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Veröffentlicht: 15.02.2013, 16:38 Uhr

Olympischer Ring-Kampf Gegenwind für die Flattermännlein

Seit der Antike ist das Ringen olympische Disziplin. Jetzt soll es aus dem Rennen genommen werden. Was aber ist mit Keirin oder den unzähligen Wassersportarten? Fünf Vorschläge zur Ungüte.

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© AP Schön ist es nicht, aber wenigstens hat es Tradition und der Körper verschwindet nicht im Wasser: das Ringen

Ringen soll nicht mehr olympisch sein. Die Gründe, die dafür angegeben werden, sind unterschiedlich: mangelnde Dopingkontrollen, geringe Zuschauerresonanz. Beides allein aber kann es nicht sein, denn wie es dopingmäßig beim Gewichtheben, Radfahren oder Kugelstoßen zugeht, wollen wir genau so wenig wissen, wie wir die weltweite Resonanz des Kleinkaliberschießens oder des Curling ermitteln möchten.

Jürgen Kaube Folgen:

Irgendwann wird man darum auch über den Ausschluss des Ringens sagen, dass man ihn nur historisch erklären kann. Das ist besonders merkwürdig bei einem Sport, der schon die antiken olympischen Spiele prägte. Das ist aber vor allem merkwürdig, wenn man bedenkt, wie viele Disziplinen olympisch sind, über die man sich eigentlich nur wundern kann. Gibt es denn überhaupt Kriterien? Oder sind das alles nur Fragen des Lobbyismus‘ und also der Netzfreundschaften unter Sportfunktionären, Medienunternehmen und Sportartikelherstellern?

Was wir noch viel entbehrlicher als Ringen finden: Ein zugegebenermaßen ganz subjektiver Vorschlag zur Ungüte.

Australia Cycling Track Worlds Nur die Japaner hören bei dieser Sportart wirklich den Schuss: Keirin heißt sie und man erkennt sie am Motorrad, das aber schon weggebraust ist. © dapd Bilderstrecke 

Keirin

Den Namen der Sportart versteht man nur in Japan. Dort wurde sie zu Wettzwecken erfunden. Schon mal ein erster Grund, misstrauisch zu sein. Als die Sportart olympisch verankert wurde, sollen übrigens, meldete 2008 die BBC, Zuwendungen zwischen den Japanern und dem Weltradsportverband geflossen sein.Fragwürdiger aber noch ist, dass es sich um Gruppenradfahren hinter einem langsam beschleunigenden Motorrad mit anschließendem Sprint aus dessen Windschatten heraus handelt. Geht’s denn noch willkürlicher? Warum ein Motorrad und nicht ein Traktor, ein anderes Fahrrad, ein Auto? Was suchen überhaupt Motoren im olympischen Sport?

Beachvolleyball

Jetzt wird es aber einen Aufschrei geben. Ausgerechnet diese attraktive Neuerung soll uns wieder ausgeredet werden? Doch der Aufschrei ist ganz unsererseits, wir sagen nur: illegitime Beobachterperspektiven. Wenn auf Twitter sich Hockeyspielerinnen darüber beschweren, dass ihnen die Männer beim Sport immer auf den Körper schauen - anstatt auf die Anzeigetafel -, dann sollte es für Beachvolleyball unter Sexismusaspekten eng werden. Die im Jahr 2000 vom Weltverband beschlossene Bikini-Pflicht für Spielerinnen beim Weltcup zwecks besserer Vermarktungsfähigkeit belegt, dass es auch Zuschauer-Doping gibt: Einsatz unerlaubter, nämlich unsportlicher Mittel zur Steigerung des Vergnügens.

50 Meter Freistil

Schwimmen an sich ist schon nicht besonders informativ. Meistens sieht man gar nichts, die einen sind etwas schneller als die anderen, aber weshalb, erschließt sich aus dem wahrnehmbaren Geschehen kaum. Vollends sinnlos aber wird das Zuschauen, wenn die Kürze der Strecke und die entsprechend dynamischen Bewegungen das Becken in einen Whirlpool verwandeln, aus dem nur noch Gespritze aufsteigt, das einer mit zwei Hundertstel Vorsprung als Sieger verlässt.

Rudern: Leichtgewicht-Vierer ohne Steuermann

Uns Deutschen kommt die Artenvielfalt auf den Regattastrecke ja sehr zugute, was den Medaillenspiegel angeht. Beim Rudern, den Kanus und Kanadiern wird eine wunderliche Wettbewerbsvermehrung gepflegt, die beim Fußball darauf hinauslaufen würde, auch noch Spiele mit drei Mannschaften, mit Mannschaften aus sechs Spielern ohne Torwart oder auf dem Kleinfeld mit doppelt so großen Toren einzuführen. Oder wie fände man es, wenn der 100-Meter-Lauf in der Leichtathletik auch noch nach Körpergrößen und Gewichtsklassen differenziert würde? Gewiss, die Disziplinenbildung im Sport erfolgt immer ein wenig willkürlich. Warum es gerade 3000 m sind, über die Hindernisse aufgestellt werden, und nicht 5000 oder 1500 m, dafür wird es genau so wenige gute Gründe geben wie für die Anlauflänge beim Weitsprung oder das Fehlen von „Mixed“-Teams beim Volleyball. Aber ein Leichtgewichtsvierer ohne Steuermann - das geht für unseren Geschmack echt zu weit.

Skispringen

Skispringen steht bei uns ganz oben auf der Liste entbehrlicher Disziplinen. Warum? Skispringen ist so etwas wie eine Kreuzung aus Weitsprung und Eiskunstlauf, plus Mut und Fluggerät, aber minus Archaik und Schönheit. Wie sollten denn auch die Flattermännlein in ihren Pellen mit den Riesenskiern etwas Schönes hervorbringen? Trotzdem gibt es Haltungsnoten. Man stelle sich das beim Hochsprung vor! Freilich werden sie ganz willkürlich verliehen: Mal galten parallel geführte Ski als elegant, dann ein geflogenes „V“, mal der Ausfallschritt, dann wieder nicht. Einerseits soll es um Weite gehen, dann wieder doch nicht, weswegen für die weiten Weiten extra das „Skifliegen“ eingeführt wurde. Einerseits soll es gefährlich sein, aber ganz so gefährlich dann auch wieder nicht. Ändert sich der Wind, wird gern auch unterbrochen. Manche müssen dann noch mal springen, oder alle, oder man macht ganz Schluss. Es ist die Sportart der vielen Wenn und Abers. Gewiss, der Mensch träumt vom Fliegen, aber doch nicht so!

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Quelle: F.A.Z.

 

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