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Jonas Kaufmann im Gespräch : Statt zu glotzen, lese ich lieber Casanovas Memoiren

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Vergangenes Jahr hat sogar die „New York Review of Books“ Sie zu einem großen Interview gebeten, ein ganz und gar einmaliger Vorgang. Sind Sie unter den Kollegen seither als Intellektueller der Opernszene verrufen?

Nein, es gibt da noch welche, die verrufener sind und das Ganze sehr kontemplativ angehen. Ich sag’s mal so: Es ist nie verkehrt, gut informiert zu sein. Ich lese sehr gern, es ist kein Geheimnis, und warum auch nicht, man ist die ganze Zeit unterwegs und sitzt im Hotelzimmer und wartet auf die nächste Probe. Bevor ich mein Gehirn ab- und die Glotze anschalte, lese ich lieber, und zwar alles Mögliche durcheinander, von modernen Krimis bis zu historischen Abhandlungen. Ein Freund hat mich neulich gefragt: Hast du jemals die Memoiren Casanovas gelesen? Das ist total faszinierend! Der geht ja jeden Abend in die Oper! Erst mal habe ich einen gemischten Band, ein paar hundert Seiten querbeet gelesen, mittlerweile habe ich das gesamte Werk, das unendlich lang ist, in Angriff genommen. Wirklich faszinierend! Weil der ja alles aufschreibt, was nur gerade passiert!

Sonst noch einen Lektüretipp?

Es ist sicherlich der Interpretation nicht abträglich, wenn man Hintergrundwissen hat. Jeder, der „Carmen“ singt, sollte doch in Gottes Namen mal diese kleine, schmale Novelle von Mérimée gelesen haben. Man weiß plötzlich so viel mehr über die Geschichte. Das gehört einfach zum Grundwissen für jeden, der an dieser Oper beteiligt ist. Das bedeutet aber nicht, dass ich als José jetzt plötzlich intellektuell agieren muss. Alles, was ich auf der Bühne mache, ist in dem Moment spontan, aber - geleitet durch Wissen!

In New York sind Sie nicht nur ein gerngesehener und -gehörter Gast, sondern ein frenetisch gefeierter Star, und dass Sie auch eine gute Figur abgeben, hat sicher nicht geschadet. Hat eigentlich auch der Broadway schon mal angefragt?

Nee... irgendwie ist das an mir vorübergegangen. Mich würde aber wahnsinnig interessieren, einen Film zu drehen. Mal ganz ohne Singen! Nur wird da von heute auf morgen entschieden, und wir Opernsänger sind fünf Jahre im Voraus ausgebucht. Man müsste einfach einen Riesenteil seines Kalenders freilassen für den Fall, dass so ein Angebot kommt. Entweder es klappt mal spontan, oder es wird halt nix. Aber reizen würde es mich schon.

Das Gespräch führte Jordan Mejias.

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