03.03.2013 · Die nächste industrielle Revolution ist bereits im Gange: In zwanzig Jahren könnte jeder Haushalt eine computergesteuerte Fertigungsmaschine für Alltagsgegenstände besitzen. Die möglichen Folgen zeichnen sich schon jetzt ab.
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Realitätsprobleme eines Professors im Elfenbeinturm
Ein Plastik-Eßbesteck herstellen was es im 1-EUR-Kaufhaus gibt ? Eine AK-47 herstellen, die es für unter 40 Dollar auf dem Schwarzmarkt gibt ? Ein(e) ganztagsberufstätige(r) Alleinerziehende(r) hat also dann das Fertigungs- und Qualitäts-Know-How für Kunstoff, Holz, Metall, Siebdruck und das Maschinchen steht dann irgendwo in der Küche oder im Wohnzimmer ? Alleine das Putzen des Druckers nach jedem Materialwechsel düfte unglaublich Zeit in Anspruch nehmen.
Was aber ist das, "Zukunft"...?
Ginge es nach den "Zukunfts-Prognostikern" (Herman Kahn und
Konsorten), dann würde ich heute in einem Luft-Fahrzeug
herumfliegen, das keine Abgase produziert, weil es auf Magnetfeldern
bewegt wird.
Warum ist das nicht so...?
Wo sind die Prognosen denn geblieben...?
Um was geht es denn jetzt genau? Um den Modelldruck in Kunststoff? Um
CNC-Fräsmaschinen für jedermann? Oder um den Druck von Atomschichten?
Grobe Drucker im Makrobereich auf Kunstharz Basis werden wohl kaum
wirklich brauchbare Werkstücke fertigen können. Für
Fräsmaschinen sind immer noch erhebliche technische Fertigkeiten
(Entwurf, Zusammenbau) nötig und Drucker auf atomarer Ebene, die
tatsächlich Atomschicht über Atomschicht auftragen und dabei
verschiedenste Materialien verwenden können, dürften selbst in
Forschungslabors noch nicht realisierbar sein.
3D-Drucker stellen irgendwelche kleinen Figürchen oder Formen her. Der Geräte-Aufwand dafür ist noch überschaubar. Aber um etwa Möbel oder gar technisch aufwändigere Objekte mit komplexer Mechanik herzustellen, braucht man doch schon so eine Art Industrieroboter. Die gibt es ja heute schon. Die Sägen, Bohren, Fräsen, Hobel und Lackieren. Für diese Arbeiten ist eine bestimmte Größe einfach notwendig! Mag sein, dass die Bedienbarkeit und Nutzbarkeit über standardisierte Software und Interfaces sehr viel einfacher wird. Aber die Geräte als solche bleiben. Die stellt man sich nicht ins Wohn- oder Arbeitszimmer, vom selbst anzuliefernden Material mal ganz abgesehen. Und Lackieren bleibt Lackieren, und beim Hobeln fallen Späne ... Für Unternehmen mag das lohnen. Für den "Killer-Markt" Privathaushalte ist es untauglich. Im engen Japan z.B. mit seinen überteueren Wohnmieten, wo ein großer Teil der Leute in engen Schubladen wohnt, passen die Zukunftsdrucker noch nicht mal ins Wohnzimmer ...
Die Automatisierung stößt an ihre natürlichen Grenzen, wo ihr Einsatz und Betrieb kostspieliger wird als die einfache nichtautomatisierte Lösung. Der hat noch nie eine Maschine justiert. Bei den ganzen Roboter Promotion Youtubeclips sehen sie immer einen hochnervösen Techniker im Hintergrund stehen, der mit zittert, ob seine wochenlange Feinjustage die 5 Minuten Demo überlebt. Ich halte Leute, die derartig blauäugig daher reden für Industirelobbyisten oder vollkommen ahnungslos. Von wem wird sein Institut finanziert, vielleicht von 3D-Druckerherstellern?
Man darf auch nicht vergessen, dass Neil Gershenfeld Professor am MIT ist (übrigens nur mit einen Bachelor-Abschluss in Physik) und durch die regelmäßige Verkündung solcher Zukunftsvisionen seinen Job und seine Forschungsmittel neu legitimieren muss. Der ungeschlagene Meister in der Prophezeiung bahnbrechender Fortschritte, die dann doch nie kamen, war ja KI-Pionier Marvin Minsky.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 03.03.2013 20:51 UhrNicht ganz richtig
Neil Gershenfeld hat ein Ph.D. in Applied Physics von der Cornell Universitaet.
Theoretisch mag alles machbar sein ....
... aber in den meisten Fällen dürfte der Aufwand den Nutzen übersteigen. Die mit Millionen finanzierten Forscher der MIT-Denkfabrik können sich zwar theoretisch vorstellen, dass eine so kostspielige Maschine ein Streichholz oder einen Löffel produziert, doch wo läge der Nutzen? In der Praxis muss sich dieser Prozess also auf schwer zu fertigende Objekte beschränken. Dennoch bleibt es ein enormer technischer Durchbruch.
Ich vermute, dass sich durchaus eine solche Industrie etablieren könnte. Dass Normalverbraucher Zuhause massenhaft digitale Fertigung nutzen, wage ich zu bezweifeln. Die Masse führt ein Konsumentendasein, aus Desinteresse, Zeitmangel, fehlender Qualifikation. Technologie ändert das nicht.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 03.03.2013 14:09 UhrPrognosen sind schwierig...
...insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen.
...mit einem 3D-Drucker Gegenstände herstellen, bei denen die
Materialdicke schichtweise aufgebaut wird und das Material sich dann
wenigstens selbst trägt, also klebt. Alle anderen Gegenstände,
die auf Festigkeit des Werkstoffes angewiesen sind, die erst teilweise
durch komplizierte Werkstoffverfahren erreicht wird, wird der 3D-Drucker
nicht können.
Ein simples Beispiel, schmieden eines Metallwerkstoffes aus mehreren
Schichten, Veränderung des Gefüges usw..
theoretisch
wäre ein Drucker denkbar, der ein Werkstück Atomschicht
für Atomschicht aus beliebigen Materialien aufbaut. Die
Manipulation einzelner Atome ist ja bereits möglich.
Das ist allerdings noch sehr ferne Zukunftsmusik.
Die Revolution wird abgeblasen
Da hier das Posten von Links nicht möglich ist bitte mal googeln nach
"Die Revolution wird abgeblasen Handelsblatt"
Das Interview ist lebendiges Beispiel dafür, was passiert wenn in einer Gesellschaft dem technischen und naturwissenschaftlichen Wissen (neudeutsch: MINT) zu wenig Stellenwert beigemessen wird. Der Interviewer ist ganz offensichtlich kein Techniker. Ich als Dipl-Ingenieur war nicht in der Lage mir ein Bild davon zu machen, worum es in dem Interview überhaupt geht. Wie meine Vorposter schon angemerkt haben, erst geht es um 3D Druck im Schichtenverfahren, dann spricht der Interviewpartner plötzlich von einer Zerspannmaschine, welche er im Koffer mit sich herumträgt? Lost in Translation?
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 03.03.2013 20:54 UhrMan könnte auch sagen:
Wenn DAS Gehalt stimmt, ist DER Gehalt nebensächlich.
Sie müssen eben einen Bachelor/Master machen
wahlweise in Politikwissenschaften oder Selbstdarstellung. Die neue Zeit ist nichts mehr für den deutschen Dipl.Ing, der es immer ganz genau nimmt. Die Neuzeit ist unscharf, aber dafür stimmt das Gehalt.
Die Anwendungen eines solchen Heimdruckers werden doch arg begrenzt
sein. Man kann sich selber LEGO-Steinchen drucken, toll. Oder anderen
billigen Plastikkram. Sicher auch ein paar nützliche Dinge. Aber
eben alles aus dem einen Material, mit dem der Drucker umgehen kann.
Plastik wie aus dem China-Laden.
Und was für Probleme ein solcher Drucker im realen Betrieb erst
haben wird! Man wird sich den guten alten Papierstau zurückwünschen.
Spaß wird diese Druckerei auch nicht machen. Manche Menschen
basteln und werkeln ja gerne. Mit Holz und Metall statt mit
schnödem Plastik.
Waffen und Bomben am Heimdrucker zu erzeugen … das wird es in
absehbarer Zeit nicht geben.
Eine super Sache natürlich für die Präzisionsfertigung
daheim oder im Kleingewerbe. Da wird es bestimmt jede Menge Anwendungen geben.
Revolution? Glaube ich nicht.
Keine Vision
"Waffen und Bomben am Heimdrucker zu erzeugen … das wird es
in absehbarer Zeit nicht geben."
Da muss ich Sie enttäuschen - es ist bereits geschehen (Stichwort:
Defense Distributed)
Willkommen!
Willkommen in der Welt der Verrückten. Sie lieben den
Einheitswerkstoff, aus dem nun all ihre Gegenstände beschaffen sein werden.
Kein lebendiges, atmendes, arbeitendes Holz - und auch kein
glänzender Edelstahl mehr.
Den zeitlosen Tisch des Schreiners können meine Urenkel eines Tages
im Regen verrotten lassen. Er tut niemandem weh. Aber 3D-Kunststoff?
Die Luxus-Ausführungen der 3D-Drucker werden uns mit
künstlichen Geruchsstoffen beglücken – wie Holz wirklich
riecht, werden wir vergessen.
Nein. Diese Entwicklung wirft keine "ontologische Fragen" auf
(Neil Gershenfeld). In dieser Entwicklung stecken nur finale Antworten:
Es gibt offenbar Menschen, die wollen noch ein weiteres Stück
entfremdet, verindustrialisiert, vermarktet, verdigitalisiert und
kunststoffverwurstet werden.
In weiteren 20 Jahren werden sich die gleichen Leute dann mit ihrer
Prognose präsentieren, dass in soundsovielen Jahrzehnten nun auch
der Mensch nachgebaut werden kann.
Was hilft?
Einstein hatte berechtigte Zweifel
Schon interessant, dass dem Forscher eine Drohne als erstes Beispiel
für die "Replikatoren" einfällt. Da ist jemand an
militärischen Forschungsgeldern für eine friedlichere Welt
interessiert. Und wenn sich jeder seine Waffe drucken kann (vom
pubertierendem "Schulversager" bis zum fanatischen
Fundamentalisten aller Art und Coleur), was ja von nichts und niemandem
verhindert werden kann, braucht man auch keine Waffengesetze und keinen
"Krieg gegen den Terror" mehr. Der Terror kann dann von
jedermann/-frau je nach Befindlichkeit in die Nachbarschaft getragen
werden.
Wenn die Dummheit der Menschheit nachlassen sollte, dann drucken wir
noch ein paar Forschungseinrichtungen aus.
Wenn die Ressourcen knapp werden, dann drucken wir die fehlenden Atome
aus; oder besser noch, gleich einen ganzen, prall mit Ressourcen
gefüllten Planeten.
Einstein: "Es gibt nur zwei Dinge die unendlich sind; das Weltall
und die Dummheit des Menschen. Beim erstem, bin ich mir aber nicht ganz sicher."
widersprüchlich: Schicht aufbauen versus Zerspanung
was bitte hat die Herstellung eines Holzgegenstandes (Tisch!) per
Zerspanung und, last not least, der notwendigen
Oberflächenbearbeitung mit dem per 3D-Drucker Schicht für
Schicht aufgebauten 3D-Objekt zu tun?
Wer je mit diesen "altertümlichen" Vielachsengesteuerten
Produktionsrobotern der heutigen Zeit, den täglichen Problemen mit
den Werkzeugen (Verschleiss, Spanleistung versus Qualität usw.),
dem Programmieraufwand in Abhängigkeit zum inhomogenen
"Natur"-Werkstoff wie Holz und vielen weiteren Problemen
konfrontiert war kratzt sich am Kopf und fragt, wovon der Mann da redet...
Wäre ja schön, wenn ein digitales Fertigungsgerät („digital fabricator")
auch einen Roboter für die Haus- und Gartenarbeit herstellen kann.
Das wird doch sicher möglich sein.
Und diesem Roboter kann man doch sicher den Befehl geben, noch viele
andere Roboter
herzustellen....Die total menschenähnlich sind.
Oder geht das jetzt schon? Also bei manchen meiner Nachbarn habe ich
manchmal das
Gefühl, als ob....
Schönen Sonntag noch.
"Gefühl, als ob...."
Da liegen Sie wohl gar nicht so falsch:
Der Artikel spricht von "digitaler Intelligenz", dem
verkrampft-dualistischen Prinzip der modernen Dialektik, die
ausschließlich Extreme zulässt und diese grundsätzlich
als Gegensätze betrachtet.
Insofern haben wir schon das Zeitalter des Posthumanismus schon erreicht.
Wie Karl Kraus richtig bemerkte: "Das Wort Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit." So gesehen ist die Vorstellung, die Familie auch noch als Knetfigurengruppe auf der Kommode stehen zu haben, ja nun wirklich der reine Horror...
Die Technologie steckt wie im Artikel schon beschrieben noch in den
Kinderschuhen wie damals Großrechner vor PCs. Aber wenn man die
Entwicklung verfolgt sieht man dass die 3D Drucker immer besser,
schneller und günstiger werden. Mit Nanoscribe (deutsche Firma)
kann man jetzt sogar Dinge im μ-Meter Bereich innerhalb
kürzester Zeit mit Laser-Lithographie drucken.
Wie im PC Bereich wird auch bei 3D Drucker immer mehr möglich
werden. Andere Materialien, feinere und komplexere Strukturen usw.
Bis wir vielleicht dann irgendwann in Zusammenspiel mit wesentlich
schnelleren Computern soweit sind Atome zu "drucken" bzw. zu
manipulieren. Und damit einen Replikator wie in Star Trek haben.
Die Entwicklung ist einfach fantastisch.
Für Fertigungs Unternehmen wird es aber weiterhin Platz bei den
großen Maßstäben wie Häuser, Flugzeuge usw.
drucken geben.
Der bloße Glaube versetzt Berge,...
Das gibt es schon seit Jahrzehnten: Heißt CNC-Maschine.
Mit dem tragbaren "3-D-Drucker PopFab" kann man sicher
wunderschöne Plastiktische für die Puppenstube
"drucken" – vielleicht auch größere
aufblasbare Holztische.
Aber warum nicht gleich zaubern?!
Diese Technik wird nicht aufzuhalten sein, und sich auch durchsetzen. Sie wird die Welt fundamental veraendern - Waffen kann sich jeder Haushalt dann selbst herstellen, und der Rohstoffhandel wird die Welt noch mehr dominieren. Deutschland sollte sich darauf vorbereiten- die Laender, die hier technisch fuehrend sein werden, werden den Welthandel dominieren.