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Peter Zadek in Bochum : „Sie mochten mich und sie riskierten etwas“

Peter Zadek auf der Bühne in Bochum Bild: Presse- und Informationsamt der Stadt Bochum

An der Ruhr wurde die Theaterlegende zum Intendanten und Volksregisseur, bis es ihn wieder zur reinen Kunst zog. Gedanken anlässlich einer Ausstellung über Peter Zadek in Bochum: „Zwischen Abenteuer und Provokation“.

          Ich bin nicht dabei gewesen, als Peter Zadek von 1972 bis 1977 Intendant am Schauspielhaus Bochum war. Ich bin kein Zeitzeuge. Warum habe ich dennoch die Rede zur Eröffnung dieser Ausstellung übernommen? Die Antwort ist so vermessen wie einfach: Weil ich wissen wollte, was – aus seiner Autobiographie wie auch aus Theaterkritiken, Dokumenten, Zeitzeugenaussagen – über Zadeks Zeit in Bochum herauszubekommen ist. Weil ich wissen wollte, was ich verpasst habe. Theater ist eine flüchtige Kunst, seine Aufführungen können, auch wenn sie vom Fernsehen archiviert werden, nicht festgehalten oder rekonstruiert werden. Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze und dem Regisseur für gewöhnlich auch nicht.

          Wie kam es dazu, dass Zadek in Bochum Intendant wurde? Es war, auch wenn man das von heute aus erwarten würde, nicht so, dass die Städte sich um ihn gerissen hätten. Er hatte zwar bereits einen großen Namen als Regisseur, war aber noch nie Intendant gewesen. Bis 1967 war er am Theater in Bremen, bei Kurt Hübner als Schauspieldirektor engagiert gewesen, seitdem war er als freier Regisseur unterwegs, inszenierte in Wuppertal, Stuttgart, München und drehte fünf Filme: „Zigeunerjahre zwischen Bremen und Bochum“ nennt er diese Zwischenzeit in „Die heißen Jahre“, dem zweiten und mittleren, von 1970 bis 1980 reichenden Band seiner Autobiographie. Auf Dauer fand er das nicht sehr befriedigend, denn er wollte wieder mit einem festen Ensemble arbeiten. Und er traute sich zu, Intendant zu werden, wiewohl er um die Schwierigkeiten wusste, vor allem um die Zerreißprobe, die ihn erwartete, die Doppelrolle als Regisseur und Intendant, der für seine eigenen wie auch für alle anderen Inszenierungen verantwortlich ist.

          Ein Paukenschlag gleich zu Beginn: Fassadenwerbung zu Zadeks „Kleiner Mann, was nun?“

          Als er hörte, dass Ulrich Brecht 1972 von Kassel nach Düsseldorf wechseln würde, rief er ihn an, fragte ihn, ob er ihn nicht empfehlen könne, der tat das, Zadek wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen, fuhr mit seinem Freund Gottfried Greiffenhagen, einem theaterkundigen Juristen, der später in Bochum seine rechte Hand war, hin, wurde gefragt, was er von Mitbestimmung im Theater halte, und antwortete: „gar nichts“. Woraufhin er in Kassel nicht zum Zug kam, nach München zurückfuhr - und frustriert war.
          Aber nicht sehr lange, denn kurz darauf klingelte das Telefon, „wo sich ein Kulturreferent aus Bochum meldete. ‚Wir würden Sie doch gerne mal kennenlernen, Herr Zadek‘, sagte Richard Erny mit Ruhrpott-Tonfall am Telefon, ‚würde Sie Bochum interessieren?‘ ‚Das würde mich schon interessieren‘, sagte ich und dachte, Bochum, was ist denn das nun, Kassel kannte ich wegen der Documenta, aber Bochum? Bochum wurde für Zadek zum besseren Kassel. Erny hatte eine (…) etwas spießige, aber große Direktheit, eine Art Managerhaltung zum Theater mit großer Klarheit und einer großen Liebe für die einfachen Dinge. Er suchte nicht „Stil“, sondern aufregendes, direktes Theater für das Publikum. So ging es sehr schnell, ich wurde nach Bochum eingeladen, um mit dem Aufsichtsrat des Theaters und dem Kulturausschuss zu sprechen.“

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