21.02.2013 · Im Nachlass eines Wagner-Enkels ist das Bayreuther Tagebuch Alfred Pringsheims aufgetaucht. Der Schwiegervater von Thomas Mann war 1876 bei Proben zur „Ring“-Uraufführung dabei. Wir drucken erstmals Auszüge.
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Ein schöner Fund im Jubiläumsjahr!
Besonders reizvoll macht diese Aufzeichnungen, daß sie von einem
jungen Mann stammen, der seine Beobachtungen lebhaft und amüsant zu
schildern weiß und der überdies seinen wachen, kritischen
Geist nicht seiner Wagner-Begeisterung geopfert hat. Da Pringsheim
selbst hochmusikalisch war und ausgezeichnet Klavier spielte, liest man
seine Notizen mit doppeltem Interesse.
Was für ein grossartiges Dokument
Und köstlich, wie der damalige Sprechstil des preussischen
Off'zierskorps von der höheren Gesellschaft übernommen wurde.
Ungeheuer erheiternd, colossale Wirkung, mir gefallen...!
Dazu Wagners Genie, Spiessigkeit in hohe Kunst zu transponieren.
"Schon die Decoration gefällt mir nicht recht - weder der
blumige Vordergrund, noch die Burg Walhall im Hintergrund, welcher eher
wie ein Juden Kirchhof oder ein indisches Grabmal oder eine
Anhäufung vorgeschichtlicher Normal-Uhren aussieht."
Diese mangelnde Präzision und Schwatzhaftigkeit in der Sprache, wo
doch nur Unklarheit des Empfindens zum Ausdruck gebracht werden soll,
ist erschreckend. Lesen Sie die Stenografischen Berichte des
Preussischen Landtags aus den 1860er Jahren, beispielsweise, wenn Sie
gutes Deutsch lesen wollen, das obendrein noch genauso gesprochen wurde.
An u.a. diesem Standard gemessen, ist das Tagebuch sprachlich offenbar
eher Durchschnitt, was dem heutigen Leser in den meisten Faellen jedoch
nicht auffallen duerfte. Ich hoffe man wird zur Prüfung das
Original - mindestens in Auszügen - auch abdrucken und nicht nur
die redigierte Fassung. Vielleicht erfährt man so, warum dies
Tagebuch so lange im Staub zu liegen hatte.
Es gibt so selten Neu-Erscheinungen die des Lesen Wert erscheinen....
Eleonore Büning Jahrgang 1952, Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin
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