrückende an der Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“, die das Erste am Mittwochabend zeigte, ist nicht nur der Film selbst, sondern auch die Tatsache, dass er sehr wahrscheinlich folgenlos bleiben wird. Es scheint kaum möglich, dem größten Versandhaus der Welt beizukommen, das zwar, wie gezeigt wurde, rechtlose Leih- oder Wanderarbeiter vorzugsweise aus dem Südosten Europas beschäftigt, schlecht unterbringt, drangsaliert und, obendrein von einer unter dem Verdacht rechtsextremistischer Unterwanderung stehenden Sicherheitsfirma, bis in die Privatsphäre hinein überwacht; aber das alles scheint auf eine gespenstische Weise nebensächlich.

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Denn Amazon ist, wie Google, McDonald’s oder Coca-Cola, die Verkörperung eines amerikanischen Universalismus, der sich bisher als unverwundbar erwiesen hat, auch wenn er noch so viele Kollateralschäden verursacht. Deswegen ist ein Boykott, der dieser Firma weh tun würde, auch nicht zu erwarten; dazu arbeitet sie viel zu effizient und ist ihr Wirkungskreis viel zu groß. Dazu ist auch die Nachfrage nach diesen Dienstleistungen viel zu stark und die Fähigkeit, auf das, was man haben will, auch einmal warten zu können, schon viel zu schwach geworden.

Das alles war gewollt unter dem Stichwort der Globalisierung

Die Kundschaft mag sich am Ende sogar denken, dass der unbezweifelbare „Service“, den solche Firmen ja bieten, eine Anstrengung erfordert, die mit konkreten menschlichen Belangen nichts mehr zu tun hat, sondern sich gleichsam im luftleeren Raum des Digitalen verliert. Die Leistungsfähigkeit der Informationstechnologie wird uns jeden Tag dermaßen penetrant vor Augen gehalten, dass wir schon denken, Amazon nehme unsere Bestellungen ganz ohne Personal auf und beame uns die Ware dann einfach herüber.

Dass mittlerweile zu jeder Tages- und Nachtzeit mit kaum mehr steigerbarer Schnelligkeit ausgeliefert wird, mögen Wirtschaftsliberale als Errungenschaft feiern. Die Politik wird, sollte sie gegen die geschilderten Auswüchse vorgehen, um das Eingeständnis nicht herumkommen, dass das alles unter dem Stichwort der angeblich unausweichlichen und unumkehrbaren Globalisierung auch so gewollt war - bis hin zur Möglichkeit, durch „Kooperationen“ immer mehr Verantwortung auslagern zu können, und den immer so eifrig gemeldeten, kaum einmal hinterfragten Gewinnzahlen vieler ähnlich dubios arbeitender Unternehmen. Der Film, der Amazon zu einer Stellungnahme veranlasste, für die sich niemand etwas kaufen kann, war dagegen eine politische Nachricht, weil er fragte: Wer zahlt am Ende die Rechnung? Der Kunde ist es nicht, der Spruch „Geiz ist geil“ hilft hier nicht weiter. Zahlen tut der Leiharbeiter.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 14.02.2013, 16:50 Uhr

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Von Andreas Rossmann

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