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Im Gespräch: Heinz Sauer und Michael Wollny : „Archie Shepp hat was im Blut, was wir nicht haben“

  • -Aktualisiert am

Pianist Michael Wollny (links) und der Tenorsaxophonist Heinz Sauer Bild: Anna Meuer

Ihr Duo ist ein generationenübergreifendes Gemeinschaftsprojekt, das preiswürdige Sternstunden des Jazz geschaffen hat: Heinz Sauer und Michael Wollny über die Schwierigkeit, Jazz zu definieren, über Preise und Erfolg, zickige und magische Musik.

          Sie bekommen heute gemeinsam den Binding-Kulturpreis. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

          Sauer: Das finde ich sehr schön, und dennoch habe ich bei solchen Auszeichnungen immer auch ein gewisses Unbehagen. Es gibt so viele wunderbar spielende Saxophonisten, die sich möglicherweise fragen, warum der Sauer den Preis bekommt und nicht einer von ihnen.

          Wollny: Das Unbehagen hat gar nichts mit diesem Preis zu tun, sondern allgemein mit Preisverleihungen, bei denen sich immer auch Selbstzweifel einstellen. Wir beide haben das Buch von Thomas Bernhard „Meine Preise“ gelesen, das sich kritisch mit Auszeichnungen auseinandersetzt. Aber natürlich empfinden wir es als große Ehre, gerade diesen angesehenen und sehr hoch dotierten Preis zu bekommen.

          Jazzmusiker scheinen generell Probleme mit öffentlichen Auszeichnungen zu haben, gerade so, als machten sie sich auch dadurch verdächtig, Commercial Jazz zu spielen. Haben Jazzmusiker ein gebrochenes Verhältnis zum Erfolg?

          Sauer: Ja, unter Umständen. Der Jazz mutiert ja auch langsam zu einer gehobenen Unterhaltungsmusik. Nehmen wir Till Brönner mit seiner eigenen Show. Der schafft das ja ganz gut mit dem Erfolg. Ich habe zu einer Zeit angefangen, als Jazz eine vorwiegend von jungen Leuten praktizierte und gehörte Protestmusik war. Das hat sich natürlich verändert. Aber ich habe immer noch das Gefühl, wir gehören zu einer Sparte, die es gar nicht geben soll. Ist das falsch? Ich weiß es nicht. Aber wenn ich die Liste der bisherigen Preisträger anschaue, habe ich wieder das Gefühl, da stimmt etwas nicht.

          Weil Sie die ersten Jazzmusiker sind, die den Preis bekommen?

          Sauer: Ich glaube, so sieht es aus. Theaterleute haben ihn bekommen, das Ensemble Modern, Jazzmusiker aber nicht. Allerdings weiß ich nicht, ob wir typische Jazzmusiker sind. Ich habe ja mal gesagt, ich bin kein Musiker, ich bin Künstler.

          Den Preis hätte eigentlich auch ein Albert Mangelsdorff verdient gehabt.

          Sauer: Ja, genau diesen Namen würde ich auch nennen. Albert ist ja eigentlich dafür verantwortlich, dass ich der wurde, der ich heute bin. Albert hätte den Preis verdient.

          In diesem Zusammenhang taucht auch die Frage auf, ob der Jazz überhaupt öffentlich gefördert werden sollte.

          Sauer: Meiner Meinung nach sollte er nicht gefördert werden. Die jungen Musiker sollten sich selbst bemühen und sehen, ob sie mit Jazz durchkommen.

          Wollny: Das sind alles sehr ambivalente Themen. Wir reden über Jazz, aber was genau meinen wir damit? Auch Auszeichnung, Erfolg oder Förderung sind Begriffe, die je nach Perspektive negativ oder positiv besetzt sind. Es gibt heute fast in jeder deutschen Großstadt ein Ausbildungszentrum für Jazz mit vielen Absolventen auf hohem Niveau, die früher den Beruf des Musikers vielleicht gar nicht ergriffen hätten. Wahrscheinlich müsste man Strukturen schaffen, die diesen Künstlern dann auch ein Podium bieten.

          Als Heinz Sauer mit der Musik anfing, gab es an keiner einziger deutschen Musikhochschule die Möglichkeit, Jazz zu studieren. Dass es jetzt möglich ist, sollte doch eigentlich positiv gesehen werden.

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